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Frauen mit Makromastie untersucht

Frauen mit großen Brüsten leiden öfter unter Migräne und Schlafapnoe

Frau mit großen Brüsten hat Migräne
Forscher untersuchten den Zusammenhang zwischen großen Brüsten und verschiedenen neurologischen und schlafbezogenen Störungen Foto: GettyImages/FreshSplash

12. Oktober 2026, 13:59 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Besonders große und dadurch schwere Brüste können bekanntlich Rücken- und Nackenschmerzen begünstigen. Denn das zusätzliche, nach vorn verlagerte Gewicht kann als mechanische Folge die Körperhaltung beeinflussen und so die Belastung von Rücken, Nacken und Schultern erhöhen. Eine Studie hat nun den Zusammenhang zwischen Makromastie, also einer ausgeprägten Vergrößerung des Brustgewebes, und verschiedenen neurologischen wie auch schlafbezogenen Erkrankungen untersucht. Den Ergebnissen zufolge sind Frauen mit großen Brüsten häufiger von mehreren dieser Beschwerdebilder betroffen, darunter Migräne.

Mechanische u. neurologische Beschwerden durch Makromastie

Makromastie (auch Brusthypertrophie genannt) bezeichnet ein übermäßiges Wachstum des Brustgewebes. Eine einheitliche Gewichtsgrenze für die Diagnose gibt es nicht. Doch häufig gilt als grober Orientierungswert ein Gewicht von mehr als 500 Gramm pro Brust. Ausschlaggebend für das Vorliegen einer Makromastie sind neben individueller Ausprägung mögliche körperliche Beschwerden.

Dass eine Makromastie nicht nur Beschwerden des Bewegungsapparats, sondern auch solche des Nervensystems begünstigen kann – etwa Kopfschmerzen –, ist grundsätzlich bekannt. Deshalb berücksichtigen auch Krankenkassen Kopfschmerzen als mögliche Indikation für eine Brustverkleinerung.*

Bislang ist der Zusammenhang zwischen großen Brüsten und bestimmten Kopfschmerzformen, Nackenschmerzen sowie schlafbezogenen Störungen jedoch wenig erforscht. Darauf verweisen die Autoren einleitend in der vorliegenden Untersuchung.1 Ziel der Studie war es, die Beziehung zwischen Makromastie und verschiedenen neurologischen und schlafbezogenen Krankheitsbildern besser zu verstehen.

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Details zur Untersuchung

Im Fokus der Untersuchung standen fünf Krankheitsbilder bzw. Beschwerdeformen:

  • chronische Migräne,
  • Nackenschmerzen,
  • zervikale Radikulopathie,
  • Okzipitalneuralgie
  • und obstruktive Schlafapnoe.

Als zervikale Radikulopathie werden Beschwerden bezeichnet, die als Folge einer Nervenwurzelreizung oder -schädigung im Bereich der Halswirbelsäule entstehen können. Daneben ist die Okzipitalneuralgie eine Nervenschmerzerkrankung – sie führt zu schlagartig auftretenden Schmerzen im Hinterkopf. Bei einer obstruktiven Schlafapnoe können sich während des Schlafs die oberen Atemwege verengen oder verschließen, was zu Atemaussetzern führt, und auch darüber hinaus kann sie ungewünschte gesundheitliche Folgen haben.

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Die Forscher wollten einerseits ermitteln, ob Frauen mit Makromastie öfter von den beschriebenen Krankheitszeichen betroffen sind. Zusätzlich interessierte sie, welche Rolle die verschiedenen Beschwerden bei der Entscheidung für eine Brustverkleinerung spielen. In dieser Absicht verglichen sie innerhalb dieser Gruppe die Operationsraten von Frauen mit und ohne die jeweiligen Diagnosen.

Studiendesign und Methoden

Die Untersuchung war als retrospektive Querschnittsstudie aufgebaut, es wurden also bereits vorhandene medizinische Daten innerhalb eines bestimmten Datensatzes nachträglich ausgewertet. Diese stammten aus Krankenakten von Patientinnen, die im Zeitraum zwischen dem 1. Januar 2017 und dem 31. Dezember 2024 in einer akademischen neurologischen Fachpraxis eine Behandlung erhielten. Insgesamt bezogen die Forscher 347 Frauen mit diagnostizierter Makromastie anhand des ICD-10-Diagnosecodes N62 – dieser steht für eine übermäßige Vergrößerung des Brustgewebes – und 340 Frauen ohne die Diagnose in die Analyse ein.2

Es kam ein spezielles statistisches Verfahren zum Einsatz, um die Gruppen besser vergleichbar zu machen – ein sogenanntes Propensity-Matching. Damit lassen sich Personen anhand ausgewählter Merkmale einander zuordnen. Im vorliegenden Fall erfolgte die Zuordnung nach Alter, ethnischer Zugehörigkeit und Body-Mass-Index (BMI). Bei ihren statistischen Analysen zogen die Forscher auch heran, ob Depressionen oder Angststörungen vorlagen, um deren möglichen Einfluss auf die Ergebnisse zu berücksichtigen.

