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Und wie häufig „normal“ ist

Ab wann wird Verstopfung gefährlich?

Stress, eine ballaststoffarme Ernährung und Ortswechsel sind typische Ursache für Verstopfung
Stress, eine ballaststoffarme Ernährung und Ortswechsel sind typische Ursache für VerstopfungFoto: Getty Images

Wenn man muss, aber nicht kann, ist das unangenehm. Aber auch gleich gesundheitsgefährdend? Es wird ja häufig vor einem potentiell tödlichen Darmverschluss gewarnt. FITBOOK erklärt, ab wann Sie sich Sorgen machen sollten, welche Hausmittel Linderung verschaffen können – und was im Härtefall zu tun ist.

Verstopfung beschreibt einen erschwerten Stuhlgang. Betroffene können nur selten auf die Toilette gehen und wenn dann doch, haben sie Schmerzen, da sich der verhärtete Darminhalt nur unter Pressen (und manchmal selbst dann nicht) ausscheiden lässt.

Weniger als 3 Mal pro Woche Stuhlgang

Mediziner sprechen von Verstopfung (Fachbegriff: Obstipation), wenn ein Patient seltener als dreimal pro Woche auf die Toilette geht. Das wäre aber nicht automatisch ein Grund zur Beunruhigung: In puncto Stuhlgang hat jeder Organismus seinen eigenen Rhythmus, manch einer kann dreimal am Tag, ein anderer kaum jeden zweiten.

Ortswechsel und andere Ursachen für Verstopfung

Frauen leiden doppelt so häufig an Verstopfung wie Männer, und mit zunehmendem Alter mehr und mehr. Man spricht von chronischer Verstopfung, wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum (mindestens drei Monate) oder immer wieder auftreten. Manchmal sind die Ursachen und die damit einhergehende Obstipation nur von kurzer Dauer – beispielsweise aufgrund einer unausgewogenen, ballaststoffarmen Ernährung, Flüssigkeits- und/oder Bewegungsmangel (etwa bei Bettlägerigkeit durch eine Krankheit).

Vor allem auf Reisen sind Verdauungsprobleme nichts Ungewöhnliches. Mögliche Gründe dafür sind neben etwaigem Reisestress ungewohnte Lebensmittel, Gewürze oder Essenszeiten.

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Zigarette zum Abführen

Kaffee und Zigarette am Morgen – für viele DAS Mittel, um eine träge Verdauung in Schwung zu bringen. Und es bringt tatsächlich den gewünschten Effekt: Durch das Rauchen werden der Parasympathikus im Gehirn und dadurch die Magensaftproduktion angeregt. Das Laster hat aber bekanntlich auch reichlich weitere Nebenwirkungen, und diese sind alles andere als erstrebenswert – beziehungsweise tödlich. Zum Glück gibt es bessere und weniger ungesunde Linderungsmethoden.

Die richtige Ernährung bei träger Verdauung 

Damit es gar nicht erst zu einer Verstopfung kommt, empfehlen sich verschiedene vorbeugende Maßnahmen. Wer einen Hang zu Verdauungsbeschwerden hat, sollte Alkohol, Süßigkeiten, leere Kohlenhydrate und sehr fettiges Essen meiden. Außerdem gilt es, langsam zu essen und gut zu kauen, da so die aufspaltenden Speichelenzyme die Nahrung besser durchdringen und verdaulich aufbereiten können. Außerdem bitte ausreichend trinken und Ballaststoffe in die Ernährung integrieren. Die quellen im Darm und beschleunigen dadurch den Stuhlgang. Ballaststoffe stecken beispielsweise in Vollkornprodukten, Obst und Gemüse.

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Stress ist Gift für den gesamten Geist und Körper, auch für den Magen-Darm-Trakt. Experten raten daher zu Entspannungsmaßnahmen, die für jeden Menschen anders aussehen können. Daneben ist auch Bewegung wichtig – wenn Sie träge sind, ist Ihr Darm es auch.

Hausmittel gegen Verstopfung

Es gibt einige Lebensmittel, die mild abführend wirken. Darunter Sauerkraut, rohe Zwiebeln und Trockenobst. Floh-, Leinsamen und Kleie quellen durch Speichern von Wasser im Darm auf und vergrößern so den Speisebrei. Dieser wird dadurch weicher und einfacher ausgeschieden. Zudem kann es helfen, dem Verdauungstrakt einen kleinen Schubser zu verpassen, indem man direkt nach dem Aufstehen ein großes Glas kaltes Wasser trinkt.

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Wann sollte man ein Abführmittel einnehmen?

Wenn die Verstopfung über drei Tage hinaus besteht, Hausmittel nicht helfen und spürbare Beschwerden bestehen, kann die Einnahme eines Abführmittels (Fachbegriff: Laxans) sinnvoll sein. In der Apotheke finden Sie pflanzliche sowie chemische Präparate zum Einnehmen, die je nach Zusammensetzung und Dosierung innerhalb von 10 bis 28 Stunden eine Darmentleerung provozieren sollen. Manche von ihnen wirken ähnlich wie die oben genannten Quellmittel, andere fördern die Darmbewegung. Zudem gibt es die sehr schnell wirksamen Klistiere und Zäpfchen, die rektal eingeführt werden. Es empfiehlt sich, den oft bereits nach Minuten auftretenden Drang noch etwas hinauszuzögern, damit die Wirkstoffe sich besser verteilen und möglichst viel Stuhl mitnehmen können.

Wichtig: Abführmittel bitte nur nach Anweisung eines Fachmanns und im Notfall anwenden! Über einen längeren Zeitraum drohen Gewöhnung und Darmträgheit, was höhere Dosen oder stärkere Präparate nötig machen kann. Eine Laxansabhängigkeit würde eine natürliche Verdauung dauerhaft erschweren und müsste ärztlich behandelt werden.

Gefahren durch Verstopfung

Beim Darmverschluss (Ileus) würde die Darmwand so geschädigt, dass sie nicht mehr transportieren kann. Im schlimmsten Fall würde dieser Teil des Darms absterben und Bakterien würden den Darm zersetzen. Zu den möglichen Folgen gehört eine lebensgefährliche Blutvergiftung. Derart schwerwiegende Folgen drohen vor allem bei älteren Patienten mit vorgeschädigtem Darm oder als Nebenwirkung bestimmter Medikamente. Beispielsweise Opioide können den Darm lähmen.

Dr. med. Matthias Riedl, Internist und Ernährungsmediziner am Medicum Hamburg, hat FITBOOK fachlich beraten.