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Studienlage

Faktoren, die die Wirksamkeit der Corona-Impfung beeinträchtigen können

Impfung
Eine US-Studie zeigt, wie sich die psychische Verfassung der Geimpften auf die Wirksamkeit der Impfung auswirktFoto: Getty Images

Rund 69 Prozent der Deutschen sind bislang vollständig gegen Corona geimpft. Doch nicht jeder reagiert gleich auf die Impfung. Eine große Meta-Studie aus den USA hat gezeigt, dass mehrere Faktoren Einfluss auf die Wirksamkeit einer Impfung nehmen können. FITBOOK hat alle negativen Einflussfaktoren zusammengefasst.

Die zugelassenen Corona-Impfstoffe sind zwar überaus wirksam, dennoch wirken sie nicht bei jedem gleich effektiv. Alter und chronische Erkrankungen können eine Rolle spielen, doch längst nicht nur diese Faktoren, die man nicht beeinflussen kann. Ein Forschungsteam der US-amerikanischen Ohio State University hat kürzlich herausgefunden, dass auch psychologische und soziale Faktoren sowie Verhaltensweisen die Wirksamkeit der Corona-Impfung beeinflussen können.

Analyse von Impfstoff-Studien aus drei Jahrzehnten

Die oben genannten Faktoren können zum einen Einfluss darauf haben, wie lange der Körper nach einer Impfung braucht, bis er die schützende Immunität gegen das Coronavirus aufbaut. Zum anderen auch, wie lange diese anhält. Und auch die Intensität der Nebenwirkungen kann damit zusammenhängen. Die gute Nachricht: Schon kurzfristige Änderungen der Lebensweise können sich positiv auf das Immunsystem und damit die Wirksamkeit der Corona-Impfung auswirken.

Die US-Forscher untersuchten in ihrer Meta-Studie eine Reihe an Impfstoff-Studien der letzten 30 Jahre.1 Darunter sind Untersuchungen zu Vakzinen gegen Hepatitis B, Grippe, Pneumokokken und Typhus. Sie alle hatten gezeigt, dass ein Zusammenhang zwischen psychologischen Faktoren sowie der Lebensweise und der Reaktion des Immunsystems auf Impfungen besteht. Die Ergebnisse treffen auf viele Impfstoff-Typen zu und könnten daher für den SARS-CoV-2-Impfstoff relevant sein, schreiben die Autoren.

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Faktoren, die die Wirksamkeit der Corona-Impfung negativ beeinflussen können

Psychologische Faktoren

  • Stress
  • Depressionen
  • Einsamkeit

Bei den psychologischen Faktoren, die die Wirksamkeit der Corona-Impfung negativ beeinflussen, steht Stress an erster Stelle. Doch auch Depressionen und Einsamkeit können „die Reaktion des Immunsystems auf Impfstoffe beeinträchtigen“, heißt es in der Studie. Das heißt, es werden mitunter weniger Antikörper gebildet als bei den Impfkandidaten, die diese Faktoren nicht aufweisen. Dieser Effekt könne bei gefährdeten Gruppen wie älteren Menschen am stärksten sein, schreiben die Autoren weiter.

Auch neurotische Menschen sowie jene mit einem geringen Selbstwertgefühl können mitunter geringere Antikörperreaktionen zeigen. Psychologische Faktoren sollen außerdem Einfluss auf die Häufigkeit und Schwere von Impfnebenwirkungen haben, wie etwa Ermüdung.

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Ungesunde Lebensweise

  • Rauchen
  • schlechte Ernährung
  • zu wenig Schlaf
  • Bewegungsmangel
  • hoher Alkoholkonsum

Die Coronapandemie selbst hat Impfrisikofaktoren wie Stress, Depressionen und Angst verstärkt. Diese führen mitunter auch zu einem schlechten Gesundheitsverhalten wie zum Beispiel Rauchen, hohem Alkoholkonsum, ungesunder Ernährung und zu wenig Bewegung. Auch der Schlaf leidet unter Stress und kommt zu kurz. Leider sind es alles Faktoren, die laut der Studie die Wirkung einer Corona-Impfung mindern können. „Insgesamt sind diese Risikofaktoren so weit verbreitet, dass sie, wenn sie nicht angegangen werden, die Gesamtwirksamkeit von SARS-CoV-2-Impfstoff-Kandidaten erheblich reduzieren könnten“, warnen die Studienautoren.

