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Infektion trotz Piks möglich

Schützt die Corona-Impfung vor Long Covid? Studie hat es untersucht

Corona-Impfung
Die Corona-Impfung soll vor Ansteckung und schlimmen Verläufen schützen – doch reduziert sie auch das Risiko, an Long Covid zu erkranken?Foto: Getty Images

Wer sich gegen Corona impfen lässt, reduziert sein Ansteckungsrisiko sowie das Risiko eines schlimmen Krankheitsverlaufs. Doch schützt die Impfung auch vor den mitunter heftigen Spätfolgen? Das haben britische Forscher jetzt in einer Studie untersucht.

Chronische Erschöpfung, Kopfschmerzen, Geschmacksverlust, Halluzinationen, Menstruationsbeschwerden – es gibt rund 200 Symptome, die nach einer durchgemachten Coronainfektion auftreten können (FITBOOK berichtete). Long Covid ist die Bezeichnung für diese späte Reaktion auf die Virusinfektion – und sie wirft noch immer viele Fragen auf. Eine davon ist die, ob eine vollständige Corona-Impfung vor Long Covid schützen kann. Das haben britische Forscher kürzlich in einer Studie untersucht.

Covid-Erkrankung nach Impfung möglich, aber meist mild

Auch wer vollständig geimpft ist, kann sich mit dem Coronavirus infizieren, man spricht dann von einem sogenannten „Impfdurchbruch“ (mehr zu diesen Impfdurchbrüchen lesen Sie hier). Eine Impfung reduziert jedoch das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs. Oft verläuft eine Coronainfektion nach vollständiger Impfung symptomlos – und ist entsprechend weniger für den Infizierten oder die Infizierte gefährlich, als für das Umfeld. In seltenen Fällen kann aber auch ein vollständig geimpfter Mensch die typischen Corona-Symptome entwickeln. Die Datenlage ist hier bislang noch recht dünn.

Studie: Risiko für Long Covid nach Corona-Impfung halbiert

Die „Zoe Covid Study“, die jetzt im Fachblatt „The Lancet Infectious Diseases“ erschienen ist, legt nahe, dass vollständig Geimpfte neben schweren Krankheitsverläufen auch vor Langzeitfolgen nach einer Infektion mit Covid-19 geschützt sind.1 Die Forscher des King’s College London fanden heraus, dass „Erwachsene, die eine Doppelimpfung erhalten haben, tatsächlich 47 Prozent seltener an Long Covid erkranken, wenn sie eine Coronainfektion bekommen“, heißt es auf der Informationsseite zur Studie. Die Studie ergab außerdem, dass die Wahrscheinlichkeit im Krankenhaus behandelt werden zu müssen, bei infizierten Doppeltgeimpften um 73 Prozent sinkt. Immerhin 31 Prozent weniger wahrscheinlich sei das Entwickeln akuter Corona-Symptome.

So wurden die Daten erhoben

Die Studie basiert auf Daten aus der „UK Zoe Covid Study“-App zwischen dem 8. Dezember 2020 und 4. Juli 2021. Die britischen App-Nutzer übermittelten darin Corona-Symptome, Testergebnisse und Impfstatus. Außerdem fragte die App verschiedene Faktoren ab, wie etwa Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Gewicht, Größe, Wohnort, Gesundheitsrisiken usw.

Im genannten Zeitraum meldeten 1.240.009 Menschen via App eine erste Corona-Impfdosis und 971.504 eine zweite. 2.370 (0,2 Prozent) der zweifach Geimpften meldeten eine Infektion mit dem Coronavirus. Von den einfach Geimpften infizierten sich 0,5 Prozent beziehungsweise 6.030 Menschen mit dem Virus. In der Folge wurden eventuell auftretende Symptome ebenfalls via App getrackt.

Laut der Forscher wurden „fast alle Symptome bei infizierten geimpften Personen seltener gemeldet, als bei infizierten Ungeimpften“. Die vollständig geimpften Studienteilnehmer zeigten demnach häufig gar keine Corona-Symptome, „insbesondere wenn sie 60 Jahre oder älter waren“. Die Forscher erklären an anderer Stelle: „Wir fanden heraus, dass die Wahrscheinlichkeit, 28 Tage oder länger Symptome nach einer Infektion zu haben, durch zwei Impfdosen etwa halbiert wurden.“ Dieses Ergebnis deute daraufhin, das das Risiko, nach der Coronaimpfung an Long Covid zu erkranken, reduziert werde. Zudem müsse das insgesamt geringere Ansteckungsrisiko vollständig Geimpfter berücksichtig werden, mahnen die Forscher an.

Kritische Einordnung der Studie

Weitere Forschungen sind trotz dieser positiven Ergebnisse nötig. Die Studie basierte zwar auf den Daten einer großen Personenzahl, es handelte sich hier aber um die Selbstauskünfte der Teilnehmer. Entsprechend konnte nicht sichergestellt werden, ob alle Informationen korrekt angegeben wurden. Außerdem nahmen überproportional mehr Frauen als Männer teil, Menschen aus benachteiligten Gebieten waren unterrepräsentiert. Entsprechend ist diese Studie nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung.

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