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von FITBOOK

Trotz Corona-Gefahr

Darf man noch draußen joggen gehen?

Ist Sport im Freien unbedenklich? FITBOOK hat bei Experten nachgefragt.
Ist Sport im Freien unbedenklich? FITBOOK hat bei Experten nachgefragt.
Foto: Getty Images

Bewegung ist und bleibt natürlich auch in Zeiten des Coronavirus wichtig. Und weil die Fitnessstudios langsam in allen Bundesländern schließen, sehen viele Menschen nur noch die Möglichkeit, draußen laufen zu gehen bzw. zu trainieren. Aber wie steht es in Park und Co. um die Ansteckungsgefahr? FITBOOK hat mit Sport- und Gesundheitsexperten über Themen gesprochen, die vor allem die Fitfam gerade beschäftigen dürften.

Das Wetter in Deutschland ist aktuell freundlich. Gut für Sportbegeisterte, die aufgrund der prekären Situation nicht im Fitnessstudio trainieren können. Oder ist Laufen im Freien fahrlässig? Setzt man sich im Park oder Wald nicht der Gefahr durch Coronaviren aus?

Sollte man wegen Corona aktuell besser auf Sport verzichten?

Bloß nicht. Tatsächlich ist Laufen und Co. im Freien absolut empfohlen – „und auf dem Land sowieso“, sagt uns Internist Dr. med. Matthias Riedl. „Gerade jetzt ist Sport wichtig zur Stabilisierung des Immunsystems, zur Stärkung der Abwehrkräfte und zum Stressabbau.“

Dr. Paul Schmidt-Hellinger sieht es genauso. Der Langstreckenläufer, der in der sportmedizinischen Abteilung der Berliner Charité tätig ist, nennt uns einen weiteren wichtigen Grund, warum insbesondere sehr aktive Menschen gerade einen großen Fehler machen würden, wenn sie das Training ad hoc sein ließen. „Wenn jemand sehr viel Sport treibt, ist er ähnlich fit wie ein Bundeskader-Athlet“, erklärt er uns. „Hört er plötzlich damit auf, droht ein Belastungsentzugssyndrom.“

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Sport ist also gut. Aber auch draußen, wo man anderen Menschen begegnen kann? „Solange noch keine Ausgangssperre verhängt ist – auf jeden Fall“, sagt uns Schmidt-Hellinger. Selbst, wenn es so weit kommen sollte, würde er empfehlen, sich im Rahmen der Möglichkeiten außer Haus zu bewegen. Beispielsweise könne man den Weg zum Supermarkt joggend zurücklegen. „Und auf dem Weg zurück kann man dabei mit den Einkaufstüten ein leichtes Krafttraining machen,“ lautet sein Tipp.

Draußen sein ist viel besser als drin

Schmidt-Hellinger erinnert uns daran, was Prof. Christian Drosten, Chefvirologe der Charité, zu dem Thema gesagt hat: „Draußen zu sein und sich zu bewegen ist das Beste, was man im Moment machen kann!“ Und zwar nicht nur, weil man dadurch (seiner eigenen Gesundheit zuliebe) den öffentlichen Nahverkehr meidet und gleichzeitig (auch anderen Menschen zuliebe) entlastet.

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Tröpfcheninfektion: drinnen wahrscheinlicher als draußen

Schmidt-Hellinger schildert uns den klassischen Weg einer Infektion: Man bekommt Tröpfchen ab, beispielsweise ins Gesicht. Früher oder später berührt man das Gesicht, fasst sich mit den Fingern an den Mund, leckt sich irgendwann die Lippen – und schon kann es passiert sein.

Im Freien fallen etwaige Tröpfchen, die zu einer Infektion führen könnten, schnell zu Boden würden dadurch inaktiv. Anders in geschlossenen Räumen, genauer gesagt an Oberflächen, auf denen Erreger lange überleben kann und infektiös bleibt. Auf Plastik etwa (wie z.B. auf einigen Geräten im Fitnessstudio) liege die Halbwertszeit von Coronaviren bei rund neun Stunden. Dass Fitnessstudios schließen, ist seiner Ansicht nach also vernünftig.

Kann man sich bei anderen Joggern anstecken?

Natürlich kann man sich auch im Freien anstecken. Etwa wenn eine an Corona erkrankte Person sich noch in der Inkubationszeit befindet – also noch keine Symptome bemerkt hat, aber bereits ansteckend sein kann – und an einem vorbeiläuft oder -joggt. Wie Sportmediziner Schmidt-Hellinger betont, muss man gerade beim Sport, wenn man anfängt zu schwitzen und die Atmung schwerer wird, eher husten.

Facharzt Riedl würde daher gar nicht erst empfehlen, am Wochenende z.B. an der überfüllten Alster durch die Menschenmassen zu joggen. „Hustet einer, dann läuft man durch die Virenwolke“, sagt er.

Sicherheitsabstand einhalten – und nicht in Gruppen joggen

Besser ist es folglich im Wald oder irgendwo auf dem Land. Wer nicht die Möglichkeit hat, jenseits des urbanen Umfelds Sport zu treiben, sollte laut Schmidt-Hellinger zumindest einen Ort aufsuchen, an dem ein Abstand von etwa 15 Metern zu anderen Joggern einzuhalten ist. Sollte jemand vor Ihnen husten oder niesen, sind die Tröpfchen schon auf dem Boden gelandet, wenn Sie an der entsprechenden Stelle angekommen sind.

In Gruppen laufen oder trainieren zu gehen, sich dabei zu unterhalten und ggf. gegenseitig anzuhusten, hält er logischerweise für ungünstig.

Fazit

Vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Gefahr sollten unnötige Unternehmungen, beispielsweise Einkaufsbummel oder Besuche in den letzten noch geöffneten Bars, eingestellt werden.

Sport und frische Luft sind nicht unnötig – das erklärt sich eigentlich von selbst und bestätigten uns auch die Experten. Solange Sie sich dabei von anderen Leuten fernhalten, tun Sie sich allenfalls etwas Gutes. Vor allem an der frischen Luft.