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Schon 100.000 Dosen produziert

Kann ein experimenteller Corona-Antikörper den Krankheitsverlauf mildern?

Corona-Antikörper per Infusion verabreicht
Ein experimenteller Corona-Antikörper, der per Infusion verabreicht wird, könnte bei Covid-19-Patienten die Genesung fördern
Foto: Getty Images

Ein experimenteller, bereits 100.000-fach produzierter Antikörper soll bald in der Behandlung von Corona-Infektionen zum Einsatz kommen. Es handelt sich dabei um speziell aufbereitete B-Zellen aus dem Blut eines Covid-19-Patienten. In Untersuchungen mit 800 Probanden wollen die verantwortlichen Forscher gute Ergebnisse erzielt habe. Allerdings: Ob schwer Erkrankte davon profitieren können, bleibt fraglich.

Die Idee, Antikörper von (fast ganz) genesenen Covid-19-Patienten zur Behandlung akuter Erkrankungen zu verwenden, ist nicht neu. In den USA ist die sogenannte Plasmatherapie bei schweren Coronainfektionen bereits zugelassen. Einem US-Hersteller will es nun gelungen sein, den bedeutenden Bestandteil eines bestimmten Corona-Antikörpers zu trennen und daraus ein Medikament zu produzieren. Eine Studie soll belegen, dass es sich zur Behandlung von Corona-Infektionen eignet.

Was ist das für ein experimenteller Corona-Antikörper?

Die Eli Lilly and Company (kurz: Lilly) soll bereits 100.000 Dosen des experimentellen Corona-Antikörpers produziert haben. Dies ist in einer Pressemitteilung des Herstellers nachzulesen, der nun auf eine kurzfristige Zulassung durch die US-Arzneimittelbehörde hofft. Das „Ärzteblatt“ hat das Ganze zusammengefasst.

Es handle sich um einen von insgesamt 500 Antikörpern, die das Immunsystem eines an Covid-19 erkrankten Patienten binnen einer Woche gebildet hatte. „Mit einer speziellen Methode gelang es den Forschern, die B-Zellen, die den Antikörper produzieren, aufzuspüren, das Gen zu isolieren und mit Hilfe von rekombinanten Zellen in größeren Menge zu produzieren“, erklärt dazu das „Ärzteblatt“. Mit dem so entwickelten Antikörper (Projektname: LY-CoV555) begann Lilly bereits im Juni seine klinische Studie.

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So lief die Antikörper-Studie ab

An der Studie teilnehmen durften nur Personen, deren Covid-19-Erkrankung ein mittelschweres Maß nicht überschritt, und deren entsprechende Diagnose auch nicht länger als drei Tage zurücklag. Die insgesamt rund 800 Probanden bekamen von den Studienverantwortlichen – unterteilt in Gruppen – einmalig den Antikörper verabreicht, in jeweils unterschiedlichen Dosierungen und per intravenöser Infusion. Eine vierte Testgruppe bekam eine antikörperfreie Placebo-Infusion.

Das Ergebnis: 11 Tage nach der Infusion ist die Coronaviruslast bei allen Probanden gesunken – auch in der Testgruppe. Die Erkrankung war bei denjenigen, die den Antikörper erhalten hatten, jedoch milder verlaufen. Wie es in der Pressemitteilung heißt, mussten von diesen insgesamt 302 Patienten nur 5 im Krankenhaus bzw. von einem Notarzt behandelt werden. Innerhalb der Testgruppe sei das bei immerhin 9 von 150 Personen der Fall gewesen. In Prozent ausgedrückt, sind das 1,7 Prozent im Vergleich zu 6 Prozent der Personen.

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Haken der Studie

Der Hersteller betont, dass nur Patienten haben beatmet werden müssen, die aufgrund gesundheitlicher Vorbelastungen zur Covid-19-Risikogruppe zählten. Gründe dafür waren ein hoher Body-Mass-Index (BMI), also starkes Übergewicht, oder ihr fortgeschrittenes Alter.

Es haben, wie bereits erwähnt, nur Covid-19-Patienten mit leichten bis mittelschweren Verläufen an der Studie teilnehmen dürfen. Sie alle sollen die Infusionen gut vertragen haben. Allerdings blieben auch diejenigen Probanden, die nur ein Placebo erhalten hatten, ohne Komplikationen. Der „Härtetest“, wie das „Ärzteblatt“ es nennt, stehe noch aus. Erst dann wird man beurteilen können, ob sich der experimentelle Antikörper auch für die Behandlung von schwereren Verläufen eignet.