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PCSK9-Hemmer

Neues Medikament soll Herzinfarkt-Risiko um 36 Prozent senken

PCSK9-Hemmer erfolgreich in Studien
Der PCSK9-Hemmer Repatha schützt offenbar vor einem Erstinfarkt. Das Pharmaunternehmen Merck testet gerade eine Pille mit ähnlicher Wirkung. Foto: Getty Images
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Anna Echtermeyer
Redakteurin

10. November 2025, 13:30 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sind die Haupttodesursache weltweit. Sogenannte PCSK9-Hemmer zur Senkung des Cholesterinspiegels, die bisher vor allem bei Hochrisikopatienten eingesetzt werden, sollen sogar präventiv wirken. Für den breiten Einsatz könnte es das Medikament bald als Tablette geben.

Studie: Cholesterin-Medikament Repatha soll Risiko für ersten Herzinfarkt um 36 Prozent senken

Das Cholesterin-Medikament Repatha des US-Pharmakonzerns Amgen senkt das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall um 25 Prozent. Das geht aus einer Phase-3-Studie mit mehr als 12.000 Teilnehmern hervor, die man nun auf der American Heart Association Scientific Session in New Orleans vorgestellt hat.1

Repatha soll auch das Risiko für einen ersten Herzinfarkt um 36 Prozent verringern. Repatha ist damit der erste und einzige sogenannte PCSK9-Hemmer, der diesen präventiven Effekt belegt, sagte Jay Bradner, Forschungschef des Herstellers Amgen.2

Das Medikament, das damit einen wichtigen Schritt zur Zulassung genommen hat, wird gespritzt. Forscher testeten das Medikament an Erwachsenen mit hohem kardiovaskulärem Risiko, die noch keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hatten.

Auch interessant: Dieser nächtliche Faktor erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

So wirken PCSK9-Hemmer im Blut

Und so funktioniert der Mechanismus: PCSK9 ist ein Enzym, das in der Leber dafür sorgt, dass LDL-Rezeptoren abgebaut werden. Je weniger Rezeptoren, desto mehr LDL-Cholesterin schwimmt im Blut. Repatha blockiert PCSK9, wodurch die Rezeptoren aktiv bleiben. In der Folge verschwindet mehr LDL-Cholesterin aus dem Blut.

Die Rolle von LDL-Cholesterin (Low Density Lipoprotein) bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist gut belegt: Indem es den fettartigen Naturstoff Cholesterin aus der Leber in verschiedene Gewebe transportiert, steigert es das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall. Niedriges LDL-Cholesterin kann das Demenzrisiko verringern. Welches Anzeichen auf zu hohe Cholesterinwerte hinweisen kann, lesen Sie hier.

In den USA und Europa ist Repata bereits auf dem Markt. Seit August 2025 darf Repatha nun auch in den USA bei Erwachsenen mit erhöhtem Risiko für große kardiovaskuläre Ereignisse aufgrund eines unkontrollierten LDL-Cholesterins eingesetzt werden – ohne dass vorher schon eine Herz-Kreislauf-Erkrankung bestehen muss.

Merck entwickelt PCSK9-Hemmer in Pillenform

Repatha hat einen Nachteil: Es muss gespritzt werden. Viele Menschen scheuen das. Das Pharmaunternehmen Merck entwickelt deshalb einen PCSK9-Hemmer, den man einmal täglich als Tablette einnehmen kann. Die neue Pille soll den LDL-Cholesterinspiegel ähnlich stark senken wie injizierbare Präparate, berichtete die „New York Times“ unter Berufung auf eine derzeit nicht zugängliche Phase-3-Studie.

Laut dem Hersteller Merck habe Enlicitide – so der Name des Medikaments – in einer Studie mit rund 2.900 Teilnehmern gezeigt, dass es das LDL-Cholesterin signifikant senken konnte innerhalb von 24 Wochen – die Rede ist von einer LDL-Absenkung von 56 bis 60 Prozent. Auch habe sich für Risikopatienten im ersten Jahr das Herzinfark-Risiko um bis zu 20 Prozent verringert, heißt es weiter.3

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Tablette zur Senkung des LDL-Wertes könnte 2027 auf den Markt kommen

Enlicitide, noch in der Entwicklung, ist laut Hersteller gut verträglich. Das ist ein wichtiger Faktor, denn viele Menschen vertragen Statine, die bisher standardmäßig zur Senkung des LDL-Cholesterins und zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall eingesetzt werden, nicht gut. Zu den häufigen Nebenwirkungen von Statinen gehören Muskelkrämpfe und –schmerzen.4 In Deutschland nehmen fast fünf Millionen Menschen Wirkstoffe wie Atorvastatin und Fluvastatin ein.

Anfang 2026 will Merck die Zulassung für Enlicitide in den USA beantragen. Man hofft, das Medikament 2027 auf den Markt bringen zu können.

Wie hoch darf der LDL-Cholesterin-Wert sein?

Ob Repatha als Spritze oder künftig Enlicitide als Tablette – beide zielen darauf ab, den LDL-Cholesterinwert wirksam zu senken. Doch ab wann gilt der LDL-Spiegel eigentlich als zu hoch? Und welche Zielwerte sollten Menschen mit erhöhtem Risiko im Blick behalten?

Wie der Ernährungsmediziner Matthias Riedl FITBOOK an anderer Stelle mitteilte, sollte der Wert für das Gesamtcholesterin unter 200 mg/dL liegen. Das LDL-Cholesterin sollte einen Wert von 150 mg/dL nicht überschreiten. Bei Rauchern, Menschen mit Bluthochdruck oder Übergewicht sei jedoch ein Wert von 100 mg/dL besser, um das Herzkreislauf-Risiko zu senken.

Quellen

  1. Reuters: Amgen cholesterol drug cuts risk of first cardiac event by 25% (aufgerufen am 10.11.2025) ↩︎
  2. Amgen: AMGEN'S LANDMARK PHASE 3 REPATHA DATA TO BE PRESENTED AS LATE BREAKER AT THE AMERICAN HEART ASSOCIATION SCIENTIFIC SESSIONS 2025 (aufgerufen am 10.11.2025) ↩︎
  3. Merck: Merck’s Enlicitide Decanoate, an Investigational Oral PCSK9 Inhibitor, Significantly Reduced LDL-C in Phase 3 CORALreef Lipids Trial. (aufgerufen am 10.11.2025) ↩︎
  4. Max Delbrück Center: Was Statine mit den Muskeln machen (2020, aufgerufen am 10.11.2025) ↩︎

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