Mehr neurologische und schlafbezogene Erkrankungen

Die Auswertung ergab, dass Frauen mit Makromastie nach statistischer Anpassung häufiger an mehreren neurologischen und schlafbezogenen Erkrankungen litten als Frauen ohne die Diagnose. Am deutlichsten war der Unterschied bei Beschwerden im Nackenbereich und an der Halswirbelsäule.

Zum Verständnis der Ergebnisse im Überblick: Die adjustierten Prävalenzverhältnisse (aPR) im Folgenden beschreiben, wie häufig eine Erkrankung in einer bestimmten Gruppe im Vergleich zu einer Referenzgruppe auftritt; mögliche Einflussfaktoren sind dabei statistisch berücksichtigt.

  • Chronische Migräne: Bei Frauen mit Makromastie war die angepasste Prävalenz um den Faktor 1,40 höher – das entspricht einer um 40 Prozent höheren Prävalenz (aPR 1,40; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,16–1,68; p = 0,003).
  • Nackenschmerzen: Hier lag das angepasste Prävalenzverhältnis bei 2,04. Nackenschmerzen waren damit bei Frauen mit großen Brüsten etwa doppelt so häufig dokumentiert (aPR 2,04; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,65–2,53; p = 0,003).
  • Zervikale Radikulopathie: Bei dieser Beschwerdeform lag die angepasste Prävalenz um den Faktor 2,38 höher (aPR 2,38; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,39–4,06; p = 0,026).
  • Obstruktive Schlafapnoe: Die angepasste Prävalenz lag um den Faktor 1,54 höher (aPR 1,54; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,23–1,95; p = 0,003).
  • Okzipitalneuralgie: Hier war der Unterschied statistisch nicht signifikant.

Nach der statistischen Berücksichtigung verschiedener Einflussfaktoren bestanden weiterhin Unterschiede zwischen Frauen mit Makromastie und der Kontrollgruppe. Mit großen Brüsten hatten Frauen im Durchschnitt einen höheren BMI, auch waren in dieser Gruppe Depressionen und Angststörungen häufiger dokumentiert.

Es zeigte sich weiterhin, dass Frauen mit Makromastie häufiger eine Brustverkleinerung vornehmen ließen, wenn sie an Nackenschmerzen litten, als Frauen mit großen Brüsten ohne jene Beschwerden. Dieser Zusammenhang bestätigte sich jedoch für die übrigen untersuchten Schmerzdiagnosen nicht.

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Makromastie begünstigt Folgeerkrankungen

An dieser Stelle darf man bereits einräumen, dass aufgrund des Charakters der Studie als Querschnittsstudie, die keinen zeitlichen Verlauf von Erkrankungen systematisch verfolgte, keine sicheren Aussagen über Ursache und Wirkung abgeleitet werden können.

Und doch weisen die Ergebnisse darauf hin, dass bei vorliegender Makromastie bestimmte neurologische bzw. schlafbezogene Erkrankungen häufiger auftreten als bei Frauen mit normalgroßen Brüsten. Chronische Migräne und obstruktive Schlafapnoe waren in der untersuchten Gruppe mit großen Brüsten häufiger dokumentiert. Noch auffälliger jedoch war der Zusammenhang mit Nackenschmerzen und zervikaler Radikulopathie.

Die Beobachtungen legen nahe, dass es für Frauen mit ausgeprägtem Brustwachstum und wiederkehrenden Beschwerden sinnvoll sein kann, die verschiedenen möglichen Ursachen ärztlich abzuklären. Sie sind aber nicht so zu verstehen, dass Kopfschmerzen automatisch auf ein hohes Brustgewicht zurückzuführen sind.

Auch lässt sich aus den Ergebnissen nicht ableiten, dass eine Brustverkleinerung die Lösung ist, um Migräne oder Schlafapnoe zu bekämpfen. Um zu ermitteln, ob sich die Beschwerden nach einer Behandlung der Makromastie verbessern, braucht es weiterführende Studien, die Patientinnen über einen längeren Zeitraum begleiten. Die Beschwerden vor und nach einer Behandlung müssen systematisch erfasst werden.

Zusammenfassend liefert die Studie einen belastbaren Anstoß für die weitere Erforschung der gesundheitlichen Zusammenhänge. In der Diskussion schreiben die Autoren, dass weitere Faktoren wie körperliche Belastungen und Begleiterkrankungen eine Rolle spielen könnten. Die vorliegende Auswertung sagt nicht aus, über welche Mechanismen die beobachteten Zusammenhänge zustande kommen.

