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Pollenallergie-Saison

Alles, was Sie über Heuschnupfen wissen müssen

Eine Frau schnäuzt sich die Nase
Wer an Heuschnupfen leidet, sollte in der Pollenzeit die richtigen Maßnahmen ergreifen. Dazu gehören etwa Nasenspülung und HaarewaschenFoto: Getty Images

Endlich Frühling! Während viele da erleichtert aufatmen, würden Menschen mit einer Pollenallergie hingegen am liebsten die Luft anhalten. Denn der Heuschnupfen sorgt dafür, dass sie sich über das Ende des Winters nicht unbedingt freuen können. Was Sie tun können, um die Beschwerden zu lindern, lesen Sie hier.

Für Menschen die stark unter Allergien leiden ist die Pollenflug-Saison wohl die mit Abstand lästigste Zeit im Jahr. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Heuschnupfen und Tipps, was dagegen helfen kann, gibt Carsten Schmidt-Weber, Professor an der Technischen Universität München und Leiter des Zentrums für Allergie und Umwelt (ZAUM).

Was ist Heuschnupfen überhaupt?

Mediziner sprechen bei dem Phänomen von allergischer Rhinitis – also einer durch Allergien verursachten Entzündung der Nasenschleimhaut. Auslöser dieser Krankheit können zum Beispiel Hausstaubmilben sein, aber eben auch die Pollen von Bäumen und Gräsern. „Dem Begriff nach bezieht sich Heuschnupfen streng genommen eigentlich nur auf die Gräser“, sagt Schmidt-Weber. Die Bäume seien hier aber natürlich ebenso gemeint, wenn auch vom „Baumschnupfen“ niemand spreche.

Die typischen Symptome einer Pollenallergie

Typische Allergie-Symptome sind ein Jucken an Lippen, Zunge, Gaumen, Rachen oder sogar an den Gehörgängen. Teils kommt es auch zu Schwellungen oder Magen-Darm-Beschwerden (z.B. Bauchschmerzen oder Erbrechen).

Grundsätzlich gilt: Heuschnupfen ist sehr individuell, fast jeder Patient reagiert auf unterschiedliche Pollen unterschiedlich stark. Mono-Allergien sind allerdings selten: Die meisten Allergiker niesen und husten bei mehreren Pollenarten.

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Der Pollenflugkalender zeigt, wann welche Pollen fliegen

Welche Pollen wann genau ihr Unwesen treiben, lässt sich mit dem Pollenflugkalender herausfinden. Ein Blick darauf zeigt schnell: Die meisten Pollen sind zwar im Frühjahr unterwegs, ganz pollenfrei ist aber eigentlich kaum eine Jahreszeit. „Es gibt zum Beispiel eine Erlensorte, die bereits im Dezember blüht“, sagt Schmidt-Weber. „Und wenn Sie dann nicht nur darauf reagieren, sondern zum Beispiel auch auf die Ambrosia, die erst im Herbst blüht, haben Sie leider fast das ganze Jahr damit zu tun.“

Ist starker Pollenflug angesagt, sollten von Allergien Betroffene zu viele Aktivitäten im Freien am besten vermeiden. Vorhersagen findet man auf den Seiten des Deutschen Wetterdienstes oder der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst.

Wer ist am ehesten von Heuschnupfen betroffen?

Aber sind manche Menschen eigentlich eher für Heuschnupfen anfällig als andere? „Es gibt einen Stadt-Land-Faktor“, erklärt Schmidt-Weber: In Ballungsräumen trete Heuschnupfen grundsätzlich häufiger auf. Die Gründe dafür seien allerdings unklar. Zudem sei Heuschnupfen auch erblich bedingt, teilweise zumindest. „Wenn ein Elternteil bereits an Heuschnupfen leidet, hat das Kind ein höheres Risiko, auch daran zu erkranken“, so der Experte. „Es gibt aber keine Garantie, und umgekehrt auch keine Sicherheit, es nicht zu bekommen, wenn die Eltern keine Allergien haben.“

