11. Juni 2026, 20:10 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten
Weißer Hautkrebs ist deutlich häufiger als schwarzer Hautkrebs, gilt aber in vielen Fällen als weniger aggressiv. Anders als ein Melanom bildet er meist nur selten Metastasen und lässt sich – bei früher Diagnose – oft vollständig entfernen. Gefährlich wird er vor allem dann, wenn er lange unentdeckt bleibt und tief in das umliegende Gewebe hineinwächst.
Muss ich Angst haben vor weißem Hautkrebs?
Wird weißer Hautkrebs früh erkannt und vollständig entfernt, sind die Heilungschancen sehr gut. Ganz harmlos ist weißer Hautkrebs deshalb aber nicht. Denn auch wenn Basaliome und Plattenepithelkarzinome (die beiden Formen von Hautkrebs, die sich aus unterschiedlichen Hautzellen entwickeln) meist nicht in andere Organe streuen, wachsen sie kontinuierlich weiter – sowohl zur Seite als auch in die Tiefe der Haut. Bleiben sie lange unentdeckt, kann das dazu führen, dass bei einer Operation deutlich mehr Gewebe entfernt werden muss.
Besonders tückisch: Nicht jede Form ist leicht zu erkennen. Während Basaliome häufig etwas auffälliger erscheinen, können Plattenepithelkarzinome wie schuppige Hautstellen aussehen und deshalb zunächst übersehen werden. Dr. Rainer Lipp, Onkologe und der Geschäftsführer der Stiftung Deutsche Onkologie, rät deshalb, hartnäckige Hautveränderungen, die nicht abheilen, bluten oder sich nicht wegkratzen lassen, dermatologisch abklären zu lassen.
Obwohl schwarzer Hautkrebs als die aggressivere Hautkrebsform gilt, sterben aufgrund der deutlich höheren Erkrankungszahlen insgesamt mehr Menschen an weißem Hautkrebs als an schwarzem Hautkrebs (Melanom).
Entscheidend ist deshalb vor allem die frühe Diagnose. Die wichtigste Botschaft lautet daher: Nicht in Panik geraten, aber verdächtige Hautveränderungen auch nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wer Veränderungen früh untersuchen lässt und regelmäßige Hautkrebsvorsorge wahrnimmt, hat laut dem Experten sehr gute Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung.
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Woran erkenne ich, dass ich weißen Hautkrebs habe?
Weißer Hautkrebs macht sich oft nicht durch einen auffälligen dunklen Fleck bemerkbar. Viel häufiger zeigt er sich als Hautveränderung, die über Wochen oder Monate bestehen bleibt und langsam wächst. Nach Angaben von Onkologe Dr. Rainer Lipp können sowohl Basaliome als auch Plattenepithelkarzinome „stetig wachsen“ – mitunter sehr langsam. Beide Formen breiten sich lokal aus, also zur Seite und auch in die Tiefe der Haut.
Plattenepithelkarzinome fangen an zu bluten, wenn man versucht, sie wegzukratzen
Je nach Krebsart kann das Erscheinungsbild unterschiedlich sein. Plattenepithelkarzinome zeigen sich häufig als „gelbliche, schuppige Veränderung in der Haut“, erklärt Lipp. Ein wichtiges Warnsignal: Die Stelle lässt sich nicht einfach wegkratzen. „Plattenepithelkarzinome lassen sich nicht mit dem Finger wegkratzen und fangen an zu bluten, wenn man es versucht“, so der Onkologe. Teilweise können sich auch sogenannte Rosetten um die betroffene Stelle bilden.
Basaliome sind etwas dunkler (nicht schwarz), oder auch gelblich-gräulich
Basaliome sind oft etwas leichter zu erkennen. Laut Lipp erscheinen sie häufig „etwas dunkler (nicht schwarz!), auch gelblich-gräulich“. Dennoch werden auch sie nicht immer sofort als Hautkrebs wahrgenommen.
Weißer Hautkrebs wächst oft lange Zeit unbemerkt
Entscheidend ist dabei nicht, ob eine Stelle schmerzt. Weißer Hautkrebs wächst oft lange Zeit nahezu unbemerkt. Gerade deshalb gilt: Eine hartnäckige Hautveränderung, die einfach nicht verschwinden will, sollte immer ärztlich untersucht werden.
Was soll ich tun, wenn ich eine Hautveränderung entdeckt habe?
Weißer Hautkrebs tritt häufig an Körperstellen auf, die über viele Jahre besonders viel Sonne abbekommen. „Nicht ewig mit der Kontrolle warten“, rät Lipp deshalb bei verdächtigen Veränderungen an Lippe, Nase, Hals oder anderen Bereichen des Gesichts. Dort dominieren Basaliom und Plattenepithelkarzinom.
Wenn Sie eine Hautveränderung entdecken, die
- über längere Zeit bestehen bleibt,
- schuppig wird,
- blutet oder
- langsam größer wird,
sollten Sie diese dermatologisch abklären. Experten raten ausdrücklich davon ab, verdächtige Stellen über Monate oder gar Jahre zu beobachten und auf eine spontane Besserung zu hoffen. Lipp: „Warten Sie nicht ewig mit der Kontrolle, wenn verdächtige Hautveränderungen auftreten.“
Wird tatsächlich weißer Hautkrebs diagnostiziert, besteht die Standardbehandlung in einer Operation (Ablauf einer solchen Operation siehe unten).
Wer ist besonders gefährdet?
Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 70 Jahren. Dies liegt daran, dass der größte Treiber des weißen Hautkrebses die regelmäßige Sonneneinstrahlung über die Dauer eines ganzen Lebens ist. Bei schädigendem Sonnenbrand setzen die Zellen in der Haut Reparaturmechanismen in Gang. Bei diesem Prozess kann am Ende Krebs entstehen.
Wer familiär vorbelastet ist oder viele Jahre intensiver UV-Strahlung ausgesetzt war, sollte mit seinem Dermatologen besprechen, ob frühere oder häufigere Kontrollen sinnvoll sind.
Immer mehr junge Menschen betroffen
Laut dem Onkologen Rainer Lipp erhalten heute aber auch immer mehr jüngere Menschen die Diagnose weißer Hautkrebs. Vorangetrieben wurden die Zahlen aus Sicht des Experten in der Vergangenheit durch zwei Faktoren: den Solarium-Trend und Sonnencremes mit viel zu niedrigem Lichtschutzfaktor bzw. fehlendem Bewusstsein für die Gefahr.
Glücklicherweise sind beide Trends inzwischen stark rückläufig. Der „Toaster“ hat sich langsam erledigt – die Nutzung von Solarien ist seit der Jahrtausendwende um gut 85 Prozent gesunken, von im Mittel elf auf 1,6 Prozent im Jahr 2015 – und unter einem 30er oder 50er-Sonnenschutz macht es, ganz anders als in den 1970er, 80er und 90er-Jahren, heute auch kaum noch jemand.1 Man denke nur an die Idee, Kokosöl zum Bräunen aufzutragen (bietet null Sonnenschutz) oder Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor zwei, vier oder acht aufzutragen. Trotzdem haben wir es jetzt noch mit den Auswirkungen dieser Trends zu tun. Lipp vermutet sogar, dass wir den Höhepunkt der Zahl der Neuerkrankungen an Basaliomen und Plattenepithelkarzinomen „noch nicht ganz erreicht“ haben.
Zahl der Neuerkrankungen: Aus den USA gibt es – anders als in Deutschland – belastbare Zahlen über die Anzahl der Neuerkrankungen innerhalb eines Jahres. Dort erkranken demnach durchschnittlich 200 je 100.000 Einwohner an weißem Hautkrebs. Zum Vergleich: An schwarzem Hautkrebs erkranken 20 pro 100.000 Einwohner.2 Für Deutschland gibt es solche Zahlen nicht, „weil wir kein umfassend abbildendes Tumorregister haben, in dem alle Fälle erfasst werden“, erklärt der Onkologe. Lipp schätzt die Zahl der Neuerkrankungen in Deutschland „etwas niedriger als in den USA“ ein. Aus dem simplen Grund, dass wir weniger Sonnenstunden haben. Deutschland hat 1.716 Sonnenstunden pro Jahr, die USA haben 2628.3
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Basaliom oder Plattenepithelkarzinom: Was ist der Unterschied?
Gemeinsam haben beide Hautkrebsarten, dass sie stetig wachsen und lokal wachsen (zur Seite und auch in die Haut hinein). Das Basaliom geht von den Basalzellen aus, einer besonderen Zellschicht in der Haut. Das Plattenepithelkarzinom geht von den sogenannten Spindelzellen aus. Auch sie befinden sich in der Haut.
Basaliom: 80 Prozent der Fälle, etwas dunkler (nicht schwarz!), auch gelblich-gräulich, und damit besser zu erkennen, sehr selten Metastasen
Plattenepithelkarzinom: 20 Prozent der Fälle, oft unscheinbarer, führen zu einer gelblichen, schuppigen Veränderung in der Haut, etwas aggressiver, lässt sich nicht mit dem Finger wegkratzen und fängt an zu bluten, wenn man es versucht, manchmal bilden sich auch Rosetten drumherum.
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Warum ist eine frühe Diagnose so wichtig?
„Weißer Hautkrebs streut generell selten in andere Gewebe und ist lokal anzugehen“, erklärt Lipp. Was es jedoch schwer mache, ihr Ausmaß zu entdecken, sei die Tatsache, dass die Karzinome nicht nur zur Seite wachsen können, sondern auch in die Haut hinein. Ist das lokale Wachstum stark fortgeschritten, muss sehr tief operiert, mit anderen Worten: viel herausgeschnitten werden.
Welche Rolle spielen Vorstufen?
Das Plattenepithelkarzinom kann sich aus noch gutartigen Vorstufen, sogenannten aktinischen Keratosen, entwickeln. Bei den aktinischen Keratosen handelt es sich laut dem Experten um sogenannte Carcinoma in situ (CIS) der Epidermis, auch als „Krebs in der Frühform“ oder „Stadium 0“ bezeichnet. Carcinoma in situ entstehen ebenfalls durch eine kumulative UV-Einstrahlung. Lipp: „Eine genaue prognostische Einschätzung, wann sich eine aktinische Keratose in ein Plattenepithelkarzinom entwickelt, kann aber wegen nicht ausreichender Studiendaten nicht gegeben werden.“ Trotzdem werde die aktinische Keratose als sichere Vorstufe eines Plattenepithelkarzinoms eingestuft, sodass in Klassifikationen aktinische Keratosen auch als in-situ-Plattenepithelkarzinome in unterschiedliche Stadien eingeteilt werden.
OP-Ablauf und Grund für Rückfälle
Wird weißer Hautkrebs rechtzeitig erkannt und vollständig entfernt, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass er innerhalb von fünf Jahren zurückkehrt, bei unter drei Prozent. Nach Angaben von Onkologe Dr. Rainer Lipp kommt es in 97 Prozent der Fälle innerhalb dieses Zeitraums nicht zu einem Rückfall – „vorausgesetzt, die OP ist gut gemacht und es wurde wirklich alles herausgeschnitten“, ergänzt der Onkologe.
Um wirklich alles zu „erwischen“, müssen die Operateure einen ausreichenden Resektionsrand einplanen, erklärt Lipp. Das bedeutet, dass etwas mehr als der erkrankte Bereich herausgeschnitten wird – eine Art Sicherheitsabstand. Laut Lipp werde das aber häufig nicht gemacht – dies sei der Grund für Rückfälle.
Deshalb rät der Onkologe Betroffenen, solche Operationen in einem Dermazentrum machen zu lassen. Die gibt es in jeder großen Stadt. Die Ärzte dort arbeiten inzwischen mit OP-Verfahren, die die Ausdehnung auch in die Haut hinein gut darstellen können. Diese Möglichkeit habe nicht jeder Dermatologe, weiß Lipp.
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Neue Behandlungsmöglichkeiten
Laut Lipp bestätigen neue Studiendaten zur unterstützenden (adjuvanten) Therapie bei Patienten mit operierten Plattenepithelkarzinomen und hohem Risiko auf Wiederauftreten (Rezidiv), dass nach einer umfassenden Operation eine Therapie mit einer Immuntherapie (Immun-Checkpoint-Inhibitor) über maximal 48 Wochen die Wahrscheinlichkeit für ein Wiederauftreten innerhalb von zwei Jahren um mehr als 20 Prozent gegenüber keiner unterstützenden Therapie sinkt.4 Lipp: „Diese Therapie dürfte somit höchstwahrscheinlich zum neuen Standard bei Patienten mit hohem Risiko eines Wiederauftretens werden.“ Allerdings fehlt derzeit noch die Zulassung – der Onkologe rechnet damit aber „in den nächsten Monaten“.
So schützen Sie sich
„Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, nicht von morgens bis abends in der Sonne brutzeln und Sonnenbrände vermeiden“, sagt Lipp. Das verhindere die Entstehung von weißem Hautkrebs am besten. „Dass man mit einem 50er-Lichtschutzfaktor nicht braun wird, ist leider noch ein sehr verbreitetes Märchen.“ Dabei bedeutet es nur, dass man fünfzigmal besser vor der Sonneneinwirkung geschützt ist, als ohne.
Nutzen Sie das Vorsorgeangebot! Ab dem 35. Lebensjahr übernimmt die Kasse alle zwei Jahre eine Hautkrebsvorsorge. Wenn in Ihrer Familie schon jemand Hautkrebs hatte, kann man einen Schritt weitergehen und noch früher zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt.