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Gefahr an heißen Tagen

Kombi von Aspirin und Beta-Blocker kann Risiko für Herzattacke um 75 Prozent erhöhen 

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Herzpatienten sollten bei hohen Temperaturen für die Gefahr, die von ihren Medikamenten ausgehen könnte, sensibilisiert seinFoto: Getty Images

Bei Kopfschmerzen schafft eine Aspirin-Tablette schnelle Abhilfe. Doch an heißen Tagen kann sie für bestimmte Personen gefährlich werden, besonders wenn sie in der Kombination mit einem Beta-Blocker eingenommen wird.

Heiße Tage sind für Menschen mit Vorerkrankungen ohnehin riskant. Auch Personen mit Herz-Kreislauf-Beschwerden müssen bei hohen Temperaturen besonders auf sich achten.1 Jetzt kommen Forscher der Yale School of Public Health zu dem alarmierenden Ergebnis, dass Aspirin und Beta-Blocker das Risiko für einen Herzinfarkt an heißen Tagen erhöhen können. Insbesondere die Kombination beider Medikamente bietet großes Gefahrenpotenzial.

Mehr Herzinfarkte bei Hitze

Weil Hitze vermehrt Herzinfarkte hervorrufen kann, wollten die Forscher der Yale University der Frage auf den Grund gehen, inwieweit bestimmte Medikamente, die für den Erhalt der Herzgesundheit eingenommen werden, eine Rolle spielen können. Im Fokus standen zum einen Beta-Blocker, die u. a. Patienten mit Bluthochdruck oder Herzschwäche regelmäßig einnehmen. Zudem war eine zweite Medikamentenart für die Wissenschaftler von Interesse: Thrombozytenaggregationshemmer. Dies sind Arzneimittel, die zur Prophylaxe und Therapie bei Thrombosen und Embolien zum Einsatz kommen. In diese Kategorie fällt auch das Schmerzmittel Aspirin.

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Was hat die Studie untersucht?

Im Rahmen ihrer Studie analysierten die US-Forscher Daten während der warmen Jahreszeit (Mai bis September) erfolgter, aber nicht tödlich geendeter, Herzinfarkte in bayerischen Augsburg. Zwischen den Jahren 2001 und 2014 hatte es 2494 solcher Fälle gegeben.2 Um herauszufinden, inwieweit sich Aspirin und Beta-Blocker schädlich auf das Herz auswirken können, schauten sich die Wissenschaftler an, welche Medikamente die Herzinfarkt-Patienten zuvor eingenommen hatten.

Kombi von Aspirin und Beta-Blockern erhöht Herzinfarktrisiko um 75 Prozent

Tatsächlich zeigte die Analyse, dass Aspirin und Beta-Blocker die Gefahr für Herzinfarkte während der warmen Jahreszeit tatsächlich noch zusätzlich steigern können. „Patienten, die beide Medikamente einnehmen, haben ein erhöhtes Risiko. Während Hitzewellen sollten sie deshalb Vorsichtsmaßnahmen treffen“, fasst der an der Studie beteiligte Yale-Professor Kai Chen die Ergebnisse zusammen.3

Im Vergleich zu kühleren Tagen erhöhte die Einnahme von Thrombozytenaggregationshemmern, wie z. B. das häufig verwendete Aspirin, das Herzinfarktrisiko an heißen Tagen um 63 Prozent. Die Einnahme von Beta-Blockern war mit einem um 65 Prozent höheren Risiko verbunden. Einen noch schlimmeren Effekt wies aber die Kombination beider Medikamententypen auf: Sie steigerte das Herzinfarktrisiko um 75 Prozent.

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Warum die Forscher annehmen, dass die Medikamente Ursache sind

Die genannten Studienergebnisse zeigen eine Verbindung zwischen Temperatur der Umgebung, Aspirin, Beta-Blockern und Herzinfarkten auf. Einen kausalen Zusammenhang konnten sie zunächst aber nicht belegen.

Deshalb verglichen die Forscher bei ihrer Analyse zudem junge (25-59 Jahre) mit älteren Menschen (60-74 Jahre). Wie erwartet, erlitten weniger junge Menschen einen Herzinfarkt als die älteren. Das änderte sich jedoch, wenn die Medikamenteneinnahme berücksichtigt wurde. Die jüngeren Studienteilnehmer, die Aspirin und Beta-Blocker einnahmen, waren anfälliger für hitzebedingte Herzinfarkte als ältere Patienten. Und das, obwohl die Älteren mehr Herzvorerkrankungen hatten. Dieses Ergebnis interpretieren die Forscher als Anzeichen dafür, dass die Medikamente die Herzattacken direkt mitbedingt haben könnten. Ein weiterer Hinweis darauf: Andere Herzmedikamente konnten nicht so klar mit dem Auftreten von Herzinfarkten in Verbindung gebracht werden.

Was Herzpatienten während Hitzewellen tun sollten

Da aber sowohl Thrombozytenaggregationshemmer als auch Beta-Blocker von Herzpatienten zur Therapie ihrer Beschwerden genommen werden müssen, kann die Lösung nicht lauten, komplett auf sie zu verzichten. Dennoch wollten die Forscher für die Gefahr, die während Hitzeperioden von ihnen ausgehen kann, sensibilisieren. So plädieren die Studienverantwortlichen dafür, dass sich Vorerkrankte durch andere Maßnahmen an heißen Tagen schützen. Sie sollten insbesondere darauf achten, sich möglichst wenig der Hitze auszusetzen – sich also in kühlen Räumen aufhalten.

Quellen

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