30. Juni 2026, 16:04 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Starke Hitze kann nicht nur uns, sondern auch unsere Medikamente belasten. Einige Arzneimittel beeinflussen die Wärmeregulierung des Körpers, andere verlieren durch falsche Lagerung ihre Wirkung – und das oft unsichtbar. Wer Tabletten regelmäßig einnimmt, sollte bei Sommerhitze also ganz genau hinschauen.
Ob erhöhtes Sonnenbrandrisiko, Kreislaufprobleme oder Medikamente, die durch Hitze an Wirksamkeit verlieren – hohe Temperaturen können die Wirkung und Verträglichkeit von Arzneimitteln beeinflussen. Deshalb sind bei sommerlicher Hitze sowohl die richtige Lagerung als auch ein bewusster Umgang mit Medikamenten besonders wichtig.
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Wirkung unter der Sonne: Medikamente und Körperreaktion
Medikamente können die Wahrnehmung trüben oder das Empfinden für Körperbedürfnisse beeinflussen. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte an heißen Tagen aufmerksam sein und Veränderungen mit dem Arzt oder in der Apotheke besprechen. Bei länger anhaltenden Hitzewellen kann es notwendig sein, die Dosierung ärztlich anzupassen. Medikamente sollten jedoch niemals eigenständig reduziert oder abgesetzt werden. Nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) kann Hitze die Wirkung von Medikamenten auf unterschiedliche Weise beeinflussen: Zum einen können hohe Temperaturen die Stabilität bestimmter Arzneimittel beeinträchtigen, wenn sie nicht sachgerecht gelagert werden. Zum anderen verändert Hitze den Flüssigkeits-, Elektrolyt- und Kreislaufhaushalt des Körpers, wodurch manche Wirkstoffe stärker oder anders wirken können. Deshalb empfehlen Experten, Medikamente kühl, trocken und lichtgeschützt aufzubewahren.
Viel trinken, im Schatten bleiben und für Abkühlung sorgen – das gilt nicht nur für uns selbst, sondern auch für Medikamente. Müssen Arzneimittel transportiert oder unterwegs eingenommen werden, sollten sie unbedingt vor Hitze geschützt werden. Denn viele Präparate verlieren bei hohen Temperaturen an Wirkung – äußerlich ist das aber oft nicht erkennbar.
Durstgefühl, Kreislauf und Nierenbelastung
Vermindert etwa ein Medikament das Durstgefühl, kann die gleichzeitige Einnahme von Entwässerungsmitteln dazu führen, dass der Körper austrocknet. Wer wenig trinkt und gleichzeitig viel schwitzt, riskiert zudem eine Beeinträchtigung der Nierenfunktion. Dadurch kann sich auch die Konzentration bestimmter Wirkstoffe im Körper verändern. Besonders ältere Menschen sind gefährdet, da sie Flüssigkeits- und Elektrolytverluste häufig nicht allein durch Trinken ausgleichen können.
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Sonnenbrand durch Medikamente?
Manche Medikamente können die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen und so das Risiko für einen Sonnenbrand oder starke Hautreaktionen steigern. Dazu zählen unter anderem bestimmte Antibiotika sowie schmerz- und entzündungshemmende Medikamente wie Diclofenac.
Auch andere Medikamente wie Doxycyclin, Furosemid, Hydrochlorothiazid, Amiodaron oder Johanniskraut können fototoxische Reaktionen auslösen. Dabei kann bereits eine kurze Sonneneinstrahlung zu einem Sonnenbrand oder starken Hautreizungen führen.
Gefahr für Herz und Kreislauf
Auch blutdrucksenkende Medikamente können natürliche Körperreaktionen bei Hitze verstärken. Heiße Tage können Menschen mit Bluthochdruck oder Kreislaufproblemen besonders stark belasten. Mögliche Folgen sind ein plötzlicher Blutdruckabfall, Kreislaufkollaps oder ein Hitzschlag.
Besonders bei Präparaten wie ACE-Hemmern, Sartanen, Calciumantagonisten und Diuretika kann sich die Wirkung im Sommer deutlich verstärken. Symptome wie Schwindel, Verwirrtheit oder kurzzeitige Bewusstlosigkeit können auftreten – im Extremfall sogar akutes Nierenversagen. Ärztlicher Rat ist hier unverzichtbar.1
Schwitzen gestört: Wenn der Körper nicht mehr kühlen kann
Bei Hitze versucht der Körper, überschüssige Wärme durch Schwitzen abzugeben. Doch manche Medikamente können genau diesen Mechanismus behindern. Dazu zählen unter anderem Schilddrüsenhormone, trizyklische Antidepressiva, Antihistaminika, Anticholinergika sowie Atropin und Hyoscyamin. Wer solche Wirkstoffe einnimmt und Fieber oder Anzeichen einer Überhitzung entwickelt, sollte umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
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Worauf bei der Lagerung zu achten ist
Nicht alle Medikamente reagieren gleich auf Hitze. Während Tabletten und Dragees vergleichsweise stabil sind, können auch sie Schaden nehmen, wenn sie über längere Zeit hohen Temperaturen ausgesetzt sind. Dadurch kann ihre Stabilität und im schlimmsten Fall auch ihre Wirksamkeit beeinträchtigt werden.
Weitaus empfindlicher reagieren flüssige oder weiche Arzneiformen wie Zäpfchen, Salben, Cremes, Säfte, Lösungen sowie Sprays und Wirkstoffpflaster. Hier kann es zu Veränderungen der Zusammensetzung oder Wirkstofffreisetzung kommen. Zeigen Medikamente sichtbare Veränderungen, sollten sie nicht mehr verwendet werden.2
Kühl, aber nicht zu kalt – und auf keinen Fall im Auto
Für alle Arzneimittel gilt: Kühl und trocken lagern, jedoch nicht zu kalt. Steigen die Temperaturen in der Wohnung stark an, sollten Medikamente möglichst im kühlsten Raum aufbewahrt werden – etwa im Keller. Ist eine Lagerung im Kühlschrank erforderlich oder laut Herstellerangaben zulässig, sollten die Arzneimittel nicht direkt an Kühlakkus oder an der Kühlschrankrückwand liegen. Im Auto sollten Medikamente niemals liegen bleiben, da die Temperaturen dort innerhalb kurzer Zeit auf bis zu 70 Grad steigen können.
Für Reisen empfiehlt sich eine Kühltasche. Doch Vorsicht: Tiefkühlfächer oder aufgegebenes Gepäck im Flugzeug sind für Medikamente ungeeignet. Einige Arzneimittel, etwa Insulin, können durch Frost ihre Wirksamkeit verlieren. Medikamente sollten deshalb möglichst im Handgepäck transportiert werden.
Diese Medikamente müssen unbedingt dauerhaft gekühlt werden
Zu den kühlpflichtigen Arzneimitteln zählen unter anderem Insulin, bestimmte Impfstoffe, Biologika gegen Rheuma sowie weitere Medikamente. Ob Sie ein Medikament bei zwei bis acht Grad Celsius lagern müssen, erfahren Sie auf der Verpackung oder im Beipackzettel. Beachten Sie diese Hinweise unbedingt, damit die Arzneimittel ihre Wirksamkeit behalten.
Im Zweifel gilt: Beipackzettel lesen, auf Warnhinweise achten – und Medikamente nie eigenmächtig absetzen, sondern immer Rücksprache mit Arzt oder Apotheker halten.3