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Guter Stoffwechsel, schlechter Stoffwechsel

Warum nehmen manche Menschen schneller zu als andere?

Bei manchen setzt jeder Happen Ungesundes sofort an, andere können hemmungslos sündigen. FITBOOK verrät, wovon das abhängt.
Foto: Getty Images

Die einen brauchen „Kuchen nur anschauen“ und haben gefühlt schon ein Kilo mehr auf den Hüften, andere essen scheinbar so viel sie wollen und nehmen trotzdem nicht zu. Woran das liegt und welche ungeahnten Faktoren eine Rolle spielen – FITBOOK hat sich bei Experten schlau gemacht.

So viel vorab: Menschen sind in puncto Stoffwechsel sehr unterschiedlich. Warum manche Menschen schneller zunehmen als andere – wie gut oder schlecht man zu sich genommene Nahrung verarbeitet, hängt auch davon ab, wie viele Kalorien man täglich benötigt. Durchschnittlich sind das bei einem erwachsenen Menschen etwa 2000 Kcal, der individuelle Ruheenergieumsatz ist aber verschieden und wird wieder von mehreren Faktoren beeinflusst.

Genetische Unterschiede

Zunächst hat es etwas mit der persönlichen Veranlagung tun. So kann man selbst unter Brüdern beobachten, dass beispielsweise der eine dasselbe Essen deutlich besser „verbrennt“ als sein Bruder. „Manche geben unter vergleichbaren Bedingungen selbst in Ruhe mehr Kalorien als Wärme ab“, bestätigt uns Professor Nicolai Worm, Diplom-Ökotrophologe aus München, „manche können im Dünndarm die Nährstoffe und damit die Kalorien effizienter resorbieren, andere weniger gut.“ Wer welchen Stoffwechsel abbekommt – sprich wie die Gene verteilt sind –, sei gewissermaßen von der Laune der Natur abhängig.

Diäten verändern den Kalorienumsatz

Mit drastischen Diätkuren tue man sich keinen Gefallen, erklärt der Ernährungswissenschaftler weiter: „Durch das schnelle Abnehmen wird der Grundumsatz, sprich der Kalorienverbrauch, dauerhaft reduziert.“ Der Körper kürzt die Energiemenge, die für die Erhaltung des Stoffwechsels benötigt wird – er schaltet auf Sparflamme. „Man nimmt dann schon mit relativ wenig Essen schnell wieder zu“, erklärt Prof. Worm. „Das hat die Natur offenbar so gewollt.“

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Das Fitness-Level beeinflusst den Stoffwechsel

Muskeln verbrennen Kalorien, könnte man vereinfacht sagen. Selbst wenn man sich nicht bewegt, verbrauchen sie Energie. Und dieser Mehraufwand rechnet sich zum täglichen Ruheenergieumsatz des Menschen dazu – das erklärt uns Hans Braun vom Sport Nutrition Department der Sporthochschule Köln. Wenn also ein rund 30-jähriger Mann (bei 1,80 Meter und 80 Kilo) ohne jegliche körperliche Anstrengung rund 75 Kalorien pro Stunde verbrennt, kann er diesen Wert weiter erhöhen, indem er einfach seine Muskulatur aufbaut.

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Mit zunehmendem Alter sinkt der Energieverbrauch

Zudem wird der Stoffwechsel mit den Jahren langsamer, eine ganz natürliche Begleiterscheinung des Alterns. Im Kindesalter sorgen viel Bewegung und Wachstumsschübe für einen stark erhöhten Energieverbrauch. Generell befindet sich der Mensch bis etwa zum 30. Lebensjahr in der Wachstumsphase. Mit zunehmendem Alter ändert sich dann  – vor allem, wenn man nicht aktiv mit Sport dagegenwirkt – die Körperzusammensetzung: Die Muskeln bauen sich ab, der Fettanteil steigt. Das liegt daran, dass der Organismus eher auf „Erhalten“ gepolt ist. Auch wenn sich das nicht sofort an der Körpermasse bemerkbar macht, so sinkt doch langfristig der Energieverbrauch.

Die Schilddrüse spielt eine wichtige Rolle

Ob es jemandem gelingt, gesund und effektiv abnehmen, ist immer auch eine Frage der Schilddrüse. Das erklärt Sylvia Kasch, Heilpraktikerin im Stoffwechselzentrum Kasch in Oranienburg, gegenüber FITBOOK. Die Schilddrüse lenke fast alle wichtigen Stoffwechselfunktionen im Körper – von Nerven und Muskeln über Herz und Kreislauf bis hin zum seelischen Wohlbefinden und zur Sexualität. Sie funktioniert jedoch nicht bei allen Menschen einwandfrei.

Eine Schilddrüsenunterfunktion etwa führt zu einem Mangel an Schilddrüsenhormonen, der nahezu sämtliche Stoffwechselprozesse des Körpers verlangsamen würde, auch die im Magen-Darm-Trakt. Betroffene können aufgenommene Nahrung schwerer verarbeiten und nehmen leichter zu. „Daher empfehlen wir, vor jeder geplanten Figurveränderung die Stoffwechselaktivität und den Mikronährstoffhaushalt zu messen und gegebenenfalls zu therapieren“, so die Expertin.

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Bei einer Schilddrüsenüberfunktion hingegen wäre der Stoffwechsel sehr aktiv. Das äußert sich bei den Betroffenen durch ein Unruhegefühl und einen erhöhten Energiebedarf. Beide Dysfunktionen müssen behandelt werden. Neben der Vergabe von Hormonen untersucht man im heilpraktischen Stoffwechselzentrum Kasch auch, wie man den Ursachen der Erkrankung beikommen kann. Über- und Unterfunktionen der Schilddrüse können angeboren oder beispielsweise durch Autoimmunerkrankungen verursacht sein.

Fazit

Kalorien setzen bei manchen Menschen stärker an als bei anderen, was an verschiedenen Faktoren liegt. Einige davon kann der Mensch beeinflussen – etwa durch eine vernünftige Ernährung und ausgewogene Bilanz zwischen Energiezufuhr und -verbrennung, durch Muskelaufbau und Bewegung und ebenso durch die Einnahme von Schilddrüsen unterstützenden Mineralstoffen. „Besonders wichtig sind dabei Jod, Selen, Zink, Magnesium und Calcium“, erklärt uns Sylvia Kasch. Wenn Sie merken, dass Ihre Diätversuche nicht fruchten, obwohl Sie viel Sport treiben und sich sehr kalorienreduziert ernähren, könnte eine Stoffwechselerkrankung dahinterstecken. Es empfiehlt sich der Besuch bei einem Hormonexperten.

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