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Diagnose als Kleinkind

Tennisstar Alexander Zverev macht Diabetes-Typ-1-Erkrankung öffentlich 

alexander zverev diabetes: Alexander Zverev bei einem Tennis-Match
Alexander Zverev erhielt mit drei Jahren die Diagnose Diabetes Typ 1Foto: Getty Images

Olympiasieger Alexander Zverev hat die Gründung seiner Stiftung „Alexander Zverev Foundation – Aufschlag gegen Diabetes“ bekannt gegeben. In diesem Rahmen machte er zudem seine eigene Diabetes-Erkrankung öffentlich.

Bereist im Alter von drei Jahren erhielt Alexander Zverev die Diagnose Diabetes Typ 1. Öffentlich hatte der Tennisstar die Erkrankung an der Stoffwechselkrankheit nicht gemacht – bis jetzt. In einem Interview verriet er, sich sogar dafür geschämt zu haben. Als gefeierter Olympiasieger möchte Zverev nun anderen Diabetikern, vor allem Kindern, Mut machen und ihnen zeigen, dass sie alles erreichen können – sogar im Leistungssport. FITBOOK erklärt Diabetes Typ 1 und was Diabetiker, die Sport machen möchten, wissen sollten.

Was ist Diabetes Typ 1?

Diabetes Typ 1 (Diabetes mellitus) bedeutet, dass der Körper kein Insulin produzieren kann. Ohne das Insulin kann der Körper die aufgenommene Nahrung nicht verwerten. Das bei gesunden Menschen in der Bauchspeicheldrüse produzierte und ins Blut abgegebene lebenswichtige Hormon sorgt dafür, dass der Zucker, den man durch Essen und Trinken aufnimmt, in die Körperzellen transportiert wird. Dort wird er in Energie für den Körper umgewandelt. Funktioniert dieser Prozess aufgrund fehlenden Insulins nicht, sammelt sich der Zucker im Blut an. Eine hohe Zuckerkonzentration verursachte eine Reihe von Beschwerden. Ist der Blutzuckerspiegel einer Person sehr stark erhöht, kann er Bewusstseinsstörungen bekommen und sogar das Bewusstsein (diabetisches Koma) verlieren. Patienten mit Diabetes Typ 1 müssen sich deshalb täglich Insulin spritzen.

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Folgende Symptome gehen Diabetes einher:

  • starker Durst
  • häufiges Wasserlassen
  • Übelkeit
  • Schwindelgefühl
  • Müdigkeit und Antriebsschwäche

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Diabetes-Erkrankung war Alexander Zverev lange peinlich

Im Interview mit „L’Equipe“ offenbarte Alexander Zverev, dass er seine Diabetes-Erkrankung nicht nur lange geheim gehalten, sondern sogar geleugnet habe. Besonders zu Beginn seiner Karriere mit 17 Jahren habe er nicht gewollt, dass Leute von seiner Krankheit erfuhren. „Am Anfang habe ich mich sogar versteckt, um mir Insulin zu spritzen. Das habe ich auf den Toiletten gemacht. Als ich anfing, Mädchen zu treffen, war es unmöglich, mit ihnen darüber zu sprechen. Es war mir viel zu peinlich, das Thema anzusprechen“, erzählt der Tennisstar.

Den Grund, warum er lange Zeit nicht dazu stehen konnte, Diabetes zu haben, sieht Alexander Zverev in schlechten Erfahrungen, die er als Kind gemacht habe. Unter anderem wurde ihm sogar mal seine Diabetes-Ausrüstung inklusive Insulin gestohlen und beschädigt worden. „Ich bin dieses Kindheitstrauma nie wirklich losgeworden, es ist immer noch im Hinterkopf“, so der heute 25-jährige Spitzensportler.

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Diabetes und Leistungssport – für den Tennisstar gut zu meistern

Heute, mit großen Tennis-Erfolgen im Rücken, ist Zverev bereit, öffentlich über seine Erkrankung zu sprechen. Seine sportlichen Triumphe sind dabei keine Selbstverständlichkeit. Denn hätte Zverev als Kind auf seine Ärzte gehört, wäre er heute sicher kein Tennisstar. Sie hätten ihm damals gesagt, dass er mit Diabetes Typ 1 kein Spitzensportler werden könne.

„Ich glaube, dass ich heute sagen kann, dass sie falsch lagen“, betont Zverev. Er persönlich habe keine Probleme, auf hohem Niveau Sport zu treiben, sein Blutzuckermessgerät habe er stets in seiner Tennistasche mit dabei. Und weil er es geschafft habe, mit Diabetes Höchstleistungen zu erzielen, möchte er mit seiner neu gegründeten Stiftung „Eltern und Kindern auf der ganzen Welt die Botschaft senden, dass es keine Grenzen gibt, außer denen, die man sich selbst auferlegt“.

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Kindern mit Diabetes Mut machen

Auf „Instagram“ schrieb der Tennisstar am Wochenende: „Heute wurde offiziell die Alexander Zverev Stiftung ins Leben gerufen, mit dem Ziel, Kinder mit Typ 1 Diabetes zu unterstützen und Menschen zu helfen, eine Erkrankung mit Diabetes Typ 2 zu vermeiden, indem sie ein gesundes und aktives Leben führen. Unsere Mission ist, bedürftigen Kindern und Kindern in Entwicklungsländern Insulin und lebensrettende Medizin bereitzustellen. Als Person, die selbst Diabetes Typ 1 hat, möchte ich Kinder mit Diabetes ermutigen, ihre Träume niemals aufzugeben, egal, was andere sagen.“

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Diabetes Typ 1 und Sport

Neben Alexander Zverev ist auch Matthias Steiner, Olympiasieger im Gewichtheben, ein Beispiel dafür, dass man als Diabetiker unglaubliche sportliche Leistungen vollbringen kann. Auch die Forschung hat sich mit dem Thema (Leistungs-)Sport und Diabetes auseinandergesetzt. Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass regelmäßige sportliche Aktivitäten wichtig für die Gesundheit, Fitness und Langlebigkeit von Menschen mit Diabetes Typ 1 sind.

