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Laut Studie

Unerwarteter Faktor erhöht das Blasenkrebs-Sterberisiko

Farbenblindheit hat einen erstaunlichen Zusammenhang mit Blasenkrebs
Bei Farbsehstörungen bleiben Betroffenen mögliche Krankheitswarnzeichen unter Umständen verborgen, was laut einer neuen Studie gravierende Folgen haben kann Foto: Getty Images
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21. Januar 2026, 12:52 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Eine Farbenblindheit oder Farbsehstörung kann verschiedene Ausprägungen haben – von einer leichten Schwäche, einzelne Farben zu erkennen, bis zum vollständigen Fehlen der Farbwahrnehmung. Eine solche Sehstörung ist an sich nicht gefährlich. Sie kann jedoch dazu führen, dass Betroffene wichtige körperliche Warnsignale, die auf lebensbedrohliche Krankheiten hindeuten können, nicht wahrnehmen. Eine Studie hat dieses Risiko nun im Zusammenhang mit Blasenkrebs untersucht – mit ernstzunehmenden Ergebnissen.

Studie zum Einfluss von Farbenblindheit auf Blasenkrebsverlauf

Die Farbe des Urins ist bekanntlich ein wichtiger Indikator für den Flüssigkeitshaushalt – eine dunkle Färbung beispielsweise spricht dafür, dass man zu wenig getrunken hat – und daneben kann sie auf das Vorhandensein von Krankheiten hinweisen. Speziell eine rötliche Färbung ist als Warnsignal zu betrachten, wie der Urologe Dr. med. Christoph Pies FITBOOK in diesem Beitrag erklärt. Und zwar vor allem dann, wenn die Auffälligkeit nicht von Schmerzen begleitet wird. Es könnten „nur“ Erkrankungen der ableitenden Harnwege oder der Nieren vorliegen, so Dr. Pies. Im schlimmsten Fall könnte es sich jedoch um ein Symptom von Blasenkrebs handeln.

Wie bei vielen Krebsarten hängt auch bei Blasenkrebs die Überlebenschance entscheidend vom Zeitpunkt der Diagnose ab. Menschen mit einer Farbsehstörung oder Farbenblindheit sind somit im Nachteil, da sie eine rötliche Verfärbung des Urins – eines der wichtigsten frühen Warnzeichen – unter Umständen nicht wahrnehmen können. Die naheliegende Folge: Es wird kein Anlass zur Besorgnis gesehen und der Arztbesuch verzögert sich. Dadurch wird der Krebs häufig erst in einem späteren Stadium entdeckt, was die Prognose verschlechtert. Bislang stützte sich diese Annahme vor allem auf einzelne Fallberichte. Eine aktuelle Studie hat nun erstmals wissenschaftlich untersucht, welchen Einfluss eine Farbsehstörung (Colour Vision Deficiency, CVD) auf den Krankheitsverlauf und das Überleben bei Blasenkrebs sowie auch Darmkrebs haben kann – beides Krebsarten, die sich zunächst durch Blut im Urin oder Stuhl bemerkbar machen.1 Dabei zeigte sich, dass Blasenkrebs für die zentralen Ergebnisse der Studie von besonderer Bedeutung ist.

Details zur Untersuchung

Es handelt sich um eine retrospektive Kohortenstudie; die Forscher werteten also bereits vorhandene medizinische Daten aus. Diese bezogen sie aus der internationalen Forschungsdatenbank TriNetX, die elektronische Gesundheitsakten von mehr als 275 Millionen Patienten unterschiedlicher Herkunft enthält.

Um den Einfluss einer Farbsehstörung auf den Krankheitsverlauf zu untersuchen, verglichen die Forscher 135 farbenblinde Blasenkrebspatienten mit einer ebenso großen Vergleichsgruppe von Blasenkrebspatienten mit normalem Farbsehvermögen. Die Diagnosen von Krebs und Farbsehstörung der Frauen und Männer ermittelten sie anhand standardisierter Diagnosecodes (ICD-10 und ICD-O). Mithilfe des statistischen Verfahrens Propensity Score Matching (PSM) ordneten die Forscher Probanden einander zu, die sich hinsichtlich verschiedener Einflussfaktoren (Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, relevante Begleiterkrankungen) möglichst wenig unterschieden. Nach demselben Prinzip verglichen sie zusätzlich 187 entsprechend zusammengestellte Patientengruppen mit Darmkrebs.

