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Zum Verhindern einer Corona-Infektion

Warum der vorgegebene Mindestabstand eigentlich nicht reicht

Abstand halten, um Infektion mit Coronavirus zu verhindern
Ein empfohlener Mindestabstand zu anderen Personen kommt nicht von ungefähr. FITBOOK erklärt, warum er größer sein sollte, als bisher angenommen, um eine Infektion mit dem Coronavirus zu verhindern.
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Ein Abstand von zwei Metern zu anderen Personen ist keine gut gemeinte Empfehlung, sondern eine Vorgabe durch die Bundesregierung – und offenbar nicht groß genug! Das jedenfalls legen neuere Untersuchungen nahe. FITBOOK erklärt genauer, wie sich die Wahrscheinlichkeit auf einen Kontakt zwischen Schleimhäuten und Coronaviren bestmöglich verringern lässt; und warum man trotz Einhaltung der offiziellen Verhaltensregeln nicht sicher vor einer Ansteckung ist.

„Wenn Sie draußen unterwegs sind, müssen Sie einen großen Abstand zu anderen Menschen halten“, heißt es in den offiziellen Regeln der deutschen Bundesregierung zur Eindämmung der Verbreitung des neuartigen Coronavirus. Der Abstand solle – nicht eineinhalb Meter, wie fälschlicherweise oft behauptet, sondern – am besten zwei Meter betragen. Das sind ungefähr „ungefähr zwei große Schritte“, heißt es in der Erklärung weiter.

Ähnliches gilt in den USA. Auch dort sind die Menschen durch die Centers for Disease Control and Prevention (kurz CDC, eine Behörde des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums) dazu angehalten, mindestens zwei Meter Distanz zu anderen Personen zu wahren, mit denen man nicht zusammen wohnt.

Abstand halten, um Infektion mit Coronavirus zu verhindernBisher scheint nicht jeder den vorgegebenen Mindestabstand zu anderen Personen sehr ernst zu nehmen
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Wie verhalten sich Tröpfchen in der Luft?

Die US-Tageszeitung „New York Times“ erklärt in ihrer Online-Ausgabe das Prinzip einer Tröpfcheninfektion und erklärt anhand von Daten der Technischen Universität Kyōto ausführlich, wie sich Tröpfchen an der Luft verhalten.

Wie bei gewöhnlichen Atemwegserkrankungen kommt es auch bei Covid-19 zu einer Ansteckung, wenn in die Schleimhäute der Atemorgane einer gesunden Person kontaminierte Tröpfchen gelangen, die eine viruskranke Person durch Husten oder Niesen in die Luft abgegeben hat.

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Unterschiedlich große Tropfen beim Husten

„Besonders schweres Husten setzt etwa einen Viertel Teelöffel Flüssigkeit frei, mit Tröpfchen, die sich sehr schnell quer durch den Raum verteilen“, heißt es in dem Bericht. Gewöhnliche Hustentröpfchen sollen demnach unterschiedliche Ausmaße haben, wobei die größeren innerhalb geschlossener Räume zu Boden sinken oder jeweils in kleinere Tröpfchen zerfallen. Diese sollen sich besonders lang in der Luft aufhalten.

Eine Simulation (finden Sie hier: „nytimes.com“) veranschaulicht es genauer. Darin zu sehen sind drei Menschen, deren Abstände zueinander anhand von Ringen auf dem Boden dargestellt sind. Vor allem stellt die Simulation die Flugweite der Tröpfchen dar, welche die hustende Person in der Mitte ausstößt. Innerhalb einer Minute haben sich die sehr kleinen, feinen Tröpfchen – sogenannte Aerosole – über die am Boden eingezeichneten 6 Feet (umgerechnet etwa 1,83 Meter) hinaus bewegt. Nach 20 Minuten zeigt die Simulation eine Verteilung von Tröpfchen in einem Radius von bis zu 15 Feet (ca. 4,6 Meter).