Und auch Sport auf Wettkampfniveau sei mit der Erkrankung erfolgreich möglich. Laut einer Studie von 2020 kann der Muskel-, Leber- und Glykogenstoffwechsel bei Sportlern mit Diabetes normal sein, wenn der Blutzuckerspiegel insgesamt gut eingestellt sei. Die sportliche Leistung könne durch Änderungen der Insulindosis und der Ernährung gefördert werden. Allerdings könne die Aufrechterhaltung eines normalen Blutzuckerspiegels während des Trainings, auf Reisen und bei Wettkämpfen eine große Herausforderung für Sportler mit Typ-1-Diabetes darstellen. Jüngste Fortschritte in der Glukoseüberwachung ermöglichen es jedoch mittlerweile, die Insulinverabreichung und die Nährstoffzufuhr im Minutentakt zu verändern, um eine nahezu optimale Blutzuckereinstellung zu erreichen.1

Das sagt ein Experte zum Thema Diabetes und Leistungssport

FITBOOK wollte zudem von einem Experten wissen, inwiefern Diabetes und Leistungssport Hand in Hand gehen können. „Das Vorurteil, dass gesunde Diabetiker nicht leistungsfähig sind, hält sich in der Bevölkerung völlig zu Unrecht“, erklärt Dr. Matthias Riedl, Diabetologe und Ernährungsmediziner. „Es ist aufwendiger durch Butzuckermessungen, Kontrolle des Essens,  Planung der Insulindosisanpassungen. Das ist aber alles machbar.“ 

Dr. Riedl betont, dass Leistungssportler eine „gute Sporternährungsbetreuung und einen guten Diabetologen“ bräuchten. Das „solle Idealerweise in einer Hand“ liegen. Wer so betreut werde, habe keine Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit und könne im Gegenteil sogar Höchstleistungen vollbringen. Dafür muss „der Sportler genau Bescheid wissen, wie Insulin und Essen je nach Trainingsphase zusammen wirken. Wichtig ist eine erhöhten Blutzuckerdosierung vor dem Wettkampf, um Unterzuckerungen zu vermeiden“, so der Diabetologe.

Doch wie steht ein Diabetiker lange Sporteinheiten – oder im Fall von Alexander Zverev lange Tennis-Matches – durch? „Während des Matches  wird kein Insulin gespritzt. Es kann sein, dass kleine Kohlenhydratmenge, auch als Getränk, genommen werden müssen, um einen Blutzuckerabfall zu vermeiden“, erläutert Dr. Riedl.

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Worauf sollten Diabetiker beim Sport achten?

Auch Diabetiker, die nicht in einer Sportart Karriere machen wollen, können von regelmäßigem Training profitieren. Sport kann Diabetikern mit Typ 1 helfen, Insulin einzusparen. Allerdings sollten Betroffene, die Sport treiben wollen, ihren Blutzuckerspiegel besonders gut überwachen. Der Grund: körperliche Aktivitäten können das Risiko für Unterzuckerung erhöhen. Beim Spritzen der Insulindosis, die sich an der Menge der aufgenommenen Kohlenhydrate orientiert, müssen sportliche Diabetiker ihr Training deshalb unbedingt berücksichtigen.

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Durch Sport leeren sich die Zuckerspeicher in Muskeln und Leber und die muss der Körper nach dem Sport wieder auffüllen. Wichtig zu wissen: Noch bis zu 14 Stunden nach dem Training kann der Blutzuckerspiegel aufgrund des Wiederauffüllens der geleerten Speicher absinken und zu einer gefährlichen Unterzuckerung führen. Gleichzeitig verstärkt die Arbeit der Muskeln die Wirkung des Insulins, was bedeutet, dass der Insulinbedarf sinkt. Auch dies muss bei der vor dem Training gespritzten Insulindosis beachtet werden, um eine Unterzuckerung zu vermeiden.

Tipps

  • Vor dem Sport den Blutzucker messen – er sollte zwischen 100 mg/dl (5,6 mmol/l) und 250 mg/dl (< 17 mmol/l) liegen
  • Bei normalem Blutzucker eventuell die Insulindosis reduzieren und schnell ins Blut gehende Kohlenhydrate zu sich nehmen
  • Während des Sports längere Trainingspausen einlegen, um den Blutzucker zu messen
  • Immer ein Stück Traubenzucker beim Sport dabeihaben und konsumieren, sobald Anzeichen von Unterzuckerung auftreten
  • Nach dem Training mehrfach, d. h. über einige Stunden hinweg, den Blutzucker messen
  • Es kann sinnvoll sein, am Abend langsam ins Blut gehende Lebensmittel zu essen, um einer nächtlichen Unterzuckerung entgegenzuwirken
  • Wer sein Training ändert oder eine längere Sportpause eingelegt hat, sollte vor dem Wiederaufnehmen des Trainings ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt führen
  • Mögliche Trainingspartner sollten über die Diabeteserkrankung und Maßnahmen für den Fall einer Unterzuckerung informiert werden

Quellen

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