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Hypothalamische Amenorrhö

Alarmzeichen des Körpers! Wenn die Periode wegen zu viel Sport ausbleibt

Die Periode kann bedingt durch zu viel Training und zu strenge Ernährung ausbleiben
Das Ausbleiben der Menstruation – in der Medizin Amenorrhö genannt – kann auch mit dem Lebensstil zu tun haben. Foto: Getty Images
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Nina Ponath
Freie Autorin

6. März 2026, 10:58 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Disziplin beim Training, eine gesunde Ernährung und ein Körperfettanteil unterhalb der 20 Prozent: Klingt gesund, oder? Mitunter ist es das aber nicht. Zu viel Sport, kombiniert mit einer strengen Ernährung, kann den weiblichen Körper so aus dem Gleichgewicht bringen, dass die Periode ausbleibt. Warum das ein echtes Alarmsignal ist, das wir nicht ignorieren sollten, hat FITBOOK-Autorin Nina Ponath einen Gynäkologen gefragt.

Die Schritte werden getrackt, Ernährung und Makronährstoffe ohnehin, und nebenbei wird für den Marathon trainiert. Perfektionismus gehört für viele Sportlerinnen und Hobby-Athletinnen zum Alltag. Ein entscheidender Marker für die weibliche Gesundheit wird in all der Selbstoptimierung dabei jedoch oft übersehen: der Menstruationszyklus. Wenn die Periode ausbleibt, mag das für sportlich ambitionierte Frauen erst mal ganz praktisch erscheinen. Keine Müdigkeit mehr, keine Abgeschlagenheit durch die Menstruation.

„Gesund ist das nicht“, sagt Frauenarzt Dr. Konstantin Wagner. Es handele sich um einen „notfallmäßigen Energiesparmodus des Körpers“. In der Medizin spricht man hier von der „sekundären Amenorrhö“ oder konkreter von der „hypothalamischen Amenorrhö“.

Auch interessant: Autorin: »Wie Pille und Hormonspirale mir bei Endometriose halfen

Was ist die sekundäre hypothalamische Amenorrhö?

Von einer sekundären Amenorrhö spricht man, wenn die Periode bei einer Frau, die zuvor einen Zyklus hatte, für mindestens drei bis sechs Monate ausbleibt. Die häufigste Form bei Sportlerinnen ist die hypothalamische Amenorrhö (HA).

Bei dieser Form liegt das Problem in der Schaltzentrale unseres Gehirns: dem Hypothalamus. Er ist das Regulationszentrum für hormonelle Vorgänge, Hunger, Sättigung und Stress. Wenn wir dem Körper zu viel abverlangen – sei es durch exzessives Training, zu wenig Kalorien oder chronischen psychischen Stress –, zieht der Hypothalamus die Reißleine: Der Körper erkennt, dass nicht genug Energie vorhanden ist, um sowohl das tägliche Training zu bewältigen als auch potenziell ein neues Leben zu erhalten, wie es bei einer Schwangerschaft der Fall ist.

In einer Phase, die der Körper als „Hungersnot“ oder „Dauerflucht“ (Stress) interpretiert, wäre eine Fortpflanzung lebensgefährlich. Deshalb wird die Produktion von Östrogen und Progesteron vorübergehend eingestellt und die Periode bleibt als eine Art evolutionärer Selbstschutz aus. „In diesem Zustand besteht tatsächlich ein relativer Hormonmangel, der auf lange Sicht gesundheitliche Risiken birgt, insbesondere für Knochen, Gefäße und langfristig die Fertilität“, erklärt Dr. Wagner.