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Einnahme von Schmerzmitteln

Einige Menschen nehmen beliebte Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen ein, um die Nebenwirkungen der Impfung zu bekämpfen. Das können ein schmerzender Arm sein, Kopfschmerzen oder grippeähnliche Symptome. Doch genau davor warnen Experten wie die Würzburger Immunologin und Impfexpertin Prof. Dr. Martina Prelog. Insbesondere vorsorglich vor dem Impftermin entzündungshemmende Schmerzmittel einzunehmen, ist problematisch: „Indem sie die wichtige Entzündungsreaktion hemmen, hemmen sie auch die Immunantwort“, erklärt die Expertin. Einige Tage nach der Impfung sei die Einnahme kein Problem.

Dies bestätigt eine Studie mit Patienten, die eine Hepatitis-B-Impfung bekamen.2 Jene Personen, die anfingen prophylaktisch 24 Stunden vor dem ersten Impftermin Paracetamol einzunehmen, hatten nach etwa sechs Monaten deutlich weniger Antikörper entwickelt als Personen, die kein Paracetamol einnahmen. Eine weitere Kontrollgruppe nahm nicht prophylaktisch, sondern sechs Stunden nach der Impfung Paracetamol ein, um die Nebenwirkungen zu bekämpfen. Bei Art der Einnahme konnte keine negative Wirkung auf die Immunantwort beobachtet werden. Laut den Wissenschaftlern könne man Paracetamol nutzen, um beispielsweise Fieber nach einer Impfung zu bekämpfen, wenn mindestens sechs Stunden seit der Impfung vergangen sind.

Chronischer Stress könnte Dauer der Immunisierung verkürzen

Bislang ist nicht abschließend geklärt, wie lange die Antikörper in so großer Menge vorhanden sind, dass sie gegen eine Coronainfektion schützen. „Obwohl die derzeit führenden Impfstoff-Kandidaten im Allgemeinen eine hohe Wirksamkeit erreicht haben, ist es möglich, dass chronischer Stress der Impfstoff-Empfänger diese Reaktion im Laufe der Zeit abschwächt, sodass häufigere Impfungen erforderlich sind“, warnen die Autoren.

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Was kann man für eine bessere Wirksamkeit der Corona-Impfung tun?

„Ironischerweise könnte die Angst vor Covid-19 selbst die Fähigkeit des Impfstoffs, Immunität gegen das Virus zu verleihen, verringern“, schreiben die Autoren. Gleichzeitig machen sie deutlich, dass eine positive Veränderung des Verhaltens und der psychologischen Situation die Wirksamkeit der Corona-Impfung wiederum positiv beeinflussen könne: „Selbst kurzzeitige Interventionen können effektiv sein.“

Stress vor allem rund um den Impftermin vermeiden

„Soweit möglich, kann eine Reduzierung der Stressbelastung um den Zeitpunkt der Impfung dazu beitragen, die Wahrscheinlichkeit störender Nebenwirkungen zu verringern“, raten die Experten. Hinzu kommen alle Dinge, die guttun und so auch das Stresslevel senken können. Allen voran: gut und genug schlafen! „Schlaf beeinflusst die Immunfunktion erheblich“, heißt es in der Studie. Menschen, die regelmäßig unter Schlafmangel litten, hätten nicht nur ein „hohes Risiko, nicht auf den Impfstoff zu reagieren, sondern auch schwere Krankheiten zu erleiden.“

Einen positiven Einfluss auf die Psyche und damit auch auf die Wirksamkeit der Corona-Impfung können laut dem Studien-Papier auch folgende Hilfsmittel haben:

  • Massagen
  • Meditation und Achtsamkeitspraktiken
  • expressives Schreiben
  • Stress-Management

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Sport und gesunde Ernährung unterstützen das Immunsystem

Auch körperliche Aktivitäten wie Sport helfen, das Immunsystem zu stärken und so den Körper besser auf die Impfung vorzubereiten (mehr dazu hier). Gleichzeitig ist es empfehlenswert, sich gesund zu ernähren. Dabei sollte man insbesondere auf eine vollwertige und ballaststoffreiche Kost achten. Denn viele Ballaststoffe fördern die Produktion gesunder Bakterien im Darm. Diese wiederum stärken nachweislich das Immunsystem.

Dafür sollte man die Finger von Zigaretten lassen und nicht übermäßig viel Alkohol trinken. Das gilt zwar generell, aber insbesondere um den Impftermin herum. Wer also seine Corona-Impfungen mit Alkohol begießen will, kann das zwar tun, sollte es aber bei einem kleinen Glas belassen (mehr dazu lesen Sie hier).

Quellen

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