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Endokrinologe erklärt

Super für den Stoffwechsel – wie lassen sich braune Fettzellen aktivieren?

Weiße und braune Fettzellen Illustration
Die Benennung von weißen, braunen und beigen Fettzellen basiert auf ihrem mikroskopischen Aussehen. Ihre gesundheitlichen Wirkungen unterscheiden sich stark. Foto: Getty Images / wildpixel / Getty Images / KATERYNA KON/SCIENCE PHOTO LIBRARY , Collage: FITBOOK
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Anna Echtermeyer
Redakteurin

15. Januar 2026, 13:01 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Im menschlichen Körper gibt es drei Arten von Fett, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Ein Endokrinologe erklärt, wo im Körper die weißen, braunen und beigefarbenen Fettzellen sitzen, wie sie Krankheitsrisiken beeinflussen – und wie man die guten unter ihnen aktiviert.

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Weiße Fettzellen – Speicher, Polster und Hormonfabrik

Weißes Fett macht im menschlichen Körper den größten Anteil aus. „Weiße Fettzellen speichern Nahrungskalorien, bilden eine Wärmeisolationsschicht und bieten mechanischen Schutz, der wichtig ist, um Infektionen und Verletzungen zu widerstehen. Weiterhin haben sie eine wichtige Rolle im Rahmen der Hormonproduktion“, erklärt der Endokrinologe und Stoffwechselexperte Prof. Dr. Norbert Stefan von der Uni Tübingen auf Nachfrage von FITBOOK. Unter dem Mikroskop erscheinen diese Zellen weißlich oder transparent, weil sie ein Fetttröpfchen enthalten.

Braunes Fettzellen – die körpereigene Heizung

Braunes Fett ist deutlich seltener als weißes. Laut Stefan handelt es sich bei braunen Fettzellen um hochspezialisierte Zellen, die gespeicherte chemische Energie in Form von Wärme abgeben. „Dies geschieht durch die Wirkung des Entkopplungsproteins 1 (UCP-1), eines für braunes Fettgewebe spezifischen Proteins, das sich in den Mitochondrien befindet, die in diesen Zellen dicht gepackt sind“, erklärt der Stoffwechselexperte. Klassische braune Adipozyten würden sich als „spezifische Depots im Nacken, unter den Schlüsselbeinen und entlang der Wirbelsäule“ gruppieren. Die Mitochondrien lassen diese Zellen braun erscheinen.

Warum Babys mehr braunes Fett haben

„Bei Säuglingen findet man viel mehr braunes Fettgewebe als im späteren Leben“, so Stefan weiter. Das braune Fett verhindert, dass der Säugling auskühlt. Ihre Muskelmasse ist zu gering, um durch Muskelzittern Wärme zu erzeugen. Außerdem verlieren sie viel Wärme, weil sie eine – im Vergleich zum Körpervolumen – große Körperoberfläche haben. Im Laufe der ersten Lebensjahre bildet sich das braune Fett jedoch stetig zurück. Bei Erwachsenen findet man dann wie erwähnt noch Depots im Nacken, unter den Schlüsselbeinen und entlang der Wirbelsäule.

Beigefarbene Fettzellen – wandelbare Mischform

Und dann gibt es noch die Mischform aus weißen und braunen Fettzellen, die sogenannten beigen Fettzellen. Dabei handelt es sich um Zellen, die wie braunes Fett eine hohe Zahl von Mitochondrien aufweisen, aber verstreut im weißen Fettgewebe vorkommen. Sie sind nicht so effektiv wie braunes Fett, wirken aber offenbar auch an der Erzeugung von Wärme mit. „Beige Fettzellen findet man als eingestreute Zellen im weißen Unterhautfettgewebe, hauptsächlich im Nacken-, Schulter- und Schlüsselbeinbereich“, weiß Stefan.

Auch interessant: Körperfettanteil richtig messen – Methoden im Vergleich

Die Funktionen der drei Fettarten im Überblick

Weißes Fett:

  • speichert Energie
  • isoliert gegen Kälte
  • schützt Organe mechanisch
  • produziert Hormone

Braunes Fett

  • verbrennt Energie, um Wärme zu erzeugen – daher wirkt es metabolisch besonders günstig
  • Depots im Nacken, unter den Schlüsselbeinen und entlang der Wirbelsäule
  • ist genetisch festgelegt

Beiges Fett

  • Mischform aus weißen und braunen Fettzellen
  • sitzt hauptsächlich im Nacken-, Schulter- und Schlüsselbeinbereich

Warum zu viel weißes Fett krank machen kann

Wie erwähnt, ist weißes Fett (speichert Nahrungskalorien) lebensnotwendig für den Menschen. Speichert der Körper aber zu viel davon, können daraus massive gesundheitliche Risiken entstehen.

Zu viel inneres Bauchfett (viszerales Fett) etwa kann der Gesundheit erheblichen Schaden zufügen. Dabei spielen die Hormone eine große Rolle: Viszeralfett produziert viele Hormone – und verändert somit die Hormonproduktion. Gerät diese aus der Balance, können chronische Entzündungsprozesse im Körper entstehen. Die möglichen Folgen reichen von Arterienverkalkung über Typ-2-Diabetes bis hin zu Brust- und Darmkrebs. Bei diesen beiden Krebsarten hat die Forschung in der Vergangenheit Zusammenhänge mit viszeralem Fett gezeigt.1,2

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Braunes Fett als Schutzschild für Herz und Stoffwechsel

Ganz anders wirkt das braune Fettgewebe: Hierin sehen Forscher seit einiger Zeit einen möglichen effektiven Schutz für Herz und Stoffwechsel. Eine große US-Studie mit über 50.000 Patienten etwa hat 2021 Hinweise gegeben, dass Menschen mit nachweisbarem braunem Fett möglicherweise seltener metabolische und kardiovaskuläre Krankheiten bekommen – vor allem, wenn sie übergewichtig oder fettleibig sind.3

So lässt sich die Aktivität brauner Fettzellen aktivieren

Vermutlich fragen Sie sich jetzt: Braunes Fett ist genetisch zwar festgelegt – aber kann ich nicht vielleicht doch etwas tun, um diese gesunden Fettzellen vermehrt in meinem Körper „anzusiedeln“? Endokrinologe Norbert Stefan geht auf Basis aktueller Forschung nicht davon aus, dass man die Anzahl der braunen oder beigen Fettzellen erhöhen kann – sondern „lediglich deren Aktivität“. Kälteexposition sei der stärkste Reiz, „um das braune Fettgewebe zu aktivieren“. Also etwa regelmäßig kalt duschen. Andere Maßnahmen – wie Sport oder medikamentöse Therapien – seien diesbezüglich nicht bedeutsam, so Norbert Stefan zu FITBOOK.

Quellen

  1. Klein, S. (2004). The case of visceral fat: argument for the defense. The Journal of Clinical Investigation.  ↩︎
  2. Lee, J.Y., Lee, H.S., Lee, D.C. et al. (2014). Visceral fat accumulation is associated with colorectal cancer in postmenopausal women. PLoS One.  ↩︎
  3. Becher T., Palanisamy S., Kramer D. J. et al. (2021): Brown adipose tissue is associated with cardiometabolic health. Nature Science. ↩︎

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