Auch interessant: Je länger Frauen ohne Östrogen leben müssen, umso schlechter für Herz und Gehirn

Die Risiken: Mehr als nur ein ausbleibender Kinderwunsch

Wer denkt, die fehlende Periode sei nur ein Problem, wenn man schwanger werden will, irrt gewaltig. Ein langfristiger Östrogenmangel hat massive Auswirkungen:

  • Knochengesundheit: Das Risiko für Osteoporose und Stressfrakturen steigt rapide.
  • Herz-Kreislauf: Östrogen schützt unsere Gefäße. Fehlt es, steigt das Risiko für Arterienverkalkung.
  • Psyche: Hormonelle Instabilität führt oft zu depressiven Verstimmungen und extremer Antriebslosigkeit.

Rein äußerlich ist die hypothalamische Amenorrhö nicht zwangsläufig erkennbar. Man muss nicht untergewichtig sein, um betroffen zu sein. Auch Frauen, die optisch fit wirken, können in diesen Zustand rutschen, wenn die „Energieverfügbarkeit“ nicht stimmt – also wenn das Verhältnis von aufgenommenen Kalorien zu verbrauchter Energie durch Sport nicht passt. „Auch leistungsorientierte Sportlerinnen ohne sichtbares Untergewicht können betroffen sein“, bestätigt Dr. Wagner. Der BMI muss dabei nicht zwangsläufig zu niedrig sein.

Um die Periode wiederherzustellen, lassen sich manche Frauen die Pille, oder spezielle Präparate wie Östrogensalben oder Progesteron-Tabletten verschreiben. So wird die Hormonproduktion wieder angeregt und die Folgen, die ein Hormonmangel mit sich bringt, wie Osteoporose und Risiken für das Herz-Kreislauf-System, werden gemildert. Sich die Pille verschreiben zu lassen oder den Mangel gezielt mit Hormonpräparaten auszugleichen, ohne das Pensum zu reduzieren, sei jedoch keine dauerhafte Lösung. „Bei solchen Hormonen handelt es sich um hochpotente Medikamente, die nur nach klarer Indikationsstellung eingesetzt werden sollten“, sagt Dr. Wagner. Ziel müsse es immer sein, das eigene hormonelle Geschehen wieder zu reaktivieren, statt nur künstlich eine Blutung herbeizuführen.

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Was ist jetzt zu tun? Die Strategie zur Heilung

Wenn der Zyklus ausbleibt, sollte der erste Weg zum Frauenarzt führen, um organische Ursachen (wie das PCO-Syndrom oder Schilddrüsenprobleme) auszuschließen. Ist die Diagnose HA gesichert, können die folgenden Maßnahmen helfen.

  1. Sportpensum drastisch reduzieren
    Es bringt nichts, sich anzulügen. Wer täglich zwei Stunden trainiert und keine Periode hat, tut zu viel. Eine Reduktion auf moderate Bewegung (Yoga, Spaziergänge) für eine gewisse Zeit ist oft unumgänglich, um dem Hypothalamus zu signalisieren: Die Gefahr ist vorbei.
  2. Kalorienzufuhr erhöhen
    Hormone benötigen Fett und Energie. Oft hilft es, die Zufuhr von gesunden Fetten und Kohlenhydraten massiv zu steigern. Der Körper muss lernen, dass wieder genug „Brennstoff“ da ist.
  3. Stressmanagement
    Hormone reagieren extrem sensibel auf Cortisol. Schlaf, Entspannung und das Lösen von psychischem Druck sind genauso wichtig wie das Essen.

Je länger die hypothalamische Amenorrhö anhält, desto ungünstiger ist dies für die Gesundheit. Bleibt die Periode nur ein paar Monate aus, sind die Folgen oft nicht so verheerend, wie wenn die Periode über Jahre ausbleibt. Die hypothalamische Amenorrhö sollte unbedingt behandelt werden. Eine künstlich induzierte Blutung durch die Pille löst das Grundproblem des Energiemangels nicht.

Fazit

Zu viel Sport und Strenge gegenüber dem Körper sind kein Zeichen von besonderer Fitness und Disziplin, sondern können den weiblichen Körper massiv stressen. Wahre Stärke bedeutet in diesem Fall nicht, noch eine Schippe draufzulegen, sondern einen Schritt zurückzutreten.

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