Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de

Symptome, Verlauf, Ursachen

Kann man die Heilung von Lippenherpes beschleunigen?

Lippenherpes schnell loswerden: Frau mit Lippenherpes fasst sich mit dem Finger an die Lippen.
Lippenherpes verursacht unschöne Symptome, die für viele Betroffene ein wiederkehrendes Ärgernis sindFoto: iStock / Sinenkiy

Jeder, der schon mal Lippenherpes hatte, weiß, wie unangenehm die roten Bläschen sein können. Sie sehen nicht nur unschön aus, sondern jucken auch und tun weh. Umso wichtiger also, zu wissen, ob man die Heilung beschleunigen kann. FITBOOK verrät, was bei Lippenherpes zu tun ist, warum er überhaupt ausbricht und wer besonders anfällig dafür ist.

Auf fachliche Richtigkeit geprüft von
Enrico Zessin, Arzt in Weiterbildung für Innere Medizin und Sportmedizin, Verbandsarzt Deutscher Leichtathletik Verband und Diplom-Molekularbiologe

Lippenherpes wird durch Herpes-simplex-Viren Typ 1 (HSV Typ 1) verursacht. Circa 60 bis 90 Prozent der Erwachsene kommen im Laufe ihres Lebens mit dem Virus in Kontakt und tragen den Virus ab dem Moment in sich. Wenn das Immunsystem durch eine Infektion, Krankheitsbehandlung, Stress oder ähnlichem geschwächt wird, kann die Infektionen zum Ausbruch von Lippenherpes führen. Bei etwa 20 bis 40 Prozent der Menschen, die Herpes-simplex-Viren in sich tragen, kommt es zu einem Ausbruch der Infektion. Dabei treten die nassen Bläschen am häufigsten in und um den Mundbereich auf, der Herpes kann aber auch an der Nase, den Fingern und sogar am unteren Rücken und dem Gesäß erscheinen. Betroffene leiden unter den schmerzenden Symptomen und wollen meistens nur eins wissen: Wie kann ich Lippenherpes schnell wieder loswerden?

Wie ist der Verlauf von Lippenherpes?

Bei einem Ausbruch kribbelt und juckt es zuerst ein paar Stunden bis Tage. Danach entstehen kleine, besonders harte, schmerzhafte Stellen, an denen die roten Bläschen im weiteren Verlauf ausbrechen. Entlang der Lippenränder bilden sich dann mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen, die zusammenwachsen, platzen und flache und offene Wunden hinterlassen können, die nässen und verkrusten.

In der Regel dauert Lippenherpes bei einem wiederholten Ausbruch ein bis zwei Wochen an, bevor er wieder komplett ausgeheilt ist und verschwindet. Menschen, die sich öfter mit Lippenherpes rumschlagen müssen, haben es ein- bis zweimal jährlich mit einem Ausbruch zu tun. In wenigen Fällen kommt es zu mehr als fünf Ausbrüchen im Jahr, wobei auch hier mit jedem Ausbruch die Symptome weniger heftig werden.

Was sind Symptome von Lippenherpes?

Je nachdem, ob es sich um einen erstmaligen Ausbruch von Lippenherpes oder einem Wiederauftreten handelt, treten die Anzeichen und Symptome unterschiedlich stark auf. Beim ersten Ausbrechen können die Bläschen bis zu 20 Tage nach dem ersten Kontakt mit dem Virus auftauchen. Danach können sie bis zu zwei bis drei Wochen bleiben, bevor sie anfangen abzuheilen. Rückfälle treten meistens an der gleichen Stelle auf und sind mit jedem Ausbruch weniger stark ausgeprägt. Beim erstmaligen Auftreten von Lippenherpes kann es neben den juckenden und schmerzenden nassen Bläschen außerdem zu folgenden Symptomen kommen:

  • Fieber
  • Schmerzendes Zahnfleisch
  • Kopfschmerzen
  • Halsschmerzen
  • Muskel- und Gliederschmerzen
  • Geschwollene Lymphknoten

Dadurch, dass der Körper noch keine Antikörper gegen den Virus gebildet hat, fällt die Reaktion beim ersten Ausbruch von Lippenherpes heftiger aus. Vor allem bei Kindern unter fünf Jahren kommt es zu starken Symptomen. Bei ihnen kann sich durch den Herpes-Ausbruch auch die Mundschleimhaut stark entzünden. Die schmerzhafte Entzündung wird als Mundfäule bezeichnet und geht mit starkem Mundgeruch einher.1

Wie lange ist man ansteckend?

Die Lippenbläschen bei Herpes sind in jedem Verlaufsstadium infektiös. Das heißt, die Ansteckungsgefahr ist hoch, egal, ob die Bläschen erst kommen, schon da oder beinah wieder verschwunden sind. Das höchste Infektionsrisiko besteht, wenn die sichtbaren Bläschen sprießen und nässen. Dann sollte man auf direkten körpernahen Kontakt wie beim beispielsweise beim Küssen oder Sex ganz verzichten und auch bei indirektem Kontakt durch Objekte wie Türklinken oder Besteck sehr vorsichtig sein. In jedem Fall ist es empfohlen, sich bei Lippenherpes regelmäßig die Hände zu waschen sowie eigene Handtücher und Trink- und Essutensilien zu benutzen. Beim Anfassen von Babys gilt bei Lippenherpes besondere Vorsicht, da sie besonders anfällig für eine Infektion sind.

Auch interessant: Aphthen im Mund können ein Warnsignal sein

Was sind die Ursachen von Lippenherpes?

