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Selbstversuch

FITBOOK-Autor fastet 24 Stunden: »Fahler Geschmack, keine klaren Gedanken

Flavio Treppner blickt in den leeren Kühlschrank
Gähnende Leere im Kühlschrank – und im Magen von FITBOOK-Autor Flavio Treppner Foto: FITBOOK/Flavio Treppner

Dem (temporären) Nahrungsverzicht, wie etwa beim Intervallfasten, werden unterschiedliche positive Wirkungen auf die Gesundheit zugeschrieben. Doch wie fühlt es sich eigentlich genau an, wenn man einen Tag lang kein festes Essen zu sich nimmt? FITBOOK-Autor Flavio Treppner wollte es wissen.

Fasten – schon bei diesem Wort stellen sich mir die Nackenhaare auf. Warum sollte man freiwillig auf sämtliche Mahlzeiten am Tag verzichten? Das Fasten soll den Körper reinigen und sogar stärken. Um herauszufinden, ob ich mich durch das gezielte Hungern (bzw. Fasten) wirklich besser fühle, stelle ich für 24 Stunden meine Nahrungsaufnahme ein. Lediglich Wasser trinken ist erlaubt.

In den vergangenen Jahren ist ein regelrechter Trend um den Verzicht entstanden. Die kurzzeitige Nahrungsabstinenz soll nicht nur den Körper reinigen, sondern auch das Immunsystem stärken. Das Fasten befreit sogar den Geist von Ballast. Mein Ziel: Ich möchte herausfinden, wie es sich tatsächlich anfühlt und ob sich die Vorteile des Fastens bestätigen oder alles nur heiße Luft ist.

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9 Uhr: Mein Fasten-Tag beginnt

Mein Wecker klingelt um 7 Uhr. Schnell schlinge ich meine letzte kleine Mahlzeit in Form eines Spiegeleis herunter, trinke meinen letzten Kaffee für heute und setze mich zum Arbeiten an den Laptop. Punkt 9 Uhr beginnt mein Arbeitstag und bei dem Gedanken daran, dass ich erst wieder am nächsten Morgen essen kann, kommt mir der Tag jetzt schon unendlich lang vor.

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11 Uhr: Mir ist kalt

Nach drei Stunden merke ich, wie meine Hände und Füße auskühlen. Ich ziehe mir ein zweites Paar Socken an. Nach zehn Minuten sind die Füße wieder warm, aber die Hände immer noch kalt und dazu auch noch schwitzig. Langsam beginnt sich eine gefühlte Leere in meinem Magen auszubreiten und mittlerweile gehe ich das dritte Mal auf Toilette, um Wasser zu lassen.

15 Uhr: Mein Magen meldet sich

Sechs Stunden fasten sind vorbei. Noch fühle ich mich gut. Der Magen ist zwar leer, aber Hunger verspüre ich nicht. Ein fahler Geschmack macht sich in meinem Mund breit, sodass ich dauernd mit schmatzendem Zungenschnalzen vor dem Bildschirm meines Laptops sitze.

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17 Uhr: Ich werde unruhig

Meine Gedanken drehen sich im Augenblick nur ums Essen. Der Kühlschrank ist, in weiser Voraussicht, leer. Nach acht Stunden ohne jegliche Nahrung knurrt mein Magen alle paar Minuten. Während ich mein Protokoll schreibe, sinkt meine Konzentration stetig. Ich verschreibe mich dauernd und wippe die ganze Zeit mit den Beinen auf und ab.

Der Toilettengang ist eine Art Sport geworden. Mein Körper kann das Wasser, getrunken habe ich zwei Liter, kaum halten. So schnell wie es oben reinkommt, kommt es auch wieder raus. Trotz der Flüssigkeit ist mein Mund staubtrocken.

21 Uhr: 12 von 24 Stunden Fasten sind geschafft

Der halbe Tag ist um. Und mir wird klar, warum es Leute gibt, die beim Fasten geistigen Ballast loswerden: Klare Gedanken zu fassen, fällt mir immer schwerer. Mein Stoffwechsel fährt runter. Die Müdigkeit überwiegt momentan alles. Ich liege im Bett unter meiner warmen Decke. An Einschlafen ist jedoch nicht zu denken.

23 Uhr: Einschlafen wird zur Qual

Ich liege im Bett und komme nicht richtig zur Ruhe. Der Magen knurrt. Der Hunger hält mich wach. Nach 14 Stunden ohne feste Nahrung bekomme ich Kopfschmerzen. Ich bin erschöpft.

9 Uhr: Nächster Morgen

Ich habe von Essen geträumt und wache mit knurrendem Magen auf. Es ist 9 Uhr und die 24 Stunden fasten sind vorbei. Wie in Trance laufe ich wackligen Beinen zum Supermarkt und hole mir Frühstück. Bratkartoffeln und Eier. Ich merke wie die geistige Leitung immer weiter abnimmt. Kurz nach dem Einkauf weiß ich schon nicht mehr, wie viel ich bezahlt habe und an welcher Kasse ich eigentlich war. Egal! Schnell nach Hause und essen.

Ich zelebriere das Braten regelrecht und werde enttäuscht. Ich kriege kaum was runter. Nach ein paar Bissen wird mir schon übel. Mein Magen ist durch das Fasten überfordert.

24 Stunden fasten – Fazit

Einmal fasten und nie wieder! Die größte Überwindung beim Fasten war für mich, gegen seinen eigenen Körper zu arbeiten. Mir war andauernd kalt, ich hatte Kopfschmerzen und Schwindel. Die Nacht war kurz und ermüdend. Von einer Befreiung von geistigem Ballast oder sogar dem Gefühl der innerlichen Reinigung kann keine Rede sein. Ich bin erschöpfter als vor dem Fasten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Fasten wirklich gesundheitliche Vorteile hat. Wie man mehrere Tage hungern kann, bleibt mir ein Rätsel.

Jedoch nehme ich auch Positives aus dem Selbstversuch mit: Ich kenne jetzt den Unterschied zwischen Appetit und Hunger.

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