9. November 2025, 8:01 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Shilajit, das sogenannte „Gold des Himalayas“, gilt in der ayurvedischen Medizin seit Jahrtausenden als wahres Wundermittel. Heute wird es als Energie-Booster und Anti-Aging-Geheimnis beworben, doch was steckt wirklich hinter der harzähnlichen Substanz aus den Bergen?
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Herkunft und Entstehungsprozess
Das sogenannte „Gold des Himalayas“ trägt seine Herkunft bereits im Namen. Shilajit findet sich vor allem in hochgelegenen Gebirgsregionen – im Himalaya, aber auch im Altai-Gebirge und im Kaukasus.
Seine Entstehung ist ein jahrhundertelanger, vollkommen natürlicher Prozess. Zwischen den Gesteinsschichten der Berge lagern sich über lange Zeit Pflanzenreste wie Moose, Flechten oder harzbildende Gewächse ab. Durch Druck, Mikroorganismen, Temperaturschwankungen und mineralreiche Felsen verwandelt sich dieses organische Material allmählich in eine zähharzige, teerähnliche Masse.
Wenn die Sonne im Sommer stark genug auf die Felsen scheint, tritt Shilajit als dunkler, glänzender Ausfluss aus Ritzen und Felsspalten hervor.
Reich an Geschichte
In alten Heiltraditionen wie der Ayurveda wurde Shilajit seit Jahrtausenden als „Rasayana“ (Verjüngungsmittel) geschätzt. Schon in klassischer altindischer Literatur sowie in tibetischen und persischen medizinischen Schriften finden sich Verweise auf seine Anwendung.1
Klinische Untersuchungen – Studienlage
Hersteller bewerben Shilajit gern als Wundermittel aus dem Himalaya. Es soll Energie und Ausdauer steigern, die Konzentration verbessern, die Sexualkraft stärken und ganz nebenbei noch den Alterungsprozess verlangsamen. Ein Teil dieser Behauptungen lässt sich zumindest biologisch plausibel erklären: Die enthaltene Fulvinsäure wirkt antioxidativ und entzündungshemmend, was theoretisch positive Effekte auf Gehirnzellen und Stoffwechselprozesse haben könnte.
Trotzdem bleibt die klinische Beweislage schwach. Eine etwas solidere Studie aus Indien zeigte zwar, dass Shilajit bei Frauen nach den Wechseljahren den altersbedingten Knochenabbau leicht bremsen konnte, finanziert wurde sie allerdings vom Hersteller des getesteten Präparats.2
Der Großteil der übrigen Forschung stammt aus kleinen, oft unkontrollierten Untersuchungen, viele davon direkt aus der Feder von Produzenten oder mitfinanziert von Shilajit-Herstellern. Entsprechend dünn fällt der Erkenntnisgewinn aus: Die meisten Arbeiten beruhen auf Tierversuchen oder Laboranalysen, belastbare Humanstudien fehlen.
Wie der Biotechnologe Vijay Kumar Malesu auf „News Medical“ zusammenfasst, deuten erste Untersuchungen zwar auf ein mögliches therapeutisches Potenzial, etwa bei Kognition oder Entzündungsprozessen, hin – doch die bisherige Forschung besteht fast ausschließlich aus kleinen, teils unkontrollierten Studien mit unklarer Datenqualität.
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Negative Punkte
Variierende Qualität
Was Shilajit auf der einen Seite so besonders erscheinen lässt – dass es als natürliches Harz in den Bergen geformt wird – sorgt auch für einen negativen Aspekt. Denn das „schwarze Gold“ bietet somit keine gleichbleibende Qualität. Studien weisen darauf hin, dass sich die Zusammensetzung, insbesondere der Anteil an Metallen und organischen Säuren, je nach Herkunft stark unterscheidet.3
Belastung durch Schwermetalle
Aus der natürlichen Entstehung wird noch ein weiterer negativer Aspekt geformt, der auch ein zentrales Risiko beim Shilajit mitschwingen lässt: Verunreinigungen durch Schwermetalle. Vornehmlich bei Quecksilber und Arsen, die durch unzureichende Aufbereitung oder Umweltbelastung in das Produkt gelangen.
Shilajit kann bis zu 65 verschiedene Schwermetalle enthalten, darunter auch toxische Elemente. In einer 2024 veröffentlichten Analyse von Adil Hussain und Asma Saeed lagen die meisten untersuchten Proben unter den Grenzwerten der WHO und FDA – also sicher zum Verzehr. In einzelnen Fällen wurden jedoch auch deutliche Grenzwertüberschreitungen festgestellt. Die Autoren weisen daher darauf hin, dass beim Konsum darauf zu achten ist, ausschließlich gereinigtes und nicht roh gewonnenes Shilajit zu verwenden.4
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Die deutsche Supplement-Problematik
Shilajit fällt unter die Nahrungsergänzungsmittel-Verordnung in Deutschland. Somit müssen die Hersteller ihre Produkte zwar beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit melden, eine echte Zulassung oder Sicherheitsprüfung findet jedoch nicht statt.5
Fazit: Eine Supplementierung sinnvoll?
Der Molekularpharmakologe Dr. Ian Musgrave von der Universität Adelaide sagte gegenüber dem „Guardian“ in seiner Einschätzung: „Dieses Material – vorausgesetzt, Sie beziehen es aus einer Quelle, bei der Sie die Schwermetallkonzentrationen kennen – ist im Allgemeinen recht harmlos, aber es ist auch unwahrscheinlich, dass es irgendetwas bewirkt.“
Eine Supplementierung mit Shilajit sollten Sie also gut abwägen. Wenn Sie sich dafür entscheiden, achten Sie darauf, das Präparat ausschließlich bei seriösen und geprüften Anbietern zu kaufen. Dadurch lässt sich das Risiko einer Schwermetallbelastung verringern.