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Dampfen statt Rauchen

Wie gefährlich sind E-Zigaretten wirklich? Das sagen Studien

Wie gefährlich sind E-Zigaretten wirklich?
Ausstiegshilfe oder neue Gesundheitsfalle? Forscher stufen den Dampf inzwischen als „wahrscheinlich krebserregend“ ein Foto: Mauro Grigollo
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Anna Echtermeyer
Redakteurin

2. April 2026, 4:05 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten

Sind E-Zigaretten das beste Werkzeug zum Aufhören mit dem Rauchen – oder ein neuer Einstieg in andere Risiken? Trotz begrenzter Beweislage für die langfristigen Folgen verweisen große Studien inzwischen auf massive Gefahren wie Krebs, Herz-Kreislauf-Risiken und giftige Schwermetalle. Am gefährlichsten ist der „Dual Use“.

Nikotinbasierte E-Zigaretten „wahrscheinlich krebserregend“

Ein Team um den Forscher Bernard W. Stewart veröffentlichte Ende März eine umfangreiche Analyse in der Fachzeitschrift „Carcinogenesis“.1 Die Wissenschaftler wollten wissen, wie hoch das Krebsrisiko durch E-Zigaretten wirklich ist. Dafür werteten sie systematisch alle wichtigen Studien seit dem Jahr 2017 aus. Sie untersuchten dabei nicht nur Daten von Menschen, sondern prüften auch Ergebnisse aus dem Labor und aus Tierversuchen.

Die Ergebnisse sind alarmierend: Die Forscher stufen nikotinhaltige E-Zigaretten als „wahrscheinlich krebserregend für Menschen“ ein. Im Körper der Nutzer fanden sie deutliche Spuren von DNA-Schäden, die durch Inhaltsstoffe wie Nitrosamine oder giftige Metalle entstehen. In Versuchen mit Mäusen verursachte der eingeatmete Dampf sogar Lungenkrebs. Das Fazit der Experten ist klar: Das Dampfen löst Entzündungen im Mund und in der Lunge aus und wird in Zukunft zu mehr Krebserkrankungen in diesen Bereichen führen.

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Wie stark hängt der Konsum von E-Zigaretten mit schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Ereignissen zusammen?

Die akuten und chronischen Gefahren für das Herz-Kreislauf-System beleuchtete eine weitere Übersichtsarbeit. Im Ergebnis warnen die Forscher ausdrücklich davor, E-Zigaretten als harmlose Alternative zu betrachten. Insbesondere in Kombination mit herkömmlichem Tabak könne massive Herzschäden provozieren. Die Studie wurde im Februar 2026 in der Fachzeitschrift „BMC Public Health“ veröffentlicht.2

Das internationale Forscherteam wertete 26 Studien mit insgesamt über 900.000 E-Zigaretten-Nutzern weltweit aus. Die Forscher wollten wissen: Wie stark hängt der Konsum von E-Zigaretten mit schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Ereignissen zusammen?

Da bisherige Daten oft nur einzelne Aspekte wie Herzinfarkte isoliert betrachteten, zielten die Wissenschaftler auf ein umfassendes Bild ab, das auch Schlaganfälle, koronare Herzkrankheiten und die Sterblichkeit einschließt. Besonders gefährlich ist demnach die kombinierte Nutzung von Tabak- und E-Zigaretten.

Die Ergebnisse von Suraa N. Al-Rubaye und den anderen Wissenschaftlern belegen ein deutlich erhöhtes Risiko für das Herz-Kreislauf-System: Die Wahrscheinlichkeit für schwere Herzereignisse (MACE) lag bei Dampfern um das 1,57-Fache höher als bei Nichtnutzern.

Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt in Dual-Use-Gruppe fast um das Vierfache erhöht

  • Das Risiko für einen Schlaganfall stieg um das 1,62-Fache
  • Das Risiko für koronare Herzkrankheiten um das 1,19-Fache
  • Bei der Dual-Use-Gruppe (diejenige, die Tabak und E-Zigaretten konsumierten) war das MACE-Risiko 2,21-fach erhöht.
  • Die Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt war in der Dual-Use-Gruppe sogar um das 3,86-Fache erhöht.

