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Studie zeigt

Welche Zahnfleischprobleme mit Demenz und Alzheimer verbunden sind

Parodontitis wird im Zusammenhang mit Alzheimer erforscht
Parodontitis ist eine der weltweit am weitesten verbreiteten chronischen Erkrankungen – und sie soll das Risiko für Alzheimer erhöhen Foto: Getty Images

18. September 2026, 13:44 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Dass eine Beziehung zwischen der Gesundheit des Zahnhalteapparats, insbesondere Zahnfleischentzündungen, und Demenzerkrankungen besteht, ist nicht neu. Eine aktuelle Langzeitstudie hat nun genauer untersucht, welche Merkmale einer Parodontitis besonders eng mit dem späteren Risiko für Demenz und Alzheimer verbunden sind. Die Ergebnisse liefern dabei neue Hinweise auf die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Aspekten einer Parodontitis und unterschiedlichen Demenzformen.

Bereits frühere Untersuchungen brachten Parodontitis und bestimmte Mundbakterien wie Porphyromonas gingivalis mit einem erhöhten Risiko für Demenzerkrankungen und Alzheimer in Verbindung.1,2 Entsprechend könnte regelmäßiges Zähneputzen nicht nur für gesunde Zähne wichtig sein, sondern möglicherweise auch für die kognitive Gesundheit eine Rolle spielen. Auch ein Zusammenhang zwischen Zahnverlust und einem erhöhten Demenzrisiko wurde bereits beschrieben.3 Wie genau diese Verbindungen zustande kommen, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt. So bleibt etwa offen, ob Veränderungen der Mundflora Ursache oder Folge kognitiver Beeinträchtigungen sind. Auch Faktoren wie die Ernährung könnten eine Rolle spielen.

Eine aktuelle Langzeitstudie hat den Zusammenhang genauer untersucht.4 Im Fokus stand dabei die Frage, welche Anzeichen einer Parodontitis mit dem späteren Auftreten von Demenz und Alzheimer in Verbindung stehen könnten.

Details zur Untersuchung

Die Untersuchung basiert auf Daten der Hisayama Study, einer seit 1961 laufenden bevölkerungsbezogenen Langzeitstudie in der gleichnamigen Gemeinde im Süden Japans.5 Für die aktuelle Auswertung wurden Menschen ab 60 Jahren berücksichtigt. Die Ausgangsuntersuchung fand in den Jahren 2007 und 2008 statt.

Von den zunächst 2002 Teilnehmern schlossen die Autoren unter anderem Personen aus, bei denen bereits eine Demenz vorlag. Ebenso war das Fehlen von Angaben zur Mundgesundheit oder anderer relevanter Daten ein Ausschlusskriterium. Ferner konnten Probanden nicht berücksichtigt werden, wenn sie keine eigenen Zähne mehr besaßen. In die Auswertung flossen schließlich 1396 Personen ein, genauer 622 Männer und 774 Frauen.

Der Beobachtungszeitraum lief bis zum 30. November 2017, er erstreckte sich also insgesamt über mehr als zehn Jahre. Die Nachbeobachtungszeit lag im Mittel bei 3753 Tagen, also etwa 10,3 Jahren.

Erfassung der Zahngesundheit sowie des Vorliegens einer Demenzerkrankung

Um den Zustand des Zahnhalteapparats zu erfassen, zogen die Forscher verschiedene Messwerte heran. Dazu gehörten die mittlere Taschentiefe am Zahnfleisch und der klinische Attachmentverlust – dieser Wert (CAL) gibt an, wie stark die Verankerung des Zahns im Zahnhalteapparat zurückgegangen ist. Ebenso fand der Anteil der untersuchten Stellen am Zahnfleisch, die bei der Untersuchung bluteten, Berücksichtigung. Zusätzlich ermittelten die Forscher, ob eine Parodontitis gemäß der seit 2018 einheitlich auf der ganzen Welt geltenden Klassifikationen vorlag.6

Im Gegensatz zu vielen früheren Studien, die nur auf anonyme Daten von Krankenkassen zurückgriffen, wurden die Teilnehmer in dieser japanischen Langzeitstudie von Zahnärzten direkt vor Ort klinisch untersucht.

