29. Oktober 2026, 10:22 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Bislang war das Shamonda-Virus lediglich aus der Tiergesundheit bekannt. Anfang Oktober wurde jedoch in Frankreich erstmals weltweit eine Infektion bei einem Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem festgestellt, die tödlich verlief. Seitdem rückt das Virus stärker in den Fokus. FITBOOK nimmt den Fall zum Anlass, einen Überblick über das Virus zu geben und einzuordnen, wie hoch das Risiko für Menschen tatsächlich ist.
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Was ist das Shamonda-Virus?
Erstmals wurde das Virus Mitte der 1960er-Jahre in Nigeria beschrieben.1 Es trat seitdem vorwiegend in Afrika, Asien und Australien auf. Inzwischen wurde der Erreger auch in Europa nachgewiesen, darunter ebenfalls in Deutschland. Nachdem ab Sommer 2026 erste Fälle einer Variante in Süddeutschland, Frankreich und der Schweiz festgestellt worden waren, wiesen Forschende im September in Rinderproben aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Thüringen bereits eine zweite Variante bei Rindern nach.2
Übertragen wird das Virus über sogenannte Gnitzen. Das sind kleine blutsaugende Insekten, die noch kleiner sind als Stechmücken und nur bis zu drei Millimeter groß werden. Zudem kann bei einem infizierten Muttertier eine Infektion über die Plazenta auf den ungeborenen Fötus übertragen werden. Direkte Übertragungen von Tier zu Tier sind dagegen bisher nicht belegt, so das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit.3 Es gibt bislang keinen Impfstoff gegen das Virus.
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Übertragung auf den Menschen
Seit Sommer gab es auch bei französischen Rindern nachgewiesene Ansteckungen mit dem Shamonda-Virus. Am 22. Oktober gab das zuständige französische Ministerium dann bekannt, dass zu Beginn des Monats ein Mann im Zusammenhang mit dem Virus in einem Krankenhaus in Lyon verstorben ist.4 Der Mann litt wohl unter einer schweren Immunschwäche und sei aufgrund dieser schweren Grunderkrankung in Behandlung gewesen. Vor seinem Tod wurden laut Ministerium gehirnbezogene Komplikationen festgestellt, die sehr wahrscheinlich mit der Shamonda-Virusinfektion zusammenhängen. Außerdem geht das Ministerium von einer Ansteckung über einen Stich einer Gnitze im Osten Frankreichs aus.
Dieser Fall ist der weltweit erste nachgewiesene Fall einer Infektion mit dem Virus beim Menschen. Die Untersuchungen dauern daher an. Neben den offiziellen Meldungen an die zuständigen internationalen Organisationen wurde auch in Deutschland eine Reihenuntersuchung gestartet, um Blutproben von Menschen vorsorglich auf Shamonda-Antikörper zu testen.5
Wichtig ist: Sowohl von französischer als auch von deutscher Seite wird betont, dass keine Gefahr für die breite Bevölkerung besteht. So heißt es von offizieller französischer Seite: „Nach aktuellem Kenntnisstand besteht bisher kein Gesundheitsrisiko für die Allgemeinbevölkerung.“ Auch das „Friedrich-Loeffler-Institut“ (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) stellt klar: „Bislang gibt es keine weiteren Hinweise auf eine Gesundheitsgefährdung der Allgemeinbevölkerung.“
Was passiert mit infizierten Tieren?
Je nach Tierart unterscheidet sich das Virus. Nachgewiesen wurde das Virus bisher bei Rindern, Schafen, Ziegen, Pferden und Alpakas. Das Friedrich-Loeffler-Institut erwähnt jedoch, dass Infektionen weiterer Wiederkäuer und Säugetiere denbar sei.
Erwachsene Rinder und andere Wiederkäuer
Die Erkrankung verläuft mild bis moderat und klingt meist nach wenigen Tagen wieder ab. Typische Akutsymptome in Herden sind:
- Akutes Fieber
- Wässriger Durchfall
- Plötzlicher, deutlicher Abfall der Milchleistung bei kühen
Trächtige Tiere
Für ungeborenen Nachwuchs gibt es durchaus Gefahr. Wie bereits erwähnt, kann das Virus von der Mutter auf den Fetus übergehen. Wenn das passiert, kann das zu Fehlgeburten und Totgeburten führen.
Besonderheit bei Pferden
Bei Pferden wurden, laut Friedrich-Loeffler-Institut, entgegen den Symptomen bei den Wiederkäuern, schwerwiegende Verläufe beobachtet:
- Betroffene Pferde zeigten neurologische Störungen.
- Nach ihrem Tod wurden hohe Viruslasten im Gehirn festgestellt, was auf die Infektion als Todesursache hinweist.