29. Juli 2025, 11:46 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Krebserkrankungen im Intimbereich sind zwar selten, können aber jede Frau treffen, auch in jungen Jahren. Weil Scheidenkrebs in seiner Anfangsphase oft keine oder nur sehr unspezifische Symptome zeigt, bleibt er meist lange unentdeckt. „Umso wichtiger ist es, den eigenen Körper gut zu kennen, Warnzeichen ernst zu nehmen und über diese Erkrankungen informiert zu sein“, weiß die Expertin Frau Dr. med. Heidi Gößlinghoff, Frauenärztin und Online-Begleitung für Frauen und Paare mit unerfülltem Kinderwunsch, und klärt bei FITBOOK über die Krebserkrankung auf.
Übersicht
- Was bezeichnet eigentlich Vulva, Vagina und Scheide?
- Was ist Scheidenkrebs?
- Wie sich Scheidenkrebs von Vulvakrebs unterscheidet
- Was das Vaginalkarzinom so tückisch macht
- Welche Symptome können auftreten?
- Bei diesen Anzeichen sollten Sie besser umgehend zum Arzt gehen
- Mögliche Ursachen von Scheidenkrebs
- Wie verläuft die Erkrankung?
- Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
- Wie gut sind die Heilungschancen?
- Ist Scheidenkrebs erblich?
- So können Sie vorbeugen
Was bezeichnet eigentlich Vulva, Vagina und Scheide?
- Die Vulva ist der äußere Teil der weiblichen Geschlechtsorgane. Dazu gehören die äußeren und inneren Schamlippen, der Kitzler (Klitoris), der Scheidenvorhof sowie der Bereich um die Harnröhren- und Scheidenöffnung.
- Die Scheide ist gleichbedeutend mit der Vagina und bezeichnet die inneren Geschlechtsorgane. Genauer gesagt den etwa acht bis zehn Zentimeter langen dehnbaren Muskelkanal, der die Vulva mit der Gebärmutter verbindet.
Was ist Scheidenkrebs?
„Scheidenkrebs (med. Vaginalkarzinom) ist eine äußerst seltene Form von Krebs, die die Schleimhaut im Inneren der Vagina betrifft. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 500 Frauen daran. In über 95 Prozent der Fälle handelt es sich um sogenannte Plattenepithelkarzinome, die aus der obersten Zellschicht der Vaginalschleimhaut entstehen. Seltener sind andere Tumorarten wie Adenokarzinome (aus Drüsenzellen), maligne Melanome (eine Form von Hautkrebs) oder bei Kindern Rhabdomyosarkome, die aus Muskelzellen hervorgehen“, erklärt Frau Dr. Gößlinghoff.
Wie sich Scheidenkrebs von Vulvakrebs unterscheidet
Entscheidend ist der Ort der Entstehung der Krankheit. Entwickelt sich der Tumor in der Vaginalschleimhaut, spricht man von Scheidenkrebs. Liegt ihr Ursprung im äußeren Genitalbereich, handelt es sich um Vulvakrebs (med. Vulvakarzinom).
Was das Vaginalkarzinom so tückisch macht
Frau Dr. Gößlinghoff warnt: „Scheidenkrebs entwickelt sich meist langsam und verursacht zunächst keine Beschwerden. Genau das macht ihn so gefährlich, denn viele Frauen ignorieren erste Anzeichen oder schieben sie auf harmlose Ursachen wie hormonelle Schwankungen oder Reizungen. Dadurch wird der Tumor oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt.“
Welche Symptome können auftreten?
Die Beschwerden bei Scheidenkrebs sind zu Beginn oft unspezifisch oder bleiben ganz aus. Erst im weiteren Verlauf treten Symptome auf, die leicht mit anderen, harmlosen Ursachen verwechselt werden können. Dazu gehören Blutungen außerhalb der Regelblutung, nach dem Geschlechtsverkehr oder nach den Wechseljahren, ebenso wie ungewöhnlicher Ausfluss, der etwa übel riechend oder blutig sein kann. Manche Frauen berichten über Juckreiz, Brennen oder Schmerzen in der Scheide, andere empfinden beim Sex ein unangenehmes Gefühl oder haben Schmerzen. Auch ein Druckgefühl im Becken oder ungeklärte Rückenschmerzen können Hinweise auf eine Erkrankung sein.
