Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für Fitness, Gesundheit und Ernährung
Krebs Krebserkrankung Alle Themen
Studie

2 Mikronährstoffe mit erstaunlicher Wirkung bei aggressivem Gehirntumor

Glioblastom
Weniger Tumoraktivität durch Resveratrol-Kupfer-Therapie? Eine Studie mit Glioblastom-Patienten liefert erste Hinweise. Foto: Getty Images / dani3315
Artikel teilen
Anna Echtermeyer
Redakteurin

18. Dezember 2025, 14:36 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Glioblastome sind äußerst aggressiv und lassen bislang keine realen Chancen auf Heilung zu. Eine kleine klinische Untersuchung zeigt nun Erstaunliches: Bereits eine kurze orale Gabe einer Kombination aus Resveratrol und Kupfer könnte die Tumoraggressivität deutlich abschwächen. Eine Empfehlung, gängige Supplements zu nehmen, ist das jedoch keinesfalls.

Patienten mit Glioblastom erhielten Resveratrol und Kupfer vor OP

Forscher gaben Patienten mit Glioblastom rund zwei Wochen vor der Operation viermal täglich eine Tablette mit Resveratrol und Kupfer. Nach der Entnahme von Tumorgewebe fanden sie darin deutliche Veränderungen: Kaputte DNA-Teilchen, die Tumorzellen normalerweise freisetzen und die andere Zellen anstecken und aggressiver machen, waren fast komplett verschwunden. Auch der Teil der Zellen, die sich schnell teilen, sank demnach stark. Das Tata Memorial Centre, dessen Forscher die Studie unter anderem durchführten, ist Indiens führendes Krebsforschungszentrum.

Leiter der Arbeitsgruppe ist der Krebsforscher Indraneel Mittra. Mittra konnte in der Vergangenheit zeigen, dass winzige DNA-Partikel aus sterbenden Zellen Krebs aggressiver machen. Inspiriert durch frühere Forschungsergebnisse, u. a. von dem Japaner Kiyoshi Fukuhara, der schon vor längerem herausgefunden hatte, dass Resveratrol DNA-Stränge zerlegen kann, wenn Kupfer vorhanden ist, entstand Mittras Idee:1 Wenn man diese schädlichen DNA-Teilchen im Tumorumfeld mit Resveratrol und Kupfer unschädlich macht, könnte der Tumor sein aggressives Verhalten verlieren.

Zerstörerische Wirkung auf Krebs-DNA-Fragmente untersucht

Und so lief die neue Untersuchung mit 20 Glioblastom-Patienten ab, die nun im renommierten „British Journal of Cancer“ erschienen ist:2

In die Untersuchung wurden 20 Patienten mit bestätigtem Glioblastom aufgenommen. Zehn von ihnen erhielten vor der Operation eine Resveratrol-Kupfer-Therapie, zehn dienten als unbehandelte Kontrollgruppe. Beide Gruppen waren hinsichtlich Alter und Geschlecht vergleichbar. Die behandelten Patienten erhielten zwei Wochen lang viermal täglich eine Tablette mit 5,6 Milligramm Resveratrol und 560 Nanogramm Kupfer. Die Kontrollgruppe erhielt keine Behandlung.

Zur Analyse wurden während der Operation frische Tumorproben entnommen. Im Kern stand die Antwort auf die Frage, was mit den kaputten DNA-Teilchen („DNA-Müll“), die der aggressive Hirntumor freisetzt, geschah: Blieben sie unbeschädigt oder wurden sie komplett zerstört? Der Nachweis erfolgte durch physikalische Trennung nach Größe und Form der Teilchen mittels eines speziellen Gels, das wie ein ganz feines Netz mit winzigen Poren funktioniert. Kleine oder kompakte Moleküle kommen leicht durch, große Moleküle stecken eher fest. Je nachdem, wie schnell die Moleküle durch das „Sieb“ liefen, war klar: Es sind wenige oder viele geschädigte DNA-Teilchen vorhanden.

Resveratrol ist ein natürlich vorkommendes Pflanzenmolekül (ein sogenanntes Polyphenol), das vor allem in Traubenschalen, Beeren, Erdnüssen und einigen Heilpflanzen steckt. Pflanzen bilden es, um sich vor Stress zu schützen – daher gilt es auch beim Menschen als „Schutzstoff“. Lebensmittel enthalten jedoch viel weniger Resveratrol als die Dosierungen in Studien. Kupfer ist als essenzielles Spurenelement an zentralen biologischen Prozessen beteiligt und steckt in vielen Lebensmitteln, etwa in Nüssen oder Samen.

Ergebnis: Tumor verlor seinen „Treibstoff“

Insgesamt deutet alles auf eine deutliche Abschwächung des zerstörerischen Tumorverhaltens hin.

Die Ergebnisse im Detail: Während die Tumorproben der unbehandelten Patienten ganz viele zelluläre Trümmer enthielten, die Entzündungen und Tumorwachstum anfeuern – sogenannte cfChPs (cell-free chromatin particles) – waren diese bei den Resveratrol-Kupfer-Behandelten fast weg. Man kann sagen: Der Tumor verlor seinen „Treibstoff“.

cfChPs (cell-free chromatin particles) sind freischwimmende Fragmente, bestehend aus DNA und Proteinen, die von sterbenden oder stark gestressten Zellen ins Gewebe bzw. Blut abgegeben werden. Bei Tumoren passiert das in riesigem Ausmaß, weil dort ständig Zellen chaotisch wachsen, sterben, zerfallen.

