Gesundheitspartner
von FITBOOK

Dritthäufigste Todesursache in Deutschland

Was Sie über Blutvergiftung wissen sollten

Blutvergiftung durch Schnitt am Finger
Ein kleiner Schnitt im Finger kann schon Auslöser für eine Blutvergiftung sein. Gefährlich wird es vor allem, wenn sie unbehandelt bleibt.
Foto: Getty Images

Grundsätzlich kann jede Infektion zu einer Sepsis, alltagssprachlich oft auch Blutvergiftung genannt, führen. FITBOOK klärt über Ursachen, Symptome und Behandlung auf.

Ein eitriger Zahn, ein Schnitt in die Hand, eine Lungenentzündung – die Infektionsquellen, die zu einer Sepsis (umgangssprachlich Blutvergiftung) führen können, sind vielfältig. In Deutschland kommt es jährlich zu ca. 280.000 Fällen, 20 bis 25 Prozent davon enden tödlich. Das macht die Sepsis hierzulande zur dritthäufigsten Todesursache – nach Krebs- und Herz-Kreislauferkrankungen.

„Es gibt sehr viele Auslöser für Infektionen – deshalb sollte man das Thema weder dramatisieren noch unterschätzen“, sagt Prof. Dr. med. Michael Bauer im Gespräch mit FITBOOK. Er ist Klinikdirektor an der Uniklinik Jena und Sprecher des Zentrums für Sepsis und Sepsisfolgen. Hier erklärt er, was man über die Erkrankung wissen sollte.

Was genau ist eine Sepsis/Blutvergiftung?

Der Begriff Sepsis stammt aus dem Griechischen und bedeutet Gärung oder Fäulnis. Sie ist Folge zahlreicher Infektionskrankheiten, die sowohl durch äußerliche Wunden als auch innere Entzündungen entstehen können.

Eine Blutvergiftung entsteht, wenn…

  1. ) … der Körper nicht in der Lage ist, die Infektion zu entfernen und das Immunsystem zu schwach reagiert – oder
  2. ) … die Abwehrreaktion des Immunsystems zu stark ausfällt und dem eigenen Körper sogar schadet.

„Infolgedessen kann es zum Schock, multiplem Organversagen und sogar zum Tod kommen“, erklärt Prof. Bauer.

Was sind die Symptome?

Weil sich eine Blutvergiftung durch typische Grippesymptome wie Fieber und Schlappheit auszeichnet, werde sie mitunter nicht erkannt. Schüttelfrost, marmorierte Haut, starke Blässe bis hin zu gräulicher Gesichtsfarbe sowie Benommenheit des Betroffenen seien weitere Anzeichen dafür, dass sich die Entzündung im Körper bis zur Sepsis ausgebreitet hat. Prof. Bauer ergänzt, dass Betroffene häufig orientierungslos und verwirrt sind – ihr Blutdruck fällt ab (unter 100) und die Atmung beschleunigt sich (mehr als 22 Atemzüge pro Minute).

Hinweis: Bei dem bekannten roten Strich auf der Haut, der sich langsam ausbreitet, handelt es sich nicht um ein Sepsis-Symptom. Dieser sei vielmehr eine Folge von Lymphangitis – einer seltenen Entzündung der Lymphbahnen von Haut und Unterhautfettgewebe. Diese wird umgangssprachlich fälschlicherweise ebenfalls häufig als Blutvergiftung bezeichnet. Sie kann sich allerdings zu einer Sepsis entwickeln, wenn sich die Entzündung auf die Blutbahn ausweitet.

Was ist bei einer Blutvergiftung zu tun?

„Eine leichte oder weniger gefährliche Form der Sepsis gibt es nicht“, warnt Dr. Bauer. Unangenehme Infektionen seien die Vorstufe, die sich noch gut behandeln lasse. Sobald offiziell von einer Sepsis – und somit einer Ausbreitung des ursprünglichen Entzündungsherds – auszugehen sei, sollte man umgehend einen Arzt aufsuchen. Dieser bekämpfe dann den Infektionsherd; beispielsweise bei einer Lungenentzündung mit Antibiotika, bei einer Blinddarmentzündung sogar mit einer Operation.

Auch interessant: Diese Blutwerte sollten Sie regelmäßig kontrollieren lassen

Was ist der septische Schock?

Fällt der Blutdruck eines Sepsis-Patienten so weit ab, dass seine Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden, spricht man von einem septischen Schock. Die Überlebenschance sinkt drastisch, laut Prof. Bauer kommt es in 40 bis 50 Prozent der Fälle zum Tod.

Was sind die Ursachen?

Die Anzahl möglicher Auslöser für eine Infektion ist groß. Ein 2017 veröffentlichter Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO benennt in erster Linie Pneumokokken, das unter anderem für Bronchitis verantwortliche Bakterium Haemophilus influenzae oder auch Salmonellen als häufige Verursacher. Aber auch saisonale sowie meldepflichtige Viren wie beispielsweise Schweinegrippe-, Gelbfieber- oder Ebola-Viren werden gelistet. Als weitere häufige Auslöser nennt Prof. Bauer Entzündungen der Lunge, des Hautgewebes und Bauchfells sowie der Harnwege. „Auch Krebspatienten, deren Immunsystem beispielsweise durch eine Chemotherapie stark geschwächt ist, sterben bei einer in diesem Fall häufiger auftretenden Infektion pro forma an einer Sepsis“, so der Experte.

Auch interessant: Kann sich Krebs bald selbst zerstören?

Wer gehört zur Risikogruppe?

Überproportional häufig von einer Sepsis betroffen sind laut dem Experten Säuglinge unter einem Jahr sowie ältere Menschen ab 70 beziehungsweise 75. Aber auch genetische Faktoren sowie Erkrankungen, die entweder selbst das Immunsystem schwächen oder bei denen Medikamente eingenommen werden, die das tun, spielen eine Rolle. Zugehörige dieser drei Risikogruppen sollten auf hohe Hygienestandards achten und vorbeugende Impfungen durchführen lassen; beispielsweise gegen Grippe oder Pneumokokken. In besonders anfälligen Stadien, zum Beispiel während einer Chemotherapie, sollten außerdem große Menschenmassen wegen des hohen Infektionsrisikos gemieden werden.

Laut einer 2016 veröffentlichten Studie erhöht sich die Anzahl der Fälle in Deutschland um 5,8 Prozent im Jahr. Der Experte sieht die Zahl unter anderem aufgrund des demografischen Wandels kritisch – dennoch häufen sich auch seiner Erfahrung nach die Sepsis-Fälle. „Die Menschen werden immer älter und somit auch anfälliger.“

Fazit

Früherkennung ist bei einer Sepsis beziehungsweise Blutvergiftung das A und O. Wie der Experte ausführt, kann sich die Prognose mit jeder Stunde weiter verschlechtern. Vor allem Angehörige der drei Risikoklassen sollten hohe Hygienestandards einhalten und sich von Risikofaktoren fern halten. Darüber hinaus empfiehlt sich in diesem Fall auch eine genaue Beobachtung von Wunden und erhöhte Wachsamkeit bei Beschwerden wie anhaltendem Husten und generellem Krankheitsgefühl. Je früher reagiert wird, desto besser sind die Behandlungschancen!