Wer zum ersten Mal Heuschnupfen hat, sollte unbedingt zum Arzt gehen

Wer zum ersten Mal von Heuschnupfen betroffen ist, sollte unbedingt zum Arzt gehen. Allergologen sind in der Regel HNO-Fachärzte, Kinder- und Jugendärzte oder Hautärzte mit entsprechender Zusatzqualifikation. Sie können feststellen, gegen welche Stoffe jemand allergisch ist, und geben Tipps für die richtige Medikation. Gegen Heuschnupfen gibt es sowohl frei verkäufliche als auch rezeptpflichtige Medikamente wie Tabletten, Nasensprays oder Augentropfen. Diese Anti-Histaminika haben jedoch oftmals Nebenwirkungen, allen voran Müdigkeit. „Das lässt sich vielleicht umgehen, indem man sie abends einnimmt“, rät Schmidt-Weber.

Langfristig behandeln lässt sich Heuschnupfen mit der Immuntherapie oder Hyposensibilisierung. Die empfiehlt Schmidt-Weber schon bei einer einfachen Rhinitis, also noch bevor daraus ein allergisches Asthma wird.

Heuschnupfen tritt meistens in Verbindung mit Kreuzallergien auf

Mit einem Allergietest beim Arzt lassen sich nicht nur eventuelle Pollenallergien, sondern auch die dazugehörigen Kreuzallergien diagnostizieren. Eine Allergie gegen bestimmte Pollen geht nämlich häufig mit einer Allergie gegen bestimmte Lebensmittel einher, weil sich die darin enthaltenen Allergene, die Allergie-Auslöser also, sehr ähnlich sind. „Wer also zum Beispiel allergisch auf die Birke reagiert, wird wohl nicht selten auch Probleme mit Äpfeln oder Karotten haben“, erklärt Schmidt-Weber.

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Heuschnupfen ohne Medikamente behandeln – diese Tipp’s können helfen

Das kommt auf die Schwere der Allergie an und darauf, wie viele Pollen unterwegs sind. Denn wirklich aus dem Weg gehen können Betroffene den Erregern im Alltag kaum. „Es kann aber Methoden geben, die im Einzelfall helfen“, so Schmidt-Weber.

So könnten beispielsweise tägliche Nasenspülungen mit 0,9-prozentiger Salzlösung Allergene aus der Nase entfernen. Außerdem sei es sinnvoll, die Wohnung häufiger zu saugen und zu wischen als sonst. Zusätzlich könnten Pollenschutz-Gitter an Fenstern und Türen die kleinen Übeltäter fernhalten. Oder man lüftet nur mit gekipptem Fenster, um möglichst wenig Pollen in die Wohnung zu lassen. Abendliches Haarewaschen könne ebenfalls nützlich sein, oder auch die am Tag getragenen Klamotten nicht im Schlafzimmer zu lagern.

Laut dem Experten gilt im Zweifelsfall: Ausprobieren hilft.

Können Allergien im Laufe der Zeit verschwinden?

Ja, aber nicht unbedingt in beide Richtungen. „Allergien gegen etwas zu entwickeln kann einen zu jeder Zeit erwischen, egal ob im Kindesalter, mit 30 oder 75 Jahren“, sagt Schmidt-Weber. Häufig sei es auch so, dass mit der Zeit noch weitere Allergien hinzukommen, häufig zum Beispiel gegen Hausstaubmilben. Fälle von wieder verschwindenden Allergien mag es laut Schmidt-Weber zwar auch geben, wirklich verlässlich dokumentiert seien sie bislang aber nicht.

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Ist Heuschnupfen gefährlich?

Ob Heuschnupfen gefährlich werden kann, kommt laut dem Experten ganz drauf an. „Die allergische Rhinitis ist erst einmal nur nervig“, sagt Schmidt-Weber. Obwohl sie natürlich für viele Betroffene auch einen Verlust an Lebensqualität bedeute. Gefährlich wird Heuschnupfen allerdings erst, wenn die Symptome sich bis hin zum allergischen Asthma ausweiten. Spätestens dann wird es Zeit für eine ärztliche Behandlung.

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