Bei diesen Anzeichen sollten Sie besser umgehend zum Arzt gehen
Wenn Sie eines oder mehrere dieser Symptome bei sich feststellen, besonders über mehrere Tage anhaltend, sollten Sie Ihre Gynäkologin oder Ihren Gynäkologen aufsuchen:
- Stärkere Blutungen außerhalb der Menstruation
- Juckreiz oder Brennen, das länger als eine Woche anhält
- Knoten oder Veränderungen, die zu ertasten sind
- Unerklärlicher, auffälliger, übel riechender Ausfluss
- Schmerzen in der Vagina oder im Becken
Mögliche Ursachen von Scheidenkrebs
- Humane Papillomviren (HPV): Vor allem die Hochrisiko-Typen wie HPV 16 und 18 stehen im Verdacht, die Zellveränderungen in der Scheidenschleimhaut auszulösen, die später zu Krebs führen können.
- Rauchen: Nikotin schwächt das Immunsystem und begünstigt krebserregende Prozesse im Körper.
- Frühere Krebserkrankungen: Vor allem Gebärmutterhalskrebs erhöht das Risiko für Vaginalkarzinome.
- Chronische Entzündungen: Sie können im Intimbereich Zellveränderungen begünstigen.
- Alter: Meist tritt Vaginalkrebs ab dem 60. Lebensjahr auf, wobei auch jüngere Frauen betroffen sein können.
- Geschwächtes Immunsystem: etwa durch eine HIV-Infektion oder die Einnahme immunsupprimierender Medikamente.
- Wechselnde Partnerschaften: Auch wechselnde Sexualpartner sowie früher erster Geschlechtsverkehr erhöhen das Risiko, sich mit sexuell übertragbaren Krankheitserregern anzustecken.
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Wie verläuft die Erkrankung?
Die Erkrankung verläuft schleichend. Zunächst zeigen sich oft sogenannte präkanzeröse Veränderungen, abnorme Zellveränderungen, die sich zu Krebs entwickeln können. Ohne Behandlung kann daraus ein invasiver Tumor entstehen, der in umliegendes Gewebe einwächst und sich über das Lymphsystem oder Blutgefäße ausbreitet.
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Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
„Die Behandlung von Scheidenkrebs richtet sich immer individuell nach dem Stadium der Erkrankung, der genauen Lage und Ausbreitung des Tumors sowie dem allgemeinen Gesundheitszustand der Patientin. Häufig kommt eine Operation zum Einsatz, bei der der Tumor sowie in fortgeschrittenen Fällen auch Teile der Vagina oder angrenzende Organe entfernt werden. Ist eine Operation nicht möglich oder der Tumor bereits größer, wird oft eine Strahlentherapie durchgeführt. Ergänzend kann auch eine Chemotherapie notwendig sein, insbesondere wenn der Krebs bereits Metastasen gebildet hat. In bestimmten Fällen, etwa bei HPV-bedingten Tumoren, kann zusätzlich eine Immuntherapie zum Einsatz kommen“, so Frau Dr. Gösslinghoff.
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Wie gut sind die Heilungschancen?
Wird Scheidenkrebs früh erkannt, sind die Heilungschancen gut. In frühen Stadien liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei etwa 70 bis 90 Prozent. In fortgeschrittenen Stadien sinkt sie jedoch deutlich, speziell wenn Metastasen vorliegen.
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Ist Scheidenkrebs erblich?
Direkt vererbbar ist Scheidenkrebs in der Regel nicht. Allerdings kann eine genetische Veranlagung das Risiko für HPV-bedingte Tumore oder Immunschwächen erhöhen und somit indirekt die Wahrscheinlichkeit steigern.
So können Sie vorbeugen
- HPV-Impfung: Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für Mädchen und Jungen ab neun Jahren. Sie schützt zuverlässig vor den häufigsten krebsauslösenden HPV-Typen.
- Regelmäßige Check-ups: Abstriche und gynäkologische Vorsorgeuntersuchungen helfen, Zellveränderungen frühzeitig zu erkennen.
- Nicht rauchen: Verzicht auf Nikotin senkt das Risiko deutlich.
- Sanfte Intimhygiene: Milde Reinigung und atmungsaktive Kleidung schützen die Schleimhäute.
- Safer Sex: Kondome verringern das Ansteckungsrisiko mit HPV, auch wenn sie keinen hundertprozentigen Schutz bieten.