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IGeL

Für diese Leistungen müssen Sie beim Arzt selbst bezahlen

Laboruntersuchungen
Bluttests und Laborleistungen machen einen Großteil des IGeL-Marktes aus. FITBOOK bietet einen Überblick und sagt, worauf zu achten ist – damit man nicht in die Kostenfalle tappt.Foto: Getty Images

Wenn Sie in Deutschland zum Arzt gehen, zahlt das im Normalfall Ihre Krankenkasse. Das gilt allerdings nicht bei so genannten Individuellen Gesundheitsleistungen (kurz: IGeL). Aber wann sind diese überhaupt sinnvoll und was muss man dabei beachten? FITBOOK erklärt, wie Sie als Patient den Überblick im Dschungel der IGeL-Angebote behalten und einer möglichen Kostenfalle entgehen.

Was bedeutet IGeL?

Die Abkürzung IGeL steht für so genannte Individuelle Gesundheitsleistungen. Darunter versteht man ärztliche Leistungen, die nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden und die man als Patient selbst zahlen muss. Im alltäglichen Sprachgebrauch hat sich deshalb auch der Begriff der Selbstzahlerleistungen eingebürgert.

Wer entscheidet, ob eine Leistung übernommen wird – oder nicht?

Ob die Krankenversicherung die Kosten einer Behandlung übernimmt oder nicht, regelt in Deutschland der G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss der Krankenkassen). Versicherte haben Anspruch auf Leistungen zur Verhütung, Früherkennung und Behandlung von Krankheiten. Die Leistung muss ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein. Dazu wertet der G-BA wissenschaftliche Studien aus und wägt letztlich Kosten und Nutzen einer Behandlungsmethode ab. Kommt er dabei zu einem negativen Ergebnis, wird die Methode abgelehnt und darf auch nicht auf freiwilliger Basis von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden.

Welches Angebot umfassen die Individuellen Gesundheitsleistungen?

IGeL-Leistungen findet man in den verschiedensten Gesundheitsbereichen: von der Krankheitsfrüherkennung, über Schwangerschaftsmedizin, sportmedizinische Untersuchungen, bestimmte Impfungen bis hin zu Alternativmedizin und Schönheitschirurgie. Schätzungsweise geht man von mehreren hundert Angeboten in Deutschland aus. Eine genaue Übersicht über das gesamte Spektrum gibt es allerdings nicht, der Markt für IGeL wächst seit Jahren stetig. Die angebotenen und abgerechneten IGeL-Leistungen werden allerdings nicht systematisch erfasst, weshalb man nur schwer den Überblick behalten kann.

Allgemein lassen sich die Angebote aber in zwei Gruppen einteilen: Leistungen, die nicht medizinisch notwendig sind und nur auf Wunsch des Patienten durchgeführt werden. Das können zum Beispiel ärztliche Atteste oder auch Serviceleistungen für Freizeit, Sport oder Urlaub wie Sportuntersuchungen und besondere Impfungen, beispielsweise für Fernreisen. Auch medizinisch-kosmetische Angebote, etwa eine Brustvergrößerung oder Nasenkorrektur, fallen darunter.

Den größten Teil des IGeL machen jedoch Leistungen aus, die als Behandlung zur Früherkennung und Vorsorge von Krankheiten gelten. Diese Untersuchungen werden von der Krankenkasse nur in bestimmten Risikofällen, wie beispielsweise einer erblichen Vorbelastung, übernommen. Laut einer Umfrage des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) unter 2072 gesetzlich Versicherten gehören zu den 2018 am häufigsten in Anspruch genommenen Selbstzahlerleistungen zum einen die Augeninnendruckmessung zur Früherkennung von grünem Star (Glaukom), sowie der Ultraschall der Eierstöcke und Brust im Rahmen der Krebsvorsorge bei Frauen. Es folgen Bluttests, Laborleistungen und Medikamente.

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Wer legt die Preise für IGeL fest?