Die Demenzdiagnosen wurden ebenfalls anhand festgelegter diagnostischer Kriterien gestellt und von Fachärzten durch hochpräzise Gehirn-Scans (wie MRT oder CT) oder Gewebeuntersuchungen überprüft. Medizinische Informationen und, sofern vorhanden, bildgebende Untersuchungen des Gehirns bezogen die Forscher auch in die Untersuchung ein. Die statistische Auswertung berücksichtigte unter anderem Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Blutdruck, Diabetes, Körpergewicht, Rauchen, Alkoholkonsum, Bewegung und die Zahl vorhandener Zähne.

Bestimmte Zahnfleischveränderungen stärker mit Demenz assoziiert

Während des Beobachtungszeitraums entwickelten 267 der 1396 Teilnehmer eine Demenz. Darunter waren 194 Fälle von Alzheimer-Demenz und 51 Fälle von vaskulärer Demenz. Zweitgenannte Form entsteht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn, bei denen Gefäßschäden das Gewebe nicht mehr richtig mit Blut versorgen; FITBOOK geht hier näher darauf ein. Bei 15 Personen traten beide Formen auf – diese Fälle wurden bei den jeweiligen Auswertungen beiden Gruppen zugerechnet.

Bei der Betrachtung aller Demenzerkrankungen zeigte sich: Verschiedene Messwerte, die den Zustand des Zahnfleisches und Zahnhalteapparats beschreiben, standen mit einem höheren Demenzrisiko in Verbindung. So hatten Teilnehmer mit der größten durchschnittlichen Zahnfleischtaschentiefe ein rund 1,7-fach höheres Demenzrisiko als jene mit den geringsten Werten. Auch ein stärkerer Verlust der Verankerung des Zahns im Zahnhalteapparat sowie ein höherer Anteil blutender Stellen gingen mit einem erhöhten Risiko einher.

Verbindung zwischen Alzheimer-Demenz und Zahnfleischbluten

Bei Alzheimer-Demenz zeigte sich insbesondere ein Zusammenhang mit Zahnfleischbluten. Teilnehmer mit dem höchsten Anteil blutender Stellen hatten ein rund 1,6-fach höheres Risiko als diejenigen mit dem niedrigsten Anteil. Für die vaskuläre Demenz war die Aussagekraft aufgrund der deutlich geringeren Zahl an Fällen eingeschränkter: Von den 1396 Teilnehmern entwickelten nur 51 diese Demenzform. Zwar deuteten die Ergebnisse teilweise auf einen Zusammenhang mit einer größeren Zahnfleischtaschentiefe hin, dieser war in einer der Auswertungen statistisch nicht eindeutig. Bei einer anderen Analyse, bei der die Taschentiefe als kontinuierlicher Messwert betrachtet wurde, zeigte sich dagegen ein statistisch signifikanter Zusammenhang.

Auch wenn wiederholte Messungen des Zahnfleischzustands berücksichtigt wurden, blieb der grundsätzliche Befund bestehen: Ein schlechterer Zustand des Zahnhalteapparats war mit einem höheren Risiko für eine Demenz insgesamt verbunden.

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Bedeutung der Ergebnisse

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass der Zustand des Zahnhalteapparats bei älteren Menschen mit dem späteren Auftreten einer Demenz zusammenhängen könnte. Bemerkenswert ist dabei, dass die Forscher nicht nur eine einzelne Definition von Parodontitis betrachteten, sondern verschiedene objektiv messbare Aspekte der Gesundheit von Zahnfleisch und Zahnhalteapparat.

Vor allem Marker für aktive, fortschreitende Entzündungen – wie aktuell blutendes Zahnfleisch oder vertiefte Zahnfleischtaschen – standen im Zusammenhang mit den spezifischen Demenz-Subtypen. Der reine Gewebeverlust aus der Vergangenheit (der sogenannte Attachmentverlust) zeigte diesen spezifischen Zusammenhang in den Basisanalysen hingegen nicht.