Treiber-Gene des Tumors waren herunterreguliert

Außerdem stellten die Forscher fest, dass ein Marker, der dazu dient, zu sehen, wie schnell Krebszellen sich teilen, deutlich zurückging. War der Anteil der Zellen, die sich aktiv teilen, in der Kontrollgruppe mit 82 Prozent sehr hoch, sank dieser in der behandelten Gruppe deutlich auf rund 57 Prozent. Damit war die Abnahme statistisch extrem eindeutig.

Weiterhin waren in den Tumorproben der behandelten Gruppe sogenannte Apoptose-Gene hochreguliert. Diese fördern das kontrollierte Absterben von Zellen – gut, wenn man Krebszellen loswerden will. Auch die gemessene höhere Aktivität von IGFBP7, einem Tumorsuppressor-Gen, spricht dafür, dass eine Resveratrol-Kupfer-Behandlung gegen Tumorwachstum arbeitet. Gene, die mit Metastasen zu tun haben, waren in der behandelten Gruppe herunterreguliert.

Warum die Ergebnisse bemerkenswert sind

Diese Untersuchung zeigt, dass bereits ein kurzer Zeitraum mit sehr niedrigen Dosen von Resveratrol und Kupfer tiefgreifende biologische Effekte auf Glioblastome haben kann. Besonders bemerkenswert: Die Deaktivierung von cfChPs bestätigt die Rolle dieser Partikel als potenzielle Verstärker von Tumoraggressivität. Die gleichzeitige Reduktion zahlreicher Krebsmarker deutet auf eine Verlangsamung des Tumorverhaltens hin. Die verstärkte Apoptose spricht für einen beschleunigten Abbau geschädigter Zellen durch die Gabe von Resveratrol und Kupfer.

Glioblastom wächst diffus, ist immer tödlich

Auf der Skala der Hirntumoren rangiert das Glioblastom am bösartigen Ende (am gutartigen Ende liegt das Meningeom, der häufigste Hirntumor bei Erwachsenen). Während das Meningeom fast immer vollständig entfernt und geheilt werden kann, wächst das Glioblastom diffus in die Hirnstruktur hinein, ist hochaggressiv und immer tödlich. Die durchschnittliche Überlebenszeit mit Glioblastom beträgt gerade einmal 15 bis 18 Monate. Nach fünf Jahren leben laut Prof. Dr. med. Frank Erbguth, Präsident der Deutschen Hirnstiftung, nur noch etwa fünf Prozent der Betroffenen. Die Symptome eines Glioblastoms hängen davon ab, wo es sitzt.

Mehr zum Thema

Keinerlei Empfehlung für Patienten

Angesichts eines Tumors, der so aggressiv ist wie ein Glioblastom, wirkt das Studienergebnis erst einmal beeindruckend und hoffnungsvoll. Trotzdem darf man daraus nicht ableiten, dass Patienten Resveratrol und Kupfer einnehmen sollten. Warum? Die Studie selbst erlaubt keinerlei Empfehlungen für Patienten. Etwa, weil sie keine Aussagen über das Überleben mit einem Glioblastom erlaubt und auch keinen klinischen Nutzen beweist. Die Resultate beziehen sich ausschließlich auf biologische Parameter in Tumorgewebe, nicht auf Behandlungserfolg im Alltag. Auch war die Studie mit zehn behandelten Patienten eine sehr kleine Studie. Die optimale Dauer, Dosis, Sicherheit, Wechselwirkungen – noch ist das alles unbekannt.

Gängige Supplements haben mit Resveratrol-Kupfer-Tabletten aus Studie nichts zu tun

Ganz abgesehen davon sind Nahrungsergänzungsmittel im Handel (seien es Resveratrol-Supplements, Kupfer-Tabletten oder Kombipräparate) nicht identisch mit den Resveratrol-Kupfer-Tabletten aus der Studie. Auch Lebensmittel enthalten viel weniger Resveratrol und/oder Kupfer als die Dosierungen in Studien.

Auch interessant: Forscher finden überraschenden Weg, Hirntumor-Wachstum zu bremsen

Forscher: Weitere Studien erforderlich

„Weitere Studien sind erforderlich, um zu beurteilen, ob eine Langzeitbehandlung mit Resveratrol und Kupfer die Tumore dazu veranlassen könnte, einen gutartigen Phänotyp anzunehmen“, resümieren die Forscher. Für Betroffene könnte langfristig ein Ansatz entstehen, der bestehende Therapien ergänzt, ohne zusätzliche Toxizität zu verursachen. Besonders interessant ist der breit wirkende Effekt auf sechs Immun-Checkpoints gleichzeitig – etwas, das mit aktuellen Immuntherapien nicht möglich ist, da diese stets nur einzelne Signalwege blockieren.

Quellen

  1. Fukuhara K., Miyata N. (1998): Resveratrol as a new type of DNA-cleaving agent. Bioorganic & Medicinal Chemistry Letters ↩︎
  2. Mittra I., Bandiwadekar C., Devi Naorem L. et al. (2025): Attenuation of malignant phenotype of glioblastoma following a short course of the pro-oxidant combination of Resveratrol and Copper. British Journal of Cancer. ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.