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Studie zeigt

Beliebtes Medikament kann das Rückfallrisiko bei Darmkrebs reduzieren

Aspirin könnte einen Rückfall bei Darmkrebs verhindern
Bei Darmkrebs kann Aspirin wirksam sein – entscheidend ist eine genetische Veränderung im Tumor Foto: Getty Images
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19. September 2025, 11:10 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Ein altbekanntes Medikament, das täglich millionenfach eingenommen wird, könnte eine neue Rolle in der Krebstherapie spielen. In einer aktuellen klinischen Studie wurde untersucht, ob Aspirin das Risiko für einen Rückfall bei Darmkrebs senken kann. Die Ergebnisse sind vielversprechend – aber der Effekt zeigt sich nicht bei allen Patienten.

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Auch nach einer erfolgreichen Operation kann Darmkrebs wiederkommen – oft mit Metastasen oder neuen Tumoren. Die Forschung sucht deshalb nach Wegen, um dieses Rückfallrisiko zu senken.

Aspirin gehört zum Standard bei der Behandlung von Schmerzen und Vorbeugung von Herzinfarkten. Studien lieferten zudem Hinweise, dass das Medikament das Risiko für Darmkrebs reduzieren könnte (FITBOOK berichtete). Mehr noch scheint es auch Darmkrebspatienten helfen zu können – unter bestimmten Voraussetzungen.

Darmkrebspatienten mit Erbgut-Veränderungen

Die neue ALASCCA-Studie untersuchte die Wirkung von Aspirin bei Patienten, deren Tumor bestimmte Veränderungen im Erbgut aufwies. Diese Veränderungen betreffen drei Gene, die das Zellwachstum steuern: PIK3CA, PIK3R1 und PTEN.

Warum sind diese Gene wichtig?

Diese drei Gene gehören zu einem Bereich im Zellinneren, der für das Wachstum und Verhalten der Zellen wichtig ist. Wenn dort Fehler auftreten – also Mutationen –, kann das Krebswachstum gefördert werden. Man nennt diesen Bereich den PI3K-Signalweg.

Etwa ein Drittel aller Darmkrebspatienten hat solche Veränderungen im Tumorgewebe. Die Forscher wollten wissen: Hilft Aspirin besonders bei diesen Menschen?1

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So lief die Studie ab

An der Studie nahmen 626 Patienten teil, bei denen der Darmkrebs im frühen oder mittleren Stadium (Stadium I bis III) operativ entfernt worden war. Alle hatten einen Tumor mit einer oder mehreren Veränderungen in den genannten Genen.

Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt:

  • Eine Gruppe nahm täglich 160 Milligramm Aspirin.
  • Die andere Gruppe bekam ein Scheinmedikament (Placebo).

Die Behandlung dauerte drei Jahre. Weder Patienten noch Ärzte wussten, wer welchen Wirkstoff bekam – so sollten die Ergebnisse nicht beeinflusst werden.

Die Forscher untersuchten dann, wie oft der Krebs in jeder Gruppe zurückkam. Zusätzlich werteten sie aus, wie lange die Patienten ohne neue Krebserkrankung oder Komplikationen lebten und welche Nebenwirkungen es gab.

Die wichtigsten Ergebnisse

Weniger Rückfälle mit Aspirin

Nach drei Jahren zeigte sich, dass der Krebs bei den Patienten mit bestimmten Genveränderungen unter Aspirin deutlich seltener zurückkam:

  • In einer Untergruppe mit einer häufigen Veränderung im Gen PIK3CA (die an bestimmten Stellen des Gens auftritt), hatten 7,7 Prozent der Aspirin-Patienten einen Rückfall, verglichen mit 14,1 Prozent in der Placebo-Gruppe.
  • In der anderen Untergruppe mit anderen, aber ähnlichen Genfehlern lag die Rückfallrate bei 7,7 Prozent mit Aspirin und bei 16,8 Prozent ohne Aspirin.

Das heißt: In beiden Gruppen kam es mit Aspirin nur halb so oft zu einem Rückfall.

Länger krankheitsfrei

Auch die Zeit ohne neue Tumoren oder andere schwere Ereignisse war mit Aspirin länger:

  • In der ersten Gruppe waren nach drei Jahren noch 88,5 Prozent ohne neue Krankheit,
    in der Placebo-Gruppe waren es nur 81,4 Prozent.
  • In der zweiten Gruppe: 89,1 Prozent mit Aspirin waren nach drei Jahren nicht erneut erkrankt, 78,7 Prozent waren es in der Placebo-Gruppe

Nebenwirkungen und Risiken

Wie jedes Medikament hat auch Aspirin Nebenwirkungen – besonders bei langfristiger Einnahme.

  • In der Aspirin-Gruppe hatten 16,8 Prozent der Patienten schwere Nebenwirkungen,
  • in der Placebo-Gruppe waren es 11,6 Prozent.

Häufige Probleme waren:

  • Beschwerden im Magen-Darm-Bereich (z. B. Reizungen oder Blutungen),
  • Veränderungen im Blutbild,
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden.

Die Forscher betonen, dass Aspirin insgesamt gut vertragen worden, aber eine ärztliche Abwägung wichtig sei.

Wer profitiert besonders?

Die Forscher haben sich auch angeschaut, bei welchen Patienten der Effekt am stärksten war. Dabei zeigte sich:

  • Frauen mit Enddarmkrebs (Rektumkarzinom) im Stadium III hatten mit Aspirin besonders selten Rückfälle.
  • Auch insgesamt wirkte Aspirin bei Frauen besser als bei Männern.

Warum das so ist, ist noch unklar. Weitere Studien sollen das klären.

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Was bedeutet das?

Die Studie zeigt: Aspirin kann bei bestimmten Darmkrebspatienten das Rückfallrisiko deutlich senken. Aber das gilt nicht für alle – sondern nur für Patienten, deren Tumor bestimmte Veränderungen im Erbgut aufweist.

Daher ist es wichtig, den Tumor vor der Entscheidung für eine Aspirin-Therapie genetisch zu untersuchen. Nur wenn diese speziellen Veränderungen vorliegen, macht die Behandlung Sinn.

Aspirin ist kein Ersatz für andere Therapien – aber es könnte bei geeigneten Patienten eine einfache, kostengünstige und wirksame Ergänzung nach der Operation sein.

Was ist noch zu beachten?

  • Die Studie sagt nichts aus über Patienten ohne Genveränderungen in den genannten Genen.
  • Langfristige Daten – zum Beispiel über das gesamte Überleben – liegen noch nicht vor.
  • Nebenwirkungen müssen mit dem Arzt besprochen werden.

Fazit

Die ALASCCA-Studie zeigt: Bei Darmkrebspatienten mit bestimmten Genveränderungen kann Aspirin das Risiko für einen Rückfall deutlich verringern.

Die Voraussetzung dafür ist eine vorherige genetische Untersuchung des Tumors. Nur dann lässt sich sicher sagen, ob Aspirin helfen kann. Für Patienten, bei denen diese Voraussetzungen erfüllt sind, könnte Aspirin ein wichtiger zusätzlicher Baustein in der Behandlung sein.

Quellen

  1. Martling, A., Hed, Myrberg, I., Nilbert, M. et al. (2025). ALASCCA Study Group. Low-Dose Aspirin for PI3K-Altered Localized Colorectal Cancer. N Engl J Med.  ↩︎

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