Als mögliche Erklärung für den beobachteten Zusammenhang nennen die Autoren entzündliche Prozesse. Wie FITBOOK in diesem Beitrag näher erklärt, reagiert bei einer Parodontitis das Immunsystem auf die Entzündung im Gewebe rund um die Zähne. Dies führt unter anderem zu einer Freisetzung von Botenstoffen, die Entzündungsreaktionen fördern. Denkbar ist, dass solche Prozesse über den Blutkreislauf auch das Gehirn beeinflussen. Eine länger andauernde Entzündungsaktivität könnte dabei unter anderem die Blut-Hirn-Schranke beeinträchtigen und Entzündungen im Gehirn begünstigen.

Bei der vaskulären Demenz ist ein Einfluss auf die Blutgefäße denkbar. Entzündungen und bakterielle Belastungen im Zusammenhang mit Parodontitis könnten die Gefäßfunktion beeinträchtigen. Dadurch könnten sich auch die Durchblutung und die Gefäßgesundheit des Gehirns verändern.

Wichtig: Aus den Ergebnissen lässt sich nicht direkt ableiten, dass Parodontitis eine Demenz oder Alzheimer verursacht. Die Studie zeigt einen statistischen Zusammenhang – sie liefert Hinweise auf mögliche biologische Mechanismen. Welche Rolle die Mundgesundheit bei der Entstehung verschiedener Demenzformen tatsächlich spielt, muss weiter untersucht werden.

Einschränkungen

Die größte Stärke der Untersuchung besteht in dem langen Beobachtungszeitraum. Es ist aber auch auf Einschränkungen hinzuweisen.

So war eben die Zahl der Teilnehmer mit vaskulärer Demenz vergleichsweise gering, was die Aussagekraft für diese Demenzform entsprechend begrenzt. Zudem könnten verschiedene nicht erfasste Faktoren die Ergebnisse beeinflusst haben. Es fehlten etwa Informationen zum Ernährungszustand und zu etwaigen Depressionen der Probanden. Depressionen können selbst mit einem erhöhten Demenzrisiko zusammenhängen, und möglicherweise auch mit der Mundgesundheit.

Weiterhin war auch die Untersuchung des Zahnhalteapparats nicht vollständig. Bestimmte Stellen an der Zungen- und Gaumenseite wurden nicht erfasst. Dadurch könnte das tatsächliche Ausmaß einer Parodontitis unterschätzt worden sein. Hinzu kommt, dass alle Teilnehmer aus derselben japanischen Gemeinde stammten. Ob sich die Ergebnisse daher auf andere Bevölkerungsgruppen und Länder übertragen lassen, bleibt offen.

Quellen

  1. Dominy, S., Lynch, C., Ermini, F. et al. (2019). Porphyromonas gingivalis in Alzheimer's disease brains: Evidence for disease causation and treatment with small-molecule inhibitors. Sci Adv. ↩︎
  2. Kamer, A. R., Pushalkar, S., Gulivindala, D. et al (2021). Periodontal dysbiosis associates with reduced CSF Aβ42 in cognitively normal elderly. Alzheimer's & dementia. ↩︎
  3. Asher, S., Stephen, R., Mäntylä, P. et al. (2022). Periodontal health, cognitive decline, and dementia: A systematic review and meta-analysis of longitudinal studies. The Journal of the American Geriatrics Society ↩︎
  4. Furuta, M., Ohara, T., Sakata, S. et al. (2026). Periodontal Status and the Risk of All-Cause Dementia, Alzheimer's Disease and Vascular Dementia in a Community: The Hisayama Study. Journal of Clinical Periodontology ↩︎
  5. The Hisayama Study (aufgerufen am 18.9.2026) ↩︎
  6. Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO): Parodontitis Diagnose (aufgerufen am 18.9.2026) ↩︎

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