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Studie der Johns Hopkins Universität

Ist Kaffee schädlich für die Nieren?

Cappuccino dekorativ auf einem Holztisch
Kaffee ist das beliebteste Heißgetränk der Deutschen – doch ist es auch gesund?Foto: Getty Images

Je mehr zu Kaffee geforscht wird, als desto gesünder entpuppt sich der schwarze Muntermacher. Doch jetzt machten Wissenschaftler der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health eine Entdeckung, die sie selbst überraschte: Bestimmte Kaffee-Stoffwechselprodukte können eine chronische Erkrankung der Nieren auslösen.

Eigentlich vergeht kaum ein Monat, in dem nicht irgendeine Studie erscheint, die darauf hindeutet, wie gesund Kaffee für Herz, Kreislauf und sogar Gehirn ist. Sehr zur Freude aller Kaffee-Fans. Allein in Deutschland betrug der Pro-Kopf-Konsum zuletzt 164 Liter.1 Umso ernüchternder kommt eine aktuelle Untersuchung der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health daher. So entdeckten Forschende zwei Metaboliten – das sind Stoffwechselprodukte im Blut –, die mit dem Genuss von Kaffee einhergehen und die Entstehung von chronischen Nierenerkrankungen begünstigen. Allerdings machten sie auch ein weiteres „Kaffee-Metabolit“ aus, das die Nieren bei der Heilung unterstützt. Handelt es sich bei Kaffee also um einen Nierenkiller oder Nierenschützer?

Was Kaffee mit der Gesundheit der Nieren zu tun hat

Nahrungsmittel und auch Getränke haben eine bedeutende Auswirkung auf die Nierengesundheit. Zur Erinnerung: Unsere Nieren sind dafür verantwortlich, Blut zu filtern, Schadstoffe und überschüssiges Wasser zu entfernen und ein gesundes Gleichgewicht von Salzen und Mineralien aufrechtzuerhalten. Ist die Nierenfunktion dauerhaft eingeschränkt oder gestört, spricht man von chronischer Nierenerkrankung. Diese kann lebensbedrohlich sein.

Gleichzeitig können, wie eingangs erwähnt, Metaboliten, die bei der Verstoffwechselung bestimmter Lebensmittel entstehen, die Entstehung von Krankheiten begünstigen oder verhindern. Um herauszufinden, welche Rolle Kaffee bei der Gesundheit der Nieren spielt, wurden für die im Fachblatt „CJASN“ veröffentliche Studie insgesamt 372 Blutmetaboliten von 3811 Teilnehmern genauer unter die Lupe genommen.2

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Zwei Kaffee-Metaboliten als problematisch für die Nieren entlarvt

Von den untersuchten Erwachsenen tranken 56 Prozent täglich Kaffee, 32 Prozent sogar mehr als zwei Tassen am Tag. Insgesamt wurden 84 Metaboliten identifiziert, drei hatten direkt mit Kaffee zu tun: Glycochenodesoxycholat, O-Methylcatecholsulfat und 3-Methylcatecholsulfat. Letztere beiden werden mit einem erhöhten Risiko für Nierenerkrankungen in Verbindung gebracht und können daher zu den potenziell „schädlichen“ Auswirkungen des Kaffeekonsums beitragen. Diese Verbindungen sind am Stoffwechsel von Benzoat beteiligt, einem Konservierungsmittel, das in verarbeiteten Lebensmitteln verwendet wird. Es sind übrigens dieselben Stoffwechselprodukte, die auch bei Rauchern vorkommen, heißt es in der dazugehörigen Medienmitteilung.3

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Warum Kaffee in moderaten Mengen trotzdem gesund ist

„Eine große Anzahl wissenschaftlicher Beweise hat gezeigt, dass der Konsum einer moderaten Menge Kaffee mit einer gesunden Ernährung vereinbar ist. Wir konnten mit Glycochenodesoxycholat einen Metaboliten identifizieren, der diese Theorie unterstützt“, erklärt Studienautorin Dr. Casey Rebholz weiter. Diese Verbindung wirkt sich unter anderem regulierend auf den Fett-, Glukose und Cholesterinspiegel aus. Also alles willkommene Eigenschaften, die unsere Nieren bei ihrer Arbeit unterstützen.

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Quellen

  1. Ahrens S (2021). Kaffee: Konsum und Anbau – Statistiken und Daten. Statista
  2. He WJ, Chen W, Razavi AC, et al. (2021) Metabolites Associated with Coffee Consumption and Incident Chronic Kidney Disease. CJASN
  3. American Society of Nephrology (ASN). (2021). Blood metabolites associated with coffee consumption may affect kidney disease risk.

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