Einen festen Preiskatalog für IGeL-Leistungen gibt es nicht. Man schließt einen privaten Behandlungsvertrag mit seinem Arzt ab, der die Kosten für die Leistung dann individuell und nach Aufwand berechnen kann. Die wohl am häufigsten beim Arzt angebotenen IGeL sind Blut- und Stuhluntersuchungen. Die Preise hierfür variieren hier teils stark. FITBOOK hat die Preislisten für von vier verschiedenen Laboren verglichen und daraus eine grobe Übersicht zur Orientierung erstellt. Bitte beachten Sie: Unsere Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit über das gesamte IGeL-Spektrum. Das kann sie auch gar nicht, denn aufgrund der therapeutischen Freiheit darf jeder Arzt Leistungen anbieten oder entwickeln, die er für medizinisch vertretbar hält.

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Die wichtigsten Labor-IGeL – und was sie (in etwa) kosten

Allgemeine Gesundheitschecks

Kleines Blutbild ca. 4 Euro
Großes Blutbild ca. 6 Euro
Kleiner Check-Up ab 45 Euro
Großer Check-Up ca. 100 bis 200 Euro
Fettstoffwechselstörung ab 50 Euro
Chronische Müdigkeit ca. 180 Euro
Herzprofil ca.100 Euro
Leberprofil ca. 37 Euro
Nierenprofil ca.75 Euro
Schilddrüsen-Funktion ca.40 bis 50 Euro
Glukose (Blutzucker) ca. 2 Euro
Cholesterin ca. 2 – 3 Euro
Triglyceride (Blutfette) ca. 2 Euro
Cortisol ca. 17 Euro

Allergien & Unverträglichkeiten

IgE-Test gesamt (Immunglobulin E) 14 bis 17 Euro
Laktose-Intoleranz (Bluttest) 12 bis 15 Euro
Gluten-Unverträglichkeit 30 bis 60 Euro
Histamin-Intoleranz 30 bis 35 Euro
Fructose-Intoleranz ca. 35 Euro

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Infektionen & Immunstatus

Kleines Immunprofil 45 bis 85 Euro
Großes Immunprofil ca. 300 Euro
HIV-Test 17 bis 25 Euro
Syphilis 23  bis 25 Euro
Hepatitis C 23 bis 27 Euro
Hepatitis B 30 bis 80 Euro
Hepatitis A 15 bis 35 Euro
Tetanus-Impfstatus 18 bis 24 Euro
Diphtherie-Impfstatus 18 bis 24 Euro
Masern-Impfstatus 14 bis 37 Euro
Mumps-Impfstatus 14 bis 37 Euro
Röteln-Impfstatus 14 bis 37 Euro
FSME-Impfstatus (Hirnhautentzündung) ab 14 Euro

Magen-Darm-Beschwerden

Stuhluntersuchung/
Analyse der Darmflora
ab 80 Euro

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Nährstoffmangel

Mineralstoffprofil 35 bis 70 Euro
Anämie-Profil (Eisenmangel) 35 bis 75 Euro
Ferritin 15 bis 20 Euro
Vitamin A ab 20 Euro
Vitamin B 15 bis 35 Euro
Vitamin C ca. 35 Euro
Vitamin D 20 bis 40 Euro
Vitamin E 20 bis 25 Euro
Vitamin H 20 bis 30 Euro
Calcium ca. 3 Euro
Magnesium 2 bis 3 Euro

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Hormonuntersuchungen

Kleiner Hormonstatus Männer ab 80 Euro
Großer Hormonstatus Männer 75 bis 155 Euro
Großer Hormonstatus Frauen 120 bis 140 Euro
Hormonstatus Wechseljahre 50 bis 70 Euro
Testosteron 15 bis 20 Euro

