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Experte klärt auf

Welche körperlichen Beschwerden Schlupflider verursachen können

Schlupflider können u. a. Migräne begünstigen
Schlupflider können verschiedene Beschwerden begünstigen, die Betroffene zunächst gar nicht mit ihrem „Makel“ in Verbindung bringen Foto: Getty Images

21. Oktober 2026, 20:13 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Keine Frage, Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Was der eine – meist die betroffene Person selbst – als Makel empfindet, fällt anderen kaum auf. Doch nicht immer sind vermeintliche Schönheitsprobleme nur eine Frage der Ästhetik. Manche von ihnen können auch gesundheitliche Probleme mit sich bringen. Ein Beispiel dafür sind sogenannte Schlupflider, medizinisch als Dermatochalasis bezeichnet. FITBOOK hat darüber mit einem Arzt gesprochen.

Was sind Schlupflider und wo kommen sie her?

Schlupflider sind ein weit verbreitetes optisches Merkmal, das Betroffene häufig aus ästhetischen Gründen stört. Der Begriff bezeichnet überschüssige, erschlaffte Haut am Oberlid, die als Falte über das bewegliche Lid herabhängt.1

Es gibt verschiedene mögliche Ursachen für Schlupflider, darunter ganz natürliche. Mit dem Älterwerden verliert die Haut an Spannkraft und parallel dazu verändern sich auch das Fettgewebe und die knöchernen Strukturen rund um die Augen. Dadurch können die Lider erschlaffen und Fettpolster stärker hervortreten. Dass Schlupflider aber auch bereits in jungen Jahren auftreten können, zeigt, dass nicht zuletzt die genetische Veranlagung eine Rolle spielt.

Manchmal entstehen Schlupflider aber auch aufgrund von Allergien oder Erkrankungen. Zuletzt kann auch der Lebensstil die Hautalterung vorantreiben.

Ästhetische Folgen von Schlupflidern

Hängende Lider führen oft zu einem müden Erscheinungsbild und dazu, dass Betroffene traurig oder erschöpft wirken. Bei leicht ausgeprägten Schlupflidern, die keine körperlichen Beschwerden oder Sehprobleme verursachen, können kühle Auflagen vorübergehend helfen, Schwellungen zu reduzieren. Dafür eignen sich beispielsweise gekühlte Gurkenscheiben oder Wattepads, die mit abgekühltem Schwarztee getränkt wurden. Die enthaltenen Gerbstoffe können die Haut kurzfristig leicht zusammenziehend wirken lassen. Die Schlupflider selbst verschwinden dadurch allerdings nicht.

Wer sich eine längerfristige Veränderung wünscht, entscheidet sich mitunter für eine Oberlidstraffung (Blepharoplastik). Der Wunsch, dauerhaft frischer und wacher auszusehen, spielt dabei eine wichtige Rolle. Das berichtet Prof. Dr. med. Jörg Borges, Facharzt für Plastische Chirurgie, im Gespräch mit FITBOOK.

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Körperliche Beschwerden wie Verspannungen und sogar Migräne

Schlupflider beeinflussen jedoch längst nicht immer bloß das optische Erscheinungsbild. Bei ausgeprägten Schlupflidern kann etwa das obere Gesichtsfeld eingeschränkt sein, wenn die herabhängende Haut den Blick nach oben behindert. Andere mögliche körperliche Beschwerden wiederum bringen Betroffene zunächst oft gar nicht mit ihren Schlupflidern in Verbindung.

„Viele unserer Patienten berichten auf Nachfrage von schnell ermüdenden Augen, etwa bei der Bildschirmarbeit oder beim Autofahren“, sagt Prof. Borges zu FITBOOK. Ebenso würden oft Schulter-Nacken-Verspannungen, Spannungskopfschmerzen und sogar Migräne genannt. Doch wie gesagt: erst auf Nachfrage. Den Frauen und Männern, die sich für eine Oberlidstraffung interessieren, sei häufig gar nicht bewusst, dass die Beschwerden im Zusammenhang mit ihren Schlupflidern stehen könnten, betont der Experte.

Wie genau kommen die Beschwerden zustande?