Und das Flugpotential könnte sogar noch größer sein. So soll eine Untersuchung des Massachusetts Institute of Technology (MIT), welche ebenfalls im Beitrag der „New York Times“ angeführt wird, ergeben haben, dass Tröpfchen beim Husten bis zu 16 Feet (rund 4,9 Meter) zurücklegen können und beim Niesen sogar 26 Feet (≈ 7,9 Meter). Wie weit genau Erreger fliegen können, hänge dabei von äußeren Faktoren ab. Beispielsweise Bewegung.

Äußere Einflüsse auf Tröpfchenverbreitung

In diesem Zusammenhang sorgt aktuell eine gemeinsame Studie belgischer und niederländischer Forscher für Aufregung. Sie bezieht sich auf die Gefahren durch/für Freizeitsportler, die draußen laufen gehen oder mit dem Fahrrad fahren, wie es bei uns in Deutschland weiterhin erlaubt ist.

Die Wissenschaftler betonen, dass sie mit ihrer Untersuchung keine Aussage zu Infektionswahrscheinlichkeiten des Virus machen wollen. Es gehe ihnen darum, über die Flugbahnen (potenziell infizierter) Tröpfchen aufzuklären. Das hat einer der beteiligten Forscher, der belgische Aerodynamik-Fachmann Bert Blocken, in einem Interview mit „Deutschlandfunk“ getan. „Wenn Sie im Freien joggen und dabei Tröpfchen ausatmen, dann sind diese so leicht, dass sie sich nicht mit Ihnen mitbewegen. Sie bleiben in der Luftwolke hinter Ihnen zurück und benötigen einige Zeit, bis sie zu Boden fallen.“

Der Windschatten von Fahrradfahrern oder Joggern könne ohne Weiteres 20 bis 25 Meter lang sein. Auf ein bis zwei Metern Abstand zum Vordermann sei die Tröpfchen-Konzentration noch sehr hoch. „Wenn die Regierung also vorgibt, man solle einen Sicherheitsabstand von zwei Metern einhalten, dann bedeutet das logischerweise, dass der Sicherheitsabstand in Bewegung (…) größer sein muss, um den gleichen Effekt zu haben wie bei stehenden Personen mit zwei Metern Abstand“, so Blocken weiter. Ab etwa zehn Metern verringere sich die Konzentration deutlich, da die größten Tröpfchen sich dann bereits auf den Boden abgesenkt haben sollten.

FITBOOK hat über das Thema bereits mit Dr. Paul Schmidt-Hellinger von der sportmedizinischen Abteilung der Berliner Charité gesprochen. Wie der Langstreckenläufer weiß, muss man gerade beim Sport – wenn der Kreislauf in Schwung kommt und die Atmung schwerer wird – eher husten. Er empfiehlt daher ebenfalls, zum Joggen im Freien einen Ort aufzusuchen, an dem ein Abstand von etwa 15 Metern zu anderen Läufern und Passanten eingehalten werden kann.

Viren fliegen auch signallos

Ein möglichst großer Sicherheitsabstand empfiehlt sich übrigens längst nicht nur, wenn Kranke in Ihrer Umgebung niesen oder husten. Darauf wird im Beitrag der „New York Times“ explizit hingewiesen. Selbst Personen, die nur milde (oder gar keine) Symptome aufweisen, sollen mitunter allein beim Sprechen oder ausatmen infektiöse Atemluft ausstoßen.

„Wenn in einem schlecht belüfteten Raum eine infizierte Person fünf Minuten lang spricht, werden dabei so viele virale Tröpfchen ausgestoßen wie bei einem infektiösen Husten“, erklärt ein Aerosol-Experte der Washington University in St. Louis im Beitrag der US-Zeitung weiter. Je mehr potentiell erkrankte Person (womöglich ohne es zu wissen) sich in dem Raum aufhalten, desto mehr ungeahnte Viren tummeln sich darin.

Es zeigt sich: Ein Abstand von zwei Metern ist das Mindeste – und längst keine Garantie dafür, sich nicht mit dem hochinfektiösen Coronavirus anzustecken.

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