Vorsorgeuntersuchungen

PSA-Test (Prostatakrebs) 15 bis 20 Euro
HPV-Abstrich (Gebärmutterhalskrebs) ca. 50 Euro
B-Streptokokken (Schwangerschaft) ca. 30 Euro
Hautkrebs-Früherkennung (Auflichtmikroskopie) ca. 25 Euro
Augeninnendruckmessung (Grüner Star) 15 bis 40 Euro

Sonstige Kosten

Blutentnahme ca. 4 bis 6 Euro
Beratung ca. 10 bis 20 Euro

So tappen Sie nicht in die IGeL-Kostenfalle

Informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse

Immer zuerst nochmal bei der eigenen Krankenkasse nachhaken, ob die gewünschte IGeL nicht doch übernommen wird. Die Leistungskataloge der einzelnen Kassen können nämlich voneinander abweichen. Gesetzlich Versicherte haben beispielsweise alle zwei Jahre Anspruch auf eine umfassende Blutuntersuchung. Wichtig ist aber, sich unbedingt schon vor (!) der Behandlung zu informieren. Wurde die Leistung bereits privat bezahlt, ist keine Rückerstattung mehr möglich.

Verlangen Sie einen Kostenvoranschlag

Ihr Arzt ist verpflichtet, Ihnen einen detaillierten, schriftlichen Kostenvoranschlag sowie eine Rechnung auszustellen. Sollten die Kosten am Ende höher ausfallen, können Sie die Zahlung des Mehrbetrages unter Umständen verweigern.

Lassen Sie sich umfassend beraten und nichts aufdrängen

Ihr Arzt ist ebenfalls dazu verpflichtet, Sie ausführlich über Vor- und Nachteile oder auch möglichen Risiken der angebotenen Behandlung aufzuklären. Auf keinen Fall sollten Sie sich in irgendeiner Weise unter Druck setzen lassen. Aussagen wie: man verweigere Ihnen bei Ablehnung einer empfohlenen IGeL eine Weiterbehandlung, sind rechtlich nicht zulässig.

Checken Sie Angebote mit dem IGeL-Monitor

Um zu entscheiden, ob eine IGeL wirklich sinnvoll ist, kann auch der so genannte IGeL-Monitor Abhilfe schaffen. Der MDS entwickelte das Tool, um Selbstzahlerleistungen auf den Prüfstand zu stellen und Patienten eine Entscheidungshilfe zu bieten. Dazu analysieren und bewerten medizinische und methodische Expertinnen und Experten besonders relevante IGeL aus wissenschaftlicher Sicht in Bezug auf ihr Kosten-Nutzen-Verhältnis. Die Bewertungsskala reicht von positiv, tendenziell positiv und unklar bis hin zu tendenziell negativ oder gänzlich negativ. Insgesamt wurde so bereits eine detaillierte Bewertung für über 50 besonders gefragte Individuelle Gesundheitsleistungen erstellt.

Vergleichen Sie Preise

Da jeder Arzt selbst über die Kosten für eine IGeL entscheiden kann, kann es je nach Praxis große Unterschiede bei der Preisgestaltung geben. Daher lohnt es sich, bevor Sie einer Behandlung zustimmen, das Angebot für diese Leistung in Ihrer Umgebung zu vergleichen. Unter Umständen kommen Sie so für die gleiche Leistung letztlich günstiger weg.

Achten Sie auf die Kostenobergrenze

Zu guter Letzt sei noch gesagt, dass die Ärzte nicht gänzlich frei in ihrer Preisgestaltung sind. Für IGeL gibt es eine gesetzlich geregelte Obergrenze durch die Gebührenordnung für Privatbehandlungen. Eine Leistung darf grundsätzlich maximal das 2,3-fache des einfachen Gebührensatzes betragen. Eine Überschreitung muss durch besondere Umstände gerechtfertigt sein und ist ansonsten unzulässig.

Ob eine Selbstzahlerleistung nun am Ende des Tages sinnvoll ist oder nicht, können nur Sie selbst individuell entscheiden. Seien Sie jedoch nicht voreilig und checken Sie umfangreich Kosten, Nutzen und Angebote.