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Z. B. beim Grippeschutz

Warum haben Impfungen bei manchen Nebenwirkungen – und bei anderen nicht?

Frau hat Nebenwirkungen nach einer Impfung
Manche Menschen fühlen sich nach einer Impfung richtig krank. FITBOOK klärt über die Wahrscheinlichkeit (und möglichen Gefahren) von Nebenwirkungen auf.Foto: Getty Images

Gerade jetzt in der Coronakrise scheint die Grippeschutzimpfung ein besonders großes Thema zu sein. Einen Impfstoff gegen den Erreger Sars-CoV-2 gibt es noch nicht, viele Menschen wollen sich deshalb zumindest vor einer körperlichen Schwächung durch andere Erkrankungen, wie z. B. Influenza, schützen. Einige von ihnen fühlen sich nach der Spritze richtig krank. Bloß: Wovon hängt es ab, ob nach einer Grippeschutzimpfung (oder einer anderen) Nebenwirkungen auftreten? FITBOOK hat das herausgefunden.

Während sich die einen gegen möglichst jeden Erreger impfen lassen würden, sehen die anderen das Konzept der Immunisierung kritisch. In den meisten Fällen rührt eine Ablehnung von Impfungen aus der Sorge vor Nebenwirkungen.

Tatsächlich drohen – gerade bei Impfungen gegen Kinderkrankheiten wie Masern und Keuchhusten – Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und allgemeines Unwohlsein. Solche Krankheitssymptome sind auch bei Erwachsenen, von denen wohl viele aktuell über eine Grippeschutzimpfung nachdenken, nicht auszuschließen.

Was passiert eigentlich bei einer Impfung?

Kurz zur Erklärung, wie eine Impfung funktioniert. Der Impfstoff, der Patienten gespritzt wird, enthält gewisse Mengen des Krankheitserregers (in abgeschwächter Form), gegen den dessen Immunsystem Abwehrstoffe bilden soll. Jene Abwehrstoffe (= Antikörper) sollen fortan verhindern, dass das Virus sich Zugang zum Körper des Geimpften verschaffen kann. Es sind die gleichen Eiweiße, die sich mit der Zeit in den Zellen eines bspw. Grippeinfizierten bilden würden, wenn dieser seine Krankheit akut bekämpft.

„Bei den in Deutschland zugelassenen Influenzaimpfstoffen für Kinder und Erwachsene handelt es sich meist um Totimpfstoffe“, erklärt zu dem Thema das Robert-Koch-Institut (RKI) auf seiner Website. Die Seren enthalten somit inaktivierte Viren bzw. Bestandteile davon. Daneben gibt es auch Lebend-Impfstoffe, die vor allem bei Kindern und dann in Form von Nasenspray zum Einsatz kommen.

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Warum kann eine Impfung Nebenwirkungen haben?

Bedeutet vereinfacht gesagt: Der Patient bekommt einen Erreger injiziert, welcher in höherer Konzentration krankmachen könnte. So weit kommt es im Rahmen einer Schutzimpfung nicht. Auf jeden Fall aber muss der Körper sich mit der Substanz auseinandersetzen. Wie das RKI in seinem Info-Schreiben erklärt, sind die in Deutschland angewandten Impfstoffe hinreichend geprüft und in der Regel gut verträglich. Es könne aber „vorübergehend zu Lokalreaktionen (leichte Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Impfstelle) kommen“.

Tatsächlich ist das offenbar nicht alles. „Ebenso können in den ersten Tagen nach der Impfung Allgemeinsymptome wie beispielsweise Fieber, Frösteln oder Schwitzen, Müdigkeit, Kopf-, Muskelschmerzen auftreten.“ So steht es auf der Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA), und betrifft offenbar auch erwachsene Patienten. Und weiter: „Solche Impfreaktionen klingen in der Regel nach wenigen Tagen wieder ab.“ Zunächst sind sie aber sicherlich unangenehm und womöglich auch etwas beängstigend.

FITBOOK hat beim Experten nachgefragt, was im Fall von Nebenwirkungen zu tun ist – und wovon es überhaupt abhängt, ob man eine Grippeschutzimpfung gut verträgt – oder, im Gegenteil, darauf mit Krankheitssymptomen reagiert.

„Reaktion des Immunsystems ist so individuell wie wir selbst“

Ob und bei wem es nach einer Impfung zu Nebenwirkungen kommt, lässt sich laut Dr. med. Matthias Riedl, Allgemeinmediziner aus Hamburg, nicht vorhersagen. „Die Reaktion des Immunsystems ist so individuell wie wir selbst“, weiß er. Der Fachbegriff dafür laute Polymorphismus und beschreibt auch im Bezug auf andere Populationen die Möglichkeit verschiedener Genvarianten. Es hänge u. a. mit dem Polymorphismus zusammen, dass manche Erreger bzw. Erkrankungen bei der einen Person potenziell tödlich verlaufen und sich bei der anderen allenfalls mit einem Husten äußern.

Das Gleiche betrifft offenbar auch die Antikörperentwicklung und generelle Reaktion auf eine Schutzimpfung. „Manchmal wirkt die Impfung nicht und manchmal sehr gut“, so Dr. Riedl. Deshalb sei auch nie auszuschließen, dass es – neben Immunantworten wie Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle – zu schwereren Folgen wie Gewebsschädigungen kommt. Je nach Art der Impfung seien auch Todesfälle dokumentiert.

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Darf man Nebenwirkungen behandeln?

Wenn man sich nach der Impfung also richtig schlecht fühlt – darf man bspw. fiebersenkende Medikamente einnehmen? Oder riskiert man dadurch womöglich die gewünschte Wirkung des Impfstoffs, also die Immunisierung?

Dr. Riedl gibt Entwarnung. Lokale oder allgemeine Überwärmungen können gekühlt und bei stärkeren Beschwerden (wie „Fieber und Schmerzen“) auch Fiebersenker eingenommen werden. „Ansonsten darf man nach einer Impfung alles tun, wie sonst auch“, so der Arzt. „Nur den Muskel, in denen injiziert wurde, sollte man zunächst nicht trainieren.“

Wann man eine Impfung überdenken sollte

Um das Risiko ungewünschter Folgen bestmöglich zu reduzieren, sollte in bestimmten Fällen eine Schutzimpfung vorher unbedingt mit einem Arzt diskutiert werden. Dazu zählen bestimmte Grunderkrankungen sowie Allergien auf Bestandteile des entsprechenden Impfstoffs, welche – wenn möglich – die Entscheidung für ein alternatives Präparat nach sich ziehen sollten. Kämpft der Patient gerade mit einer akute Infektionen bzw. Fieber, sollte eine etwaige Impfung neu terminiert werden.