Im nächsten Schritt analysierten die Forscher die Überlebensverläufe der einzelnen Gruppen. Sie verglichen hierfür die Gesamtüberlebensraten der Patienten mittels sogenannter Kaplan-Meier-Überlebenskurven. Beim Blasenkrebs zeigte sich bereits hier ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen. Deswegen berechneten die Forscher zusätzlich die Sterblichkeit über einen Zeitraum von 20 Jahren. Bei Darmkrebs ergab sich kein signifikanter Unterschied, sodass hier keine Langzeitanalyse erfolgte.

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Blasenkrebspatienten, die zusätzlich an Farbenblindheit litten, hatten eine wesentlich geringere Überlebenswahrscheinlichkeit als die Vergleichspatienten ohne CVD. In der zusätzlichen Langzeitanalyse war die Sterblichkeit über 20 Jahre bei den Patienten mit entsprechender Beeinträchtigung um etwa 52 Prozent höher. Dies spricht laut den Forschern dafür, dass CVD mit einem ungünstigeren Krankheitsverlauf bei Blasenkrebs verbunden sein könnte.

Die Autoren halten mehrere Gründe für ihre Erkenntnisse für plausibel. Demnach fehlen bei Blasenkrebs – neben einer rötlichen Verfärbung des Urins – oft Schmerzen als Symptom, und somit Warnsignale, die für Farbenblinde erkennbar wären. Darmkrebs geht hingegen häufiger mit spürbaren Begleiterscheinungen wie Bauchschmerzen einher und führt oft zu Gewichtsverlust, einer veränderten Konsistenz des Stuhlgangs und Müdigkeit. In der Öffentlichkeit wird zudem die Bedeutung von Darmkrebsvorsorgeuntersuchungen mehr beachtet, mahnen die Forscher – auch unabhängig von ersten Hinweisen auf eine Erkrankung. Bei Blasenkrebs hingegen sind routinemäßige Vorsorgeuntersuchungen nicht üblich.

Mögliche Bedeutung der Studie und Einschränkungen

Die Forscher räumen ein, dass ihre Beobachtungen keinen ursächlichen Zusammenhang beweisen. Dennoch machen sie ein bislang unterschätztes Risiko sichtbar. In der Praxis sollte dies dazu führen, dass Ärzte bei Betroffenen von Farbenblindheit besonders aufmerksam auf unspezifische Anzeichen wie Müdigkeit, Gewichtsverlust oder häufiges Wasserlassen achten. Langfristig könnte es sinnvoll sein, so die Studienautoren, über gezielte Aufklärung oder Früherkennungsmaßnahmen für Personen mit Farbsehstörung nachzudenken. Sie halten fest, dass scheinbar harmlose Sinnesbeeinträchtigungen den Untersuchungsergebnissen zufolge wichtige gesundheitliche Konsequenzen haben können.

Es sind allerdings auch verschiedene Einschränkungen zu berücksichtigen. So basiert die Studie beispielsweise auf kodierten Diagnosen aus medizinischen Abrechnungsdaten, die laut den Autoren Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten können. Außerdem sollte berücksichtigt werden, dass viele Betroffene nichts von ihrer Farbsehstörung oder Farbblindheit wissen. Es ist möglich, dass auch solche Personen unter den Probanden waren, was zu einer falschen Zuordnung geführt haben könnte. Dadurch wäre der Effekt womöglich abgeschwächt. Zudem waren die Gruppen mit dokumentierter CVD vergleichsweise klein, besonders bei Darmkrebs, was die statistische Aussagekraft begrenzt. Die Forscher weisen überdies darauf hin, dass Angaben zum Stadium der Tumoren der Patienten nur unvollständig vorlagen.

Quellen

  1. Fattah, M., Alsoudi, A., Mruthyunjaya, P. et al. (2026), Impact of colour vision deficiency on bladder and colorectal cancer survival. Nature Health. ↩︎

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