Lippenherpes wird durch den Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV Typ 1) verursacht. Es gibt noch den Herpes-simplex Virus Typ 2 (HSV Typ 2), der in der Regel Auslöser für Genitalherpes ist. Beide Typen Herpes können aber beim direkten Körperkontakt, wie beispielsweise beim Küssen oder Oralverkehr, aber auch durch indirekten Kontakt, durch Übertragung über Handtücher oder Rasierer auf das Gesicht oder den Genitalbereich übertragen werden.

Nachdem man sich mit Herpes infiziert hat, ruht das Virus in den Nervenzellen. Unter bestimmten Bedingungen tritt das Virus wieder auf und löst die typischen Symptome aus.2

Auch interessant: Was hilft wirklich bei Neurodermitis?

Wer ist besonders anfällig für das Ausbrechen von Lippenherpes?

Die Mehrheit der Herpesvirus-Infizierten kriegen ihr ganzes Leben keinen Lippenherpes. Bei etwa 20 bis 40 Prozent der Virusträger bricht Lippenherpes wiederkehrend aus. Vor allem Personen mit einem geschwächtem Immunsystem haben öfter mit den ärgerlichen Bläschen zu kämpfen. Erkrankungen wie HIV oder Krebs, sowie Operationen, die Einnahme bestimmter Medikamente, aber auch akute, starke Stresssituationen oder extremer Schlafmangel unterdrücken das Immunsystem und begünstigen den Ausbruch von Lippenherpes. Ebenso erhöhen bestimmte Hauterkrankungen wie Neurodermitis die Anfälligkeit, weil sich das Virus auf der geschädigten Haut besser ausbreiten kann.

Kann man Lippenherpes vorbeugen?

Zur Vorbeugung kann man versuchen, bestimmte Reize, die Lippenherpes aktivieren, zu meiden. Mögliche Auslöser eines Ausbruches können sein:

  • UV-Strahlen durch extreme Sonnenzufuhr oder Solarium
  • Erkältung und Fieber
  • körperliche und psychische Belastung
  • bestimmte entzündungshemmende Medikamente
  • Hormonschwankungen

Tritt Lippenherpes regelmäßig nach einem Sonnenbad auf, kann Sonnencreme oder schützende Lippenpflege helfen. Bei regelmäßigen Ausbrüchen im Rahmen einer Erkältung sollte man darauf achten, sich regelmäßig und gut die Hände zu waschen, Körperkontakt zu vermeiden und Handtücher, Geschirr und Ähnliches nicht mit anderen Personen zu teilen. Wenn der Herpes bei einem selbst schon ausgebrochen ist, gilt auch hier zum Schutz anderer möglichst direkten und indirekten Körperkontakt zu meiden oder möglichst hygienisch zu halten, sodass keine weiteren Ansteckungen erfolgen.3

Auch interessant: Eigene Blutgruppe verrät offenbar die Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten

Wie wird man Lippenherpes schnell wieder los?

Grundsätzlich ist eine Behandlung von Lippenherpes nicht notwendig, da die Erkrankung wieder von alleine verschwindet. Es gibt allerdings auch Cremes, Salben, Gels, Pflaster und Tabletten, die die Dauer des Ausbruchs minimal verkürzen und Symptome wie jucken und brennen unter Umständen lindern können. Wichtig ist, dass die medikamentöse Behandlung sofort bei den ersten Anzeichen innerhalb der ersten 24 Stunden erfolgt, da sie dann am besten anschlägt. Wirkstoffe, die häufig in rezeptfreien Mitteln enthalten sind, sind unter anderem Aciclovir und Penciclovir.

Bei der Anwendung werden die Salben und Gels in der Regel fünf Tage lang, alle zwei bis drei Stunden auf den betroffenen Bereich aufgetragen. Daneben gibt es noch rezeptpflichtige, virushemmende Mittel in Tablettenform, die die Dauer des Ausbruches ebenfalls nur maximal einen Tag verkürzen können. Zusätzlich sollte man die betroffenen Stellen vor Sonneneinstrahlung schützen und die Lippen mit Pflege verwöhnen. Wenn Lippenherpes zu heftigen Symptomen führt, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen.4,5

Eine weitere Möglichkeit, die Heilung zu beschleunigen, ist die Anwendung eines elektronischen Lippenstifts gegen das Herpesvirus. Der Stift produziert Wärme (51 bis 53°C). Sie soll beim Auftreten der ersten Symptome angewendet die Entstehung der Bläschen verhindern. Die Wirkung des „Hitzestifts“ wurde vom Hersteller in einer kleine Studie 2013 belegt und wird mit dem Absterben der bei 50°C thermolabilen Viren begründet.6,7

Bringen Hausmittel bei Lippenherpes etwas?

Wie bei der medikamentösen Behandlung bringen Hausmittel auch nur bedingt etwas und können höchstens die Krankheitsdauer minimal reduzieren. Als bewährte Hausmittel gegen Lippenherpes gelten:

  • Honig soll durch seine antimikrobiellen Inhaltsstoffe die Bakterien und Viren abtöten und deren Vermehrung hemmen. Dabei soll der Honig alle zwei bis drei Stunden auf die betroffenen Stellen getupft werden.
  • Teebaumöl enthält ebenfalls antimikrobielle Stoffe und soll so früh wie möglich jede Stunde auf die von Herpes betroffenen Bereich aufgetragen werden.
  • Zinksalbe soll durch seine antientzündliche und austrocknende Wirkung auch die Vermehrung der Bakterien stoppen und ein Abheilen beschleunigen.

Das Nutzen von Hausmitteln bei einem Herpes Ausbruch ist umstritten und kann höchstens die Heilung – wie die medikamentöse Behandlung auch – nur minimal verkürzen.

Quellen