Der Arzt erklärt den möglichen Zusammenhang mit der Mechanik des Sehens. Je nach Ausprägung der Schlupflider versuchen Betroffene – meist unbewusst –, die Augenpartie freizuhalten, indem sie die Augenbrauen anheben. Dies beansprucht die Stirnmuskulatur stärker. Wenn überschüssige Haut auf dem Oberlid das Gesichtsfeld einschränkt, kann diese Muskelaktivität über viele Stunden am Tag anhalten. Und hierher rühren die Verspannungen.

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Oberlidstraffung kann Beschwerden oft lindern

Wichtig: Schlupflider und Migräne können natürlich auch unabhängig voneinander auftreten. „Gerade bei Migräne kommen zahlreiche andere Auslöser infrage“, betont der Arzt.

Hingen allerdings die Beschwerden tatsächlich mit den Schlupflidern zusammen, lassen sie nach einer Oberlidstraffung laut Prof. Borges häufig schon kurz nach dem Eingriff nach. Das berichtet der Arzt aus vielen Jahren Erfahrung. Eine mögliche Erklärung: Wenn die Augenbrauen nicht mehr ständig angehoben werden müssen, um das Sichtfeld freizuhalten, kann sich die Stirnmuskulatur entspannen. Dadurch könnten auch muskulär bedingte Kopfschmerzen und Verspannungen nachlassen.

Kann Botox eine Alternative sein?

Für Betroffene, die sich nicht operieren lassen möchten, kann eine Botox-Behandlung eine mögliche Alternative sein – insbesondere bei bestimmten Kopfschmerz- und Migräneformen. Sie kann die Muskulatur entspannen und Beschwerden lindern. Die Wirkung ist zeitlich begrenzt und hält in der Regel etwa vier bis sechs Monate an. Nach Einschätzung von Prof. Borges könnte eine solche Behandlung auch als Orientierung dienen. Bessern sich die Beschwerden, kann das ein Hinweis auf einen muskulären Zusammenhang sein. Ob eine Oberlidstraffung sinnvoll ist, sollte anschließend ärztlich abgeklärt werden.

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So läuft eine Oberlidstraffung ab

Eine Oberlidstraffung erfolgt in der Regel ambulant unter örtlicher Betäubung. Bei Wunsch erhalten Patienten einen zusätzlichen Dämmerschlaf, also eine leichte Sedierung. Es wird ein feiner Schnitt in die natürliche Lidfalte gesetzt und überschüssige Haut sowie bei Bedarf hervorstehendes Fettgewebe entfernt. Anschließend wird die Wunde mit einer feinen Naht verschlossen. Insgesamt dauert der Eingriff üblicherweise etwa 45 Minuten.

Eine Oberlidstraffung gilt bislang nicht als etablierte Standardbehandlung bei Migräne. Auch wenn Einzelfallberichte von Patienten, die nach jahrelangen Migräneattacken eine deutliche Besserung nach dem Eingriff erlebt haben, bemerkenswert sind und für die Betroffenen eine große Erleichterung bedeuten können, lassen sich solche Erfahrungen nicht ohne Weiteres verallgemeinern. Bei Migränebeschwerden sollten deshalb auch andere mögliche Ursachen und Einflussfaktoren berücksichtigt sowie bewährte neurologische Behandlungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden.

Das sollten Sie beachten, wenn Sie über einen Eingriff nachdenken

Ästhetische Eingriffe können durchaus eine funktionelle oder medizinische Komponente haben. Das gilt nicht nur für Schlupflider, sondern auch beispielsweise für Makromastie (= sehr große Brüste im Verhältnis zur Körpergröße und Statur der Frau), die von Rückenschmerzen über psychische Probleme bis zu verschiedenen Arten von Beschwerden verursachen können. Dagegen berichten viele Betroffene von einer schlagartigen Verbesserung ihrer Leiden nach einer Brustverkleinerung.

Klar ist aber auch: Nicht jedes Schlupflid oder jede andere Abweichung vom persönlichen Schönheitsideal ist automatisch ein gesundheitliches Problem. Und natürlich ist es auch legitim, sich aus ästhetischen Gründen für einen Eingriff zu entscheiden. Wichtig dabei: sich vor einer Operation bewusst mit den möglichen Risiken auseinanderzusetzen und die eigenen Erwartungen realistisch einzuschätzen. Denn ob aus ästhetischen oder medizinischen Gründen, eine OP sollte grundsätzlich gut überlegt sein.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC): Schlupflider - Ursache & Behandlung (aufgerufen am 19.10.2026) ↩︎

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