Studie: Massive Schwermetall-Belastung in populären Einweg-Vapes

Doch was sind die Ursachen dieser Schäden? 2025 untersuchte ein Team der University of California beliebte Marken von Einweg-E-Zigaretten (dPODs) wie Elf Bar, Esco Bar und Flum Pebble. Die Studie, veröffentlicht in „ACS Central Science“, klärte darüber auf, was genau in den Geräten steckt und warum sie so giftig sind.3

Massives Bleiproblem bei Esco Bar

Der schockierendste Fund war Blei in Esco-Bar-Geräten. Und zwar in Form von bleihaltiger Bronze in Bauteilen, die direkten Kontakt zum Liquid hatten. Die Bleiwerte waren so hoch, dass ein Nutzer bei der gleichen Nikotindosis wie aus einer Packung Zigaretten vier- bis 13-mal mehr Blei einatmet. Neben Blei wurden extrem hohe Konzentrationen von Nickel, Chrom, Kupfer, Zink und Antimon gefunden.

Nickel und Chrom in allen drei Marken

Die gesundheitsgefährdenden Mengen an Nickel und Chrom und das daraus resultierende Krebsrisiko wurden in allen drei Marken (Esco Bar, Flum Pebble und Elfbar) gefunden. Diese Metalle lösen sich durch die Hitze von den Heizspulen oder gelangen aus anderen Metallteilen in das Aerosol.

Das Fazit der Forscher fiel vernichtend aus. Einweg-Vapes setzen beim Dampfen gesundheitsgefährdende Mengen an Schwermetallen frei – teils deutlich über den toxischen Grenzwerten. „Toxische Elemente (z. B. Blei, Antimon, Nickel) im Dampf von Einweg-E-Zigaretten überschreiten die akzeptablen Schwellenwerte für Krebsrisiken und allgemeine Giftigkeit aufgrund des Austritts aus Heizspulen und internen metallischen Komponenten“, heißt es dort.

Der Hersteller von Elfbar wies damals übrigens bei FITBOOK die Studienergebnisse zurück und behauptete, die getesteten Geräte seien Fälschungen und nicht von ihm produziert worden. Damit konfrontiert, antwortete Studienautor Brett A. Poulin gegenüber FITBOOK: „Wir haben überprüft, dass alle in unserer Studie verwendeten Elfbar-Geräte echt sind, indem wir das Authentifizierungstool des Herstellers sowie die auf der Originalverpackung jedes Geräts angegebenen Sicherheitscodes verwendet haben.“

Herz-Studie: Dampfen erhöht Blutdruck massiv – Puls ruhiger als bei Tabakzigaretten

Ein Team um die Hauptautorin Anasua Kundu von der University of Toronto untersuchte die Auswirkungen von E-Zigaretten auf das Herz-Kreislauf-System. Die Forscher wollten klären, ob das Dampfen akute oder langfristige Gesundheitsrisiken birgt und wie diese in verschiedenen Bevölkerungsgruppen variieren. Dafür überprüften sie 63 Studien, die Daten von Menschen sowie Ergebnisse aus Tier- und Zellversuchen umfassten.

Heraus kam: Verglichen mit der Nichtnutzung führt der Konsum von E-Zigaretten akut zu einem Anstieg der Herzfrequenz und des Blutdrucks. Dieser Anstieg der Herzfrequenz fiel jedoch geringer aus als bei herkömmlichen Zigaretten. Die Studie wurde 2025 in „BMJ Journals Heart“ veröffentlicht.4

E-Zigaretten bieten womöglich kleine Vorteile für Raucher

Trotz der beunruhigenden Befunde zu Krebs, Herz-Kreislauf-Risiken und Giften gibt es auch Daten, die zeigen, warum E-Zigaretten für eine bestimmte Gruppe sinnvoll sein können. Eine im Jahr 2025 in „BMJ Open“ veröffentlichte Studie von Sitasnu Dahal und seinem Team untersuchte 520 Raucher, die versuchten, weniger Tabak zu qualmen.5

Das Team fand heraus: Wer auf E-Zigaretten mit hohem Nikotingehalt (36 Milligramm pro Milliliter) umstieg, konnte seinen Zigarettenkonsum am stärksten reduzieren. Als positiver Nebeneffekt verbesserten sich bei diesen Teilnehmern nach sechs Monaten die Blutfettwerte. Das ‚gute‘ HDL-Cholesterin stieg an, während das ‚schlechte‘ LDL-Cholesterin sank. Die Forscher betonen jedoch, dass dies vor allem am massiv reduzierten Tabakkonsum liegt – und nicht daran, dass der Dampf an sich gesundheitsfördernd ist.“

Was bei der Interpretation der Ergebnisse jedoch berücksichtigt werden muss: Einbezogen wurden nur Raucher, die ihren Konsum reduzieren. Also nicht jene, die unbedingt ganz aufhören wollten. Die Studie beruht zudem auf Selbstauskunft, das macht sie anfällig für Erinnerungsfehler. Außerdem hatte die Studie eine beträchtliche Abbruchquote (36 Prozent).

Einen wichtigen Aspekt für Umsteiger steuerte auch die oben genannte Blutdruck-Studie bei. Dort zeigte sich: Der kurz- bis mittelfristige Wechsel von Tabak- zu E-Zigaretten kann den Blutfluss und den Blutdruck sogar verbessern, was insbesondere bei Frauen und jüngeren Personen beobachtet wurde.

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Wissenschaftlicher Streitfall: E-Zigaretten für Herz und Lunge so gefährlich wie normale Zigaretten?

In der Wissenschaft gibt es eine Fraktion (prominent vertreten durch den US-Wissenschaftler Stanton Glantz), die behauptet, E-Zigaretten seien für das Herz und die Lunge nahezu genauso gefährlich wie herkömmliche Zigaretten. Glantz und andere Forscher veröffentlichten 2024 eine umfassende Meta-Analyse in der Fachzeitschrift „NEJM Evidence“. Sie werteten insgesamt 107 Studien aus und gingen der Frage nach, wie hoch die gesundheitlichen Risiken von E-Zigaretten im direkten Vergleich zu herkömmlichen Tabakzigaretten in der Allgemeinbevölkerung tatsächlich sind.

Im Kern kommen die Forscher zu dem Schluss, dass das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle und Stoffwechselstörungen bei E-Zigaretten-Nutzern ähnlich hoch ist wie bei Rauchern herkömmlicher Zigaretten. Im Fokus standen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle, Stoffwechselstörungen, Asthma, COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) und Erkrankungen im Mundraum. Besonders hervorgehoben wird (wie auch in der Studie zu den Herz-Kreislauf-Ereignissen) die signifikant höhere Gefahr für alle untersuchten Krankheiten bei der kombinierten Nutzung von E-Zigaretten und normalen Zigaretten gegenüber „nur“ Rauchen.

Glantz fordert eine grundlegende Neubewertung der Annahme, dass E-Zigaretten eine substantielle Schadensminimierung („Harm Reduction“) über alle krankheitsrelevanten Bereiche hinweg bieten – insbesondere, wenn man die weite Verbreitung der kombinierten Nutzung (Dual Use) berücksichtigt.

Diese Studie wird von anderen Forschern kritisiert. Brad Rodu, Professor an der University of Louisville in Kentucky mit Forschungsschwerpunkt „Tabak-Schadensminimierung“, wirft Glantz und Kollegen in einer 2025 veröffentlichten Analyse u. a. methodische Fehler vor.6 Die Forscher hätten bspw. in die Kategorie „Herz-Kreislauf-Erkrankungen“ auch Fälle von Erektionsstörungen eingerechnet, welche ein sehr hohes Risiko-Verhältnis aufwiesen und so den Gesamtdurchschnitt für schwere Herzkrankheiten nach oben verzerrt hätten. Zudem habe Glantz in der Kategorie COPD auch Studien zu Grippe-Erkrankungen mit einbezogen, was laut Kritikern wissenschaftlich nicht haltbar sei.

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Renommierter Mediziner: E-Zigaretten keinesfalls sicher

Laut Michael Blaha, renommiertem Professor für Kardiologie und Epidemiologie an der Johns Hopkins University School of Medicine, enthalten E-Zigaretten zwar weniger giftige Chemikalien als herkömmlicher Tabak, können aber dennoch keinesfalls als sicher eingestuft werden.7 Auch, wenn Vaping weniger schädlich als Rauchen sein möge, sei es immer noch gefährlich für Herz und Lunge. Blaha betont, dass man sich einer Vielzahl von Chemikalien aussetzt, die man noch nicht vollständig versteht und die wahrscheinlich nicht sicher sind. Der Mediziner verweist auch auf das massive Suchtpotenzial: Nutzer können sogar eine höhere Nikotindosis erhalten, indem sie die Spannung des Geräts erhöhen oder „Extra-Strength“-Kartuschen verwenden.

Besorgt äußert er sich insbesondere darüber, dass eine neue Generation von Jugendlichen, die sonst nie geraucht hätte, durch Vaping nikotinsüchtig wird. Denn auch das zeigen Studien, über die etwa der „Guardian“ berichtete: Jugendliche, die vapen, greifen deutlich häufiger zu Zigaretten.8 Der Anstieg des Gebrauchs von Einweg-Produkten (Puff Bars) unter Schülern wird u. a. auch vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) als besonders alarmierend hervorgehoben.9

Die 2023 vom Drogenbeauftragten der Bundesregierung formulierte Forderung nach einem Vape-Aromenverbot ist politisch hängen geblieben.

Fazit – diese Frage sollten sich Raucher stellen

E-Zigaretten sind keine harmlose Alternative, sondern ein eigenes Risiko – mit Hinweisen auf Krebs, Herz-Kreislauf-Schäden und giftige Metalle. Für Raucher können sie womöglich kurzfristig helfen, den Tabakkonsum zu reduzieren. Entscheidend ist aber, was daraus wird: ein echter Ausstieg oder nur ein Wechsel – oder schlimmer noch: beides parallel.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Will ich wirklich raus aus der Abhängigkeit – oder suche ich nur die bequemere Variante, drin zu bleiben?

Quellen

  1. Stewart B. W., Marshall H., Bonevski B. et al. (2026): The carcinogenicity of e-cigarettes: a qualitative risk assessment. Carciogegesis. ↩︎
  2. Al-Rubaye S. N., Shweliya M. A., Fawzi Hemida M., et al. (2026): Electronic cigarettes and cardiovascular outcomes: a systematic review and meta-analysis of Major Adverse Cardiovascular Events (MACE). BMC Public Health. ↩︎
  3. Salazar M. R., Saini L., Nguyen T. B. et al. (2025): Elevated Toxic Element Emissions from Popular Disposable E-Cigarettes: Sources, Life Cycle, and Health Risks. ASC Central Science. ↩︎
  4. Kundu A., Feore A., Sanchez S. et al. (2025): Cardiovascular health effects of vaping e-cigarettes: a systematic review and meta-analysis. BMJ Journals Heart. ↩︎
  5. Dahal S., Yingst J., Wang X. et al. (2025): Changes in cardiovascular disease risk, lung function and other clinical health outcomes when people who smoke use e-cigarettes to reduce cigarette smoking: an exploratory analysis from a randomised placebo-controlled trial. BMJ Open. ↩︎
  6. Rodu B., Plurphanswat N., Rodu J. (2025): Inaccurate and misleading meta-analysis of E-cigarettes and population-based diseases. Internal and Emergency Medicine. ↩︎
  7. Hopkins Medicine: 5 Vaping Facts You Need to Know (aufgerufen am 01.04.2026) ↩︎
  8. The Guardian: Young vape users three times as likely to start smoking, study finds (2025, aufgerufen am 01.04.2026) ↩︎
  9. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Süß und bunt – aber nicht harmlos! (2025, aufgerufen am 01.04.2026) ↩︎

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