Unabhängiger Experte bestätigt die Zusammenhänge

FITBOOK sprach mit Prof. Dr. med. Jörg Borges, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, über die möglichen Folgen einer Makromastie. Aus seiner mehr als 25-jährigen Erfahrung berichtet er von einem breiten Spektrum körperlicher Beschwerden. Dazu gehörten klassischerweise „Schulter-Nackenverspannungen, Schnürfurchen durch den BH, Hautveränderungen und Entzündungen in der Unterbrustfalte“ sowie eine durch die Schonhaltung begünstigte Rundrückenbildung. Weiterhin zählt der Experte Wirbelsäulenbeschwerden, Bandscheibenvorfälle, Gefühlsstörungen an den Händen und Kopfschmerzen bis zu Migräne auf. Hinzu kämen mitunter psychische Beschwerden sowie ein erhöhter Bedarf an physiotherapeutischen Behandlungen, Schmerztherapie oder Schmerzmedikamenten.

»Brustverkleinerung lindert die Beschwerden

Während die vorliegende Studie offenlässt, ob eine Brustverkleinerung die beschriebenen Beschwerden lindern kann, kann Professor Borges aus der Praxis deutliche Verbesserungen nach einem Eingriff attestieren. Insbesondere nach einer „Verkleinerung und Straffung schwerer, hängender Brüste“ ließen die Beschwerden spürbar nach. „Die Patientinnen spüren die deutlich reduzierte Gewichtsbelastung im Schulter-Nacken-Bereich sofort“, erklärt er. Selbst Beschwerden, die über Jahre oder Jahrzehnte bestanden hätten, würden bereits in den ersten Tagen nach der Operation als deutlich gelindert oder vollständig verschwunden beschrieben.

Im Rahmen von Beratungsgesprächen vor einem Eingriff befrage Professor Borges Patientinnen stets gezielt nach den typischen körperlichen Beschwerden, zum Beispiel im Schulter-Nacken-Bereich und am Rücken, erklärt er FITBOOK. Interessant: „Die meisten Patientinnen sehen bis dahin keine Verbindung dieser Beschwerden zu den schweren Brüsten.“ Nach der Operation wird dann doch häufig eine entsprechende Besserung angegeben.

Einschränkungen

Aufgrund des Studiendesigns sind die Ergebnisse nicht so zu deuten, dass die großen Brüste die damit assoziierten Erkrankungen auch verursacht haben. Auch ist einschränkend zu bemerken, dass die ausgewerteten Daten aus einer akademischen neurologischen Fachpraxis stammen. Sie dokumentierten Frauen, die gezielt neurologische Versorgung gesucht haben. Das erschwert die Übertragung der Ergebnisse auf allgemeine Frauen mit Makromastie, insbesondere auf Frauen, die keine entsprechenden Beschwerden haben oder diese zumindest nicht behandeln ließen.

Zudem blieben trotz der statistischen Zuordnung Unterschiede zwischen den Gruppen bestehen. Unter anderem war der mittlere BMI bei Frauen mit Makromastie gemeinhin höher und auch waren bei ihnen psychische Erkrankungen wesentlich häufiger dokumentiert. Diese Faktoren wurden zwar in den Analysen berücksichtigt. Es ist aber nicht auszuschließen, dass darüber hinausgehende, nicht erfasste Einflüsse die Ergebnisse beeinflusst haben.

Zuletzt wurden für die Auswertung in den Krankenakten dokumentierte Diagnosen verwendet. Wenn nun Einträge gefehlt haben oder unvollständig waren, könnte dies die Ergebnisse beeinflusst haben. Zudem fehlen absolute Zahlen dazu, wie viele Frauen von den einzelnen Erkrankungen betroffen waren. Die Ergebnisse weisen somit darauf hin, welche Erkrankungen bei Frauen mit Makromastie häufiger auftraten. Sie erlauben aber keine verlässliche Aussage darüber, wie hoch das persönliche Erkrankungsrisiko einer einzelnen Frau mit großen Brüsten zum Beispiel für Migräne ist.

*Für eine Kostenübernahme reicht ein einziges Symptom meist nicht aus – in der Regel müssen zusätzlich medizinische Befunde vorliegen, die die Notwendigkeit des Eingriffs begründen.

Quellen

  1. Pocock, K., Rigdon, J., Smirnoff, L. et al. (2026). Patterns of head and neck pain and obstructive sleep apnea in women with macromastia: A cross-sectional analysis. Headache ↩︎
  2. Gesund.bund: ICD-Code N62: Hypertrophy of breast (aufgerufen am 9.10.2026) ↩︎

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