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Führende US-Experten

Welche Zahnpflegeprodukte wirklich etwas nützen und welche nicht

Ausgedrückte Zahnpasta
Zahnpasta gehört ganz klar zu den Basis-Produkten einer guten Zahnpflege – allerdings lohnt sich ein Blick auf die InhaltsstoffeFoto: Getty Images

Beugen Probiotika Zahnfleischerkrankungen vor? Ist Zahnseide notwendig? Welche Bürste ist die richtige? Bei einer neuen Untersuchung der Universität Buffalo stellte sich jetzt heraus, welche der unzähligen sich auf dem Markt befindenden Zahnpflegeprodukte tatsächlich sinnvoll sind.

Die Werbung ist voll mit neu entwickelten Spülungen und Pasten, die alle Zahnprobleme im Nu beseitigen sollen, sowie anderen ausgetüftelten Mundhygieneinstrumenten. Doch was hilft wirklich gegen Zahnfleischentzündung, Karies und Plaque? Um Antworten darauf zu finden, prüfte ein US-Forscherteam, wie sinnvoll oder gar gefährlich verschiedene Zahnpflegeprodukte tatsächlich sind – mit eindeutigen Ergebnissen.

Nur eine handvoll Produkte sind wirklich nützlich

Über das Zähneputzen mit einer einfachen Zahnbürste hinaus bieten nur eine Handvoll Produkte zusätzlichen Schutz vor Parodontose und Co., heißt es in dem Paper, das im „Journal of the International Academy of Periodontology“ veröffentlicht wurde.1 Dagegen sei der größte Teil aller Werbeversprechen nur durch unzureichende Evidenz gestützt. Um den Menschen für die Zukunft verlässliche Informationen darüber zu geben, welche Praktiken wirklich vor Zahnerkrankungen schützen – sofern sie regelmäßig und sachgemäß durchgeführt werden – ergänzten die Forscher ihren Bericht mit einer Liste sinnvoller sowie unnützer Zahnpflegeprodukte.

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Die einzig sinnvollen Zahnpflegeprodukte laut Studie

  • Die gute, alte Handzahnbürste
  • Zwischenraumzahnbürste (Interdentalbürste)
  • Munddusche
  • Mundspülungen auf Basis von Chlorhexidin (CHX) und Cetylpyridiniumchlorid (CPC)
  • Mundspülungen auf Basis ätherischer Ölen (Listerine)

Alles andere könne laut Forschenden getrost aus dem Badezimmerregal verschwinden, so die Forscher. „Das tägliche Zähneputzen ist der Eckpfeiler der täglichen Mundhygiene und die einzig zuverlässige Methode zur Kontrolle von Zahnbelag“, erklärt Studienleiter Prof. Frank Scannapieco in einer Medienmitteilung.2 Eine herkömmliche Zahnbürste biete in Kombination mit einer Zwischenraumbürste sowie Munddusche den besten Schutz gegen Zahnfleischerkrankungen.

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Unter den zahlreichen untersuchten Mundspülungen haben sich einzig solche auf der Basis von CHX, CPC und ätherischen Ölen als wirksam gegen Plaque und Entzündungen erwiesen. Ebenso sind Zahnstocher nützlich, um die Gesundheit des Zahnfleisches zu überwachen. „Durch sanftes Stochern lassen sich schnell erste Anzeichen einer Zahnfleischerkrankung erkennen“, so Scannapieco.

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Achtung, Gift! Zahnpasta mit Triclosan

Dagegen warnen die Wissenschaftler eindrücklich vor Zahnpasta, die den Wirkstoff Triclosan enthalten. Triclosan-Zahnpasten und -Mundspülungen reduzierten aufgrund ihrer antibakteriellen Wirkung Plaque und Gingivitis deutlich, die Verbindung wird jedoch mit der Entwicklung verschiedener Krebsarten sowie Fortpflanzungsstörungen in Verbindung gebracht. In den USA wurde die umstrittene Substanz weitgehend aus Körperpflegeprodukten verbannt. In Deutschland findet sie weiter Verwendung in manchen Produkten. Und das, obwohl die Verbraucherzentrale sowie das Bundesinstitut für Risikobewertung (bfr) Triclosan ebenfalls sehr kritisch sehen und ein EU-Verbot für die Kosmetikindustrie ausdrücklich begrüßen. 3,4

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Welche Zahnpflegeprodukte nicht schaden, aber vermutlich nicht sonderlich nützen

  • Elektrische Zahnbürsten
  • Zahnseide
  • Nahrungsergänzungsmittel/Probiotika
  • andere Mundspülungen als die oben genannten

Wie sinnvoll Zahnpflegeprodukte wie elektrische Bürsten oder Zahnseide sind, darüber ist sich die Forschung nicht ganz einig. „Elektrisch betriebene Zahnbürsten sind bei der Reduzierung von Plaque und Gingivitis nicht wirksamer als eine einfache Zahnbürste“, so der Studienbericht. Auch ist eine Zwischenraumzahnbürste besser als Zahnseide. „Aber werfen Sie Ihre Zahnseide nicht weg“, empfiehlt Scannapieco. Sie sei immer noch besser als nichts.

Darüber hinaus fanden die Wissenschaftler keine ausreichenden Beweise dafür, dass Mundspülungen auf Basis von Teebaumöl, grünem Tee, entzündungshemmenden Mitteln, Wasserstoffperoxid, Natriumbenzoat, Zinnfluorid, Hexetidin oder Delmopinol Entzündungen reduzieren. Der Einsatz von Probiotika und anderen Nahrungsergänzungsmitteln scheint ebenfalls vielversprechend, ist als präventive Strategie gegen Zahnfleischerkrankungen aber nicht bewiesen.

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Fazit

Die Formel für eine ideale Mundhygiene ist und leicht zu merken: Zweimal täglich Zähneputzen ist das A und O für gesunde Zähne und Zahnfleisch. Halten Sie die Zahnzwischenräume sauber und helfen Sie bei Bedarf mit den drei empfohlenen Mundspülung nach. Gehen Sie verantwortungsvoll mit zucker- und säurehaltigen Lebensmitteln um und zudem regelmäßig zum Zahnarzt.

Quellen