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Helmholtz Zentrum München

Morgen- vs. Abendsport – Forscher decken Wirkung auf Gesundheit auf

Morgensport Abendsport Gesundheit: Frau läuft bei Sonnenaufgang querfeldein
Morgen- oder Abendsportler? Das macht offenbar einen Unterschied für die Stoffwechselprozesse im Körper.Foto: Getty Images

Welche Tageszeit ist die beste für Sport, um die Gesundheit zu fördern? Sollte man idealerweise den Tag mit Bewegung beginnen oder ist der Abend optimal dafür? Genau dieser Frage sind Forscher auf den Grund – und erstellten einen „Atlas des Bewegungsstoffwechsels“.

Wer die Effekte des Trainings optimieren möchte, sollte auf seinen Biorhythmus hören – FITBOOK berichtete. Die Tageszeit, an dem man sich bewegt, offenbar eine Rolle für den Stoffwechsel.1 Doch was geschieht eigentlich genau im Körper, wenn man Sport entweder früh oder spät am Tag macht? Das wollte ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Helmholtz Zentrum München und dem Karolsinka-Institut in Schweden herausfinden. Die Wissenschaftler betrachteten im Detail die Effekte von Morgensport und Abendsport auf die Gesundheit bzw. auf spezifische Stoffwechselprozesse.

Wie wirken Abendsport und Morgensport auf die Gesundheit?

Die Zellen in unserem Körper richten sich nach dem zirkadianen Rhythmus (24 Stunden) aus, wobei sie alle ihrer eigenen biologischen Uhr folgen.2 Entsprechend liegt es nahe, dass Menschen zu unterschiedlichen Zeiten sensitiv auf Sport reagieren. Um genauer zu verstehen, wie man Bewegungseinheiten für den optimalen gesundheitlichen Effekt auf den zirkadianen Rhythmus abstimmen kann, erarbeiteten die deutschen und schwedischen Forscher eine Mäusestudie.

Die Studie

Die Wissenschaftler führten eine Reihe an Untersuchungen an den Tieren durch, die entweder früh am Morgen oder spät am Abend eine Stunde auf einem Laufband aktiv waren. Blut- und Gewebeproben von Hirn, Herz, Muskel, Leber und Fett wurden entnommen und analysiert. Dabei konnten Stoffwechselprodukte und Hormonsignalmoleküle in jedem Gewebe nachgewiesen werden. Aber nicht nur das: Die Forscher konnten verfolgen, wie sie sich durch das Training zu unterschiedlichen Tageszeiten veränderten.3

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Zeitpunkt der Bewegung entscheidend

Die Analyse der Blut- und Gewebeproben ergab ein klares Bild: Die gesundheitlich fördernde Wirkung von Sport ist nachweislich tageszeitabhängig. Während es in jedem Gewebe einige Stoffwechselprodukte (Metabolite) gibt, die sowohl von früher als auch von später Bewegung profitieren, zeigt vor allem Morgensport große Effekte.

Morgensport wirkt sich positiv aus auf:

  • Blutserum
  • Herz
  • Hypothalamus (Gehirn)
  • weißes Fettgewebe
  • braunes Fettgewebe
  • Bauchfett
  • Muskeln

Nur bei der Leber war das Ergebnis nahezu „unentschieden“. Einige ihrer Metaboliten profitierten von morgendlicher Bewegung, andere dagegen von Abendsport. Wieder andere ließen sich zu beiden Tageszeiten positiv beeinflussen.

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Zusammenspiel von Stoffwechselprodukten

Eine weitere interessante Erkenntnis der Untersuchung: Morgendlicher Sport unterstützt auch das Zusammenwirken von Stoffwechselprodukten aus verschiedenen Regionen des Körpers. So zeigte sich bei den früh aktiven Mäusen zum Beispiel ein Einfluss auf die Leber-Muskel-Koordination. Darüber hinaus konnten die Wissenschaftler erkennen, dass während des morgendlichen Trainings der Ketonkörper-Stoffwechsel aktiviert wurde. Der auch als Ketose bekannte Prozess bewirkt, dass der Körper auf Ketone statt auf Glukose als Energiequelle zurückgreift. Ein Ziel, das vor allem Anhänger der ketogenen Ernährung anstreben.

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Frühsport als Therapie bei Krankheiten?

Mit ihrer Mäusestudie ist den Forschern ein umfassender Blick in die Stoffwechselprozesse beim Morgen- bzw. Abendsport gelungen. Anhand der Blut- und Gewebeanalysen konnten sie Hunderte von Details ermitteln und in einem „Atlas des Bewegungsstoffwechsels“ festhalten. Die Hoffnung ist nun, mit weiterer Forschung darauf aufzubauen. So könnten die positiven Effekte des Frühsports womöglich als Therapieansatz bei Krankheiten wie Diabetes helfen.

„Dies ist die erste Studie, die den Stoffwechsel in Abhängigkeit von Bewegung und Tageszeit über mehrere Gewebe hinweg beschreibt. Wir verstehen jetzt besser, wie Bewegung gestörte zirkadiane Rhythmen, die mit Adipositas und Typ-2-Diabetes in Verbindung stehen, neu ausrichten kann. Unsere Ergebnisse werden neue Studien ermöglichen, die den richtigen Zeitpunkt körperlicher Belastung für Therapien und die Prävention von Krankheiten erforschen“, erklärt Dominik Lutter, Co-Studienleiter vom Helmholtz Zentrum München.4

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Einordnung der Studie

Da es sich um eine Mäusestudie handelte, sind die Ergebnisse nicht eins zu eins auf den Menschen übertragbar. Außerdem konnten in der Untersuchung nicht unterschiedliche Trainingsformen berücksichtigt werden – wie Ausdauer, Kraft oder High Intensity. Weitere Forschung in diesem Bereich ist also notwendig, auch um Faktoren wie Geschlecht, Alter, mögliche Vorerkrankungen miteinzubeziehen. Zudem betonen die Wissenschaftler der Studie selbst, dass der Einfluss von Ernährung auf die körperlichen Prozesse beim Morgen- bzw. Abendsport ein weiters, spannendes Forschungsfeld sei, das noch viel Raum für neue Erkenntnisse gebe.

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