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Beeinflusst die Gene

Der erstaunliche Grund, warum Sie laut Studie O-Saft trinken sollten

Der Konsum von Orangensaft hat offenbar Einfluss auf die Gene
Tägliches Trinken von Orangensaft hat laut Studie einen messbaren Einfluss auf die Aktivität verschiedener Gene Foto: Getty Images
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11. November 2025, 16:08 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Fruchtsaft ist zuletzt ein wenig in Verruf geraten – unter anderem, weil er wegen seines geringen Ballaststoffgehalts zu einem schnellen Anstieg des Blutzuckerspiegels führen soll. Doch bei einer bestimmten Sorte könnten die positiven Eigenschaften die negativen überwiegen. FