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Ein Geschlecht ist besonders betroffen

Was zu langes Fernsehen für das Gehirn bedeutet

Was bewirkt langes Fernsehen im Gehirn? Die Studie zeigt Unterschiede zwischen Frauen und Männern und ihre Folgen.
Was bewirkt langes Fernsehen im Gehirn? Die Studie zeigt Unterschiede zwischen Frauen und Männern und ihre Folgen. Foto: Getty Images
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Friederike Ostermeyer
Freie Autorin

27. Juli 2026, 20:02 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Regelmäßiges und langes Fernsehen verändert bestimmte Gehirnstrukturen. Interessanterweise wirkt sich TV-Konsum bei Frauen und Männern unterschiedlich aus. FITBOOK erklärt die Hintergründe der aktuellen Studie und welches Schicksal Serienmarathon-Fans möglicherweise droht.

Zu viel und zu lange Fernsehen hatte noch nie einen guten Ruf. Eine aktuelle Studie der University of Southern California bringt nun das wahre Ausmaß der Schädlichkeit zutage. Ständiges Fernsehen begünstigt offenbar besorgniserregende Veränderungen im Gehirn. Das liegt nicht allein am Sitzen, wie es in der aktuellen Fachzeitschrift „Alzheimer’s and Dementia: Journal of the Alzheimer’s Association“ veröffentlichten Studie heißt.1 Männer sollten jetzt besonders aufmerksam weiterlesen, denn ihr Gehirn scheint durch zu langes Fernsehen besonders gefährdet.

Es kommt darauf an, was wir beim Sitzen tun

Bewegungsmangel erhöht das Risiko für zahlreiche gesundheitliche Probleme, darunter kognitiver Abbau bis hin zu Demenz. Doch ist jede Form des Sitzens gleich problematisch? Macht es einen Unterschied, ob wir am Schreibtisch komplexe Probleme analysieren oder uns vom Bildschirm berieseln lassen? Genau dieser Frage wollten Prof. David Raichlen und sein Team mit ihrer Untersuchung nachgehen. „Jahrelang haben wir uns darauf konzentriert, wie viel Zeit die Menschen im Sitzen verbringen“, betont der Wissenschaftler in einer Universitätsmitteilung.2 Womöglich ist das wie wesentlich entscheidender. Sie vermuteten daher, dass es zu kurz greifen könnte, einfach nur die Gesamtzahl der Sitzstunden zu betrachten.

So wurde untersucht

Die Forscher analysierten Daten von 1712 Frauen und Männern im Durchschnittsalter von 53 Jahren. Alle Teilnehmer nahmen an der Atherosclerosis Risk in Communities (ARIC)-Langzeitstudie teil, die die Herz-Kreislauf- und Hirngesundheit von US-Bürgern untersucht. Bereits Ende der 1980er-Jahre wurden die Probanden gefragt, wie häufig sie in ihrer Freizeit fernsehen und wie viel Zeit sie während ihres Arbeitstags im Sitzen verbringen. Die Skala reichte von „nie/selten“ bis „sehr oft“. Zwischen 2011 und 2013, also rund 22 Jahre später, wurden die Gehirne der noch lebenden Teilnehmer (nun zwischen 67 und 90 Jahre alt) mittels MRT untersucht. Personen mit einer bereits diagnostizierten Demenz wurden aus der Analyse ausgeschlossen.

Viel Fernsehen, weniger Hirnvolumen?

Es zeigte sich, dass Probanden, die angaben, viel fernzusehen, im Vergleich zu den Wenigsehern eine andere Hirnstruktur hatten. Bei ihnen wiesen vor allem jene Hirnregionen ein geringeres Volumen auf, die mit den frühen Anzeichen der Alzheimer-Krankheit in Verbindung stehen. Außerdem zeigten sie Veränderungen der weißen Hirnsubstanz, die unter anderem mit einem erhöhten Risiko für kognitiven Abbau in Verbindung gebracht werden. Dahinter steckt vermutlich die Gefäßgesundheit: Die Scans deuten darauf hin, dass passives Sitzen primär auf die Gesundheit der feinen Blutgefäße im Gehirn schlägt. Das kann langfristig die Nährstoffversorgung wichtiger Areale wie dem Thalamus gefährden – einer zentralen Schaltstelle im Kopf. Diese Unterschiede blieben auch dann bestehen, als die Forscher Faktoren wie körperliche Aktivität, Diabetes, Body-Mass-Index, Rauchen und Alkoholkonsum berücksichtigten. Übrigens: Täglich mehrere Stunden am Schreibtisch zu sitzen und zu arbeiten, zeigte nicht dieselben Zusammenhänge. Im Gegenteil: Die Gehirne dieser Personen weisen einen ausgeprägteren Frontallappen auf.

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Männer schienen besonders anfällig für diese Veränderungen zu sein. Als die MRT-Scans nach Geschlecht aufgeschlüsselt wurden, stellten die Forscher fest, dass ihre Gehirne besonders anfällig für langes Fernsehen sind. Eine Erklärung dafür haben sie nicht. Mögliche Gründe könnten hormonelle Unterschiede, zwischendurch Aufstehen, Nebentätigkeiten wie Stricken oder schlicht eine andere Widerstandsfähigkeit gegenüber bestimmten Alterungsprozessen sein. Die Forscher vermuten zudem, dass Frauen in der Studie deshalb weniger betroffen waren, weil sie ihr Sitzen öfter unterbrechen – etwa um kurz etwas im Haushalt zu erledigen. Dieses ‚intermittierende‘ (unterbrochene) Sitzen scheint das Gehirn besser zu schützen als stundenlanges, ununterbrochenes Verharren.

Ist passives Sitzen die ungesündeste Form des Sitzens?

Sitzen ohne große geistige Beteiligung, wie langes Fernsehen, ist fatal für die (Gehirn)Gesundheit. Auch wenn ein Großteil der Studie auf nicht immer genauen Selbstauskünften basiert, vermuten Prof. David Raichlen und sein Team, dass es einen Zusammenhang zwischen Binge-Watching und einem erhöhten Demenzrisiko gibt. Doch ist das Thema für einfache Schlussfolgerungen zu komplex. Daher müsse nun dringend erforscht werden, ob Fernsehen selbst das Gehirn direkt schädigt oder ob andere Faktoren eine Rolle spielen. Bewegung ist und bleibt wichtig, wenn es um die Minimierung des Risikos für kognitive Erkrankungen geht. Es scheint jedoch einen Unterschied zu machen, ob man auf dem Sofa lümmelt, Kreuzworträtsel löst oder sich von einer Reality-Soap berieseln lässt.

Was bedeutet das für uns? Es kommt nicht nur darauf an, dass wir sitzen, sondern auch darauf, was wir dabei tun. Wer am Schreibtisch knobelt oder liest, hält sein Gehirn auf Trab. Wer sich nur passiv berieseln lässt, riskiert langfristig Gehirnsubstanz – und das leider unabhängig davon, ob man abends noch eine Runde joggen geht.

Quellen

  1. Feter, N,. Nanda, A., Hourihan, S., et al. (2026) Associations of distinct sedentary behaviors with cortical, subcortical, and white matter hyperintensity volumes: Evidence from the ARIC study. Alzheimer's and Dementia: Journal of the Alzheimer's Association ↩︎
  2. University of Southern California. Heavy TV watching associated with smaller brain structures, study finds (aufgerufen am 27. Juli 2026) ↩︎

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