13. Juli 2026, 13:47 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Die Pille oder Hormonspirale gehören für viele Frauen selbstverständlich zum Alltag. Doch unterscheiden sich die einzelnen Präparate möglicherweise stärker als bisher gedacht, wenn es um das mit ihnen verbundene Gesundheitsrisiko geht? Eine große dänische Studie deutet darauf hin, dass einige gestagenhaltige Verhütungsmittel mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Gehirntumore verbunden sein könnten. Die gute Nachricht: Das Erkrankungsrisiko bleibt insgesamt gering und der beobachtete Zusammenhang verschwand bei den meisten Präparaten nach dem Absetzen wieder.
Zusammenhang zwischen Verhütung und Meningeomen
Meningeome sind die häufigsten Tumoren innerhalb des Schädels bei Erwachsenen. Sie sind überwiegend gutartig, können aber Beschwerden verursachen und eine Operation oder Bestrahlung notwendig machen. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.1 Da viele dieser Tumoren Andockstellen für das Hormon Progesteron besitzen, vermuten Wissenschaftler seit Langem, dass weibliche Geschlechtshormone bei ihrer Entstehung eine Rolle spielen könnten.
Bereits bekannt war, dass einige hochdosierte Gestagene (Gruppe weiblicher Sexualhormone) das Risiko für Meningeome erhöhen können. Ob dies auch für Gestagene gilt, die in hormonellen Verhütungsmitteln enthalten sind, war bisher jedoch nicht ausreichend untersucht. Genau dieser Frage gingen die Autoren der Studie nach.
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Studiendesign und Methoden
Für die Studie werteten die Wissenschaftler die Gesundheitsdaten von 3.078.410 Frauen im Alter zwischen 15 und 59 Jahren aus, die zwischen dem 1. Januar 2000 und dem 31. Dezember 2024 in Dänemark lebten. Der Untersuchungszeitraum umfasste somit 25 Jahre.2
Insgesamt wurden 1473 Frauen berücksichtigt, bei denen erstmals ein Meningeom diagnostiziert worden war. Ihnen stellten die Forscher jeweils zehn vergleichbare Frauen ohne Meningeom gegenüber, insgesamt also 14717 Kontrollpersonen. Frauen mit bekannten Einflussfaktoren wie einer Hormonersatztherapie oder bestimmten Vorerkrankungen wurden ausgeschlossen.
Anhand von Verschreibungs- und Behandlungsdaten erfassten die Autoren, welche hormonellen Verhütungsmittel verwendet wurden.
Verglichen wurden:
- kombinierte Antibabypillen
- reine Gestagen-Pillen
- Hormonspiralen mit hoher oder niedriger Levonorgestrel-Dosis
- Medroxyprogesteron-Injektionen
Zusätzlich berücksichtigten die Wissenschaftler, wie lange die Präparate angewendet worden waren und wie viel Zeit seit der letzten Anwendung vergangen war.
Besonderes Risiko bei Verhütung via Injektion ermittelt
Am deutlichsten fiel der Zusammenhang bei Medroxyprogesteron-Injektionen aus. Frauen, die diese Verhütungsmethode nutzten, hatten in dieser Studie ein mehr als vierfach erhöhtes Risiko für ein Meningeom als Frauen ohne hormonelle Verhütung. Bei Frauen, die die Injektionen aktuell anwendeten, war das Risiko sogar fast zehnmal so hoch. Aber: Trotz dieses deutlichen relativen Unterschieds bleibt das Erkrankungsrisiko insgesamt selten.
Auch bei mehreren Antibabypillen beobachteten die Autoren ein erhöhtes Risiko. Betroffen waren Präparate mit den Gestagenen Cyproteron, Desogestrel, Drospirenon, Gestoden und Levonorgestrel. Für Präparate mit Norethisteron oder Norgestimat ergaben die Daten dagegen keinen eindeutigen Hinweis auf ein erhöhtes Risiko. Das lag womöglich daran, dass den Forschern hier nur geringe Fallzahlen vorlagen. Bei den reinen Gestagen-Pillen zeigte sich ein Zusammenhang nur für Desogestrel, nicht jedoch für Norethisteron.
Auch Hormonspiralen mit einer hohen Dosis Levonorgestrel waren mit einem erhöhten Risiko verbunden. Dieser Zusammenhang zeigte sich allerdings erst nach einer Anwendungsdauer von mehr als einem Jahr. Für niedrig dosierte Hormonspiralen fanden die Autoren keinen eindeutigen Hinweis auf ein erhöhtes Risiko.
Auffällig war außerdem, dass das Risiko vor allem während der aktuellen Anwendung oder im ersten Jahr nach der Anwendung erhöht war. Etwa fünf Jahre nach dem Absetzen ließ sich bei den meisten untersuchten Präparaten kein erhöhtes Risiko mehr nachweisen. Nur bei Desogestrel in der Kombinationspille war das erhöhte Risiko auch fünf Jahre nach dem Absetzen weiterhin nachweisbar. Zusätzliche Auswertungen bestätigten dieses Ergebnis.
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Keine Panik: Absolutes Erkrankungsrisiko bleibt niedrig
Die Studie legt nahe, dass das Risiko für Meningeome möglicherweise nicht nur auf einige wenige hoch dosierte Gestagene beschränkt ist. Auch mehrere Gestagene, die in hormonellen Verhütungsmitteln enthalten sind, könnten mit einem erhöhten Risiko verbunden sein. Nach Einschätzung der Autoren sind diese Erkenntnisse sowohl für Frauen als auch für verschreibende Ärzte wichtig.
Gleichzeitig zeigen die Daten, dass das absolute Erkrankungsrisiko insgesamt niedrig bleibt. Auch wenn das Risiko im Vergleich zu Frauen ohne hormonelle Verhütung erhöht war, trat ein Meningeom insgesamt nur selten auf. Besonders bei jüngeren Frauen war die Wahrscheinlichkeit, dass es durch die Anwendung zu einem zusätzlichen Erkrankungsfall kommt, sehr gering. Eine Ausnahme bildeten lediglich Medroxyprogesteron-Injektionen, bei denen der Zusammenhang deutlich stärker ausfiel.
Bemerkenswert ist außerdem, dass das erhöhte Risiko vor allem während der aktuellen oder kurz zurückliegenden Anwendung bestand. Nach dem Absetzen verschwand der Zusammenhang bei den meisten Präparaten innerhalb von fünf Jahren wieder. Die Autoren betonen jedoch ausdrücklich, dass Frauen ihre hormonelle Verhütung nicht eigenständig absetzen sollten. Vielmehr sollten Nutzen und mögliche Risiken gemeinsam mit dem behandelnden Arzt abgewogen werden.
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Einordnung der Studie und mögliche Einschränkungen
Ein großer Vorteil der Studie ist ihr Umfang. Sie basiert auf den Gesundheitsdaten von rund drei Millionen Frauen und umfasst einen Zeitraum von 25 Jahren. Mehrere zusätzliche Auswertungen kamen zu vergleichbaren Ergebnissen und stärken damit die Aussagekraft der Studie.
Dennoch handelt es sich um eine Beobachtungsstudie. Sie kann zeigen, dass zwischen bestimmten Verhütungsmitteln und Meningeomen ein Zusammenhang besteht, sie kann aber nicht beweisen, dass die Präparate die Tumoren tatsächlich verursacht haben. Außerdem konnten einige selten verwendete Gestagene wegen zu geringer Fallzahlen nicht zuverlässig bewertet werden.