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Studie aus Deutschland

Bluthochdruck offenbar Risikofaktor für schweren Covid-19-Verlauf

Patient mit Bluthochdruck
Bluthochdruck ist offenbar ein Risikofaktor für eine Erkrankung an Covid-19. Das haben deutsche Wissenschaftler herausgefunden.Foto: Getty Images

Verschiedene Vorerkrankungen verschlechtern die Voraussetzungen für den Verlauf einer Covid-19-Erkrankung – so auch Bluthochdruck. Das hat eine groß angelegte Untersuchung mehrerer deutscher Unikliniken, an der auch Charité-Virologe Prof. Christian Drosten beteiligt war, ergeben.

Neben deutlich älteren Menschen zählen v. a. solche mit Vorerkrankungen zu den Risikopatienten im Fall einer Corona-Infektion. Das Robert-Koch-Institut (RKI) führt hier insbesondere Diabetes, Krebs, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Störungen der Leber- und Nierenfunktion an. Nun haben deutsche Forscher einen weiteren Risikofaktor für Covid-19 ausgemacht: Bluthochdruck.

Covid-19 verläuft bei Bluthochdruck oft schwerer

Rund vier mal häufiger soll eine Covid-19-Erkrankung schwer und potenziell lebensbedrohlich verlaufen, wenn die Betroffenen an Bluthochdruck leiden. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher der Berliner Charité und der Unikliniken Leipzig und Heidelberg in einer gemeinsamen Untersuchung. Sie stellten bei einer großen Anzahl analysierter Zellen von Hypertonikern (= Bluthochdruckpatienten) Entzündungen fest – und zwar unabhängig davon, ob diese mit dem Coronavirus infiziert waren oder nicht.

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Konkreter Einfluss von Bluthochdruck auf Covid-19-Verlauf

Wie die Forscher in ihrer Abhandlung (aktuell erschienen im Fachblatt „Nature Biotechnology“) erklären, sind erhöhte Entzündungswerte immer ein Hinweis auf einen drohenden schweren Verlauf von Covid-19. Dies haben sie bei In-vitro-Experimenten (Experimente in einer kontrollierten, künstlichen Umgebung, z. B. im Reagenzglas) mit entzündeten Zellen belegen können.

Die möglichen Folgen für den Patienten seien eine überschießende Immunantwort und daher oft ein schwerer Verlauf der tückischen, durch das Coronavirus ausgelösten Lungenentzündung (FITBOOK berichtete) und daraus resultierende Organschäden. Im Zuge einer Covid-19-Lungenentzündung sind die besonders sauerstoffempfindlichen Organe wie das Gehirn, die Nieren und Muskeln in ihrer Funktion eingeschränkt.

Studie bedeutet auch Chance für die Behandlung

Auf der positiven Seite der Erkenntnisse stehen neu entdeckte Chancen für die Covid-19-Behandlung. So soll die Verabreichung von ACE-Hemmern (= gefäßerweiternde Medikamente, welche die Freisetzung blutdrucksteigernder Katecholamine hemmen sollen) die Gefahr eines gefährlichen Covid-19-Verlaufs verringern können. Konkret sollen ACE-Hemmer die kritische extreme Immunreaktion nach einer Coronavirus-Infektion verhindern.

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Bitte keine Selbsttherapie vornehmen!

Einschränkend muss man sagen, dass die aktuelle Studie mit Zellen einer relativ überschaubaren Anzahl an Probanden durchgeführt wurde. Den Forschern lagen Zellen von 32 Coronainfizierten und 16 Kontrollpersonen vor.

Und auch ganz unabhängig von einer etwaigen Erkrankung an Covid-19 ist es wichtig: Bei Bluthochdruck muss eine medikamentöse Behandlung immer in Absprache mit Ihrem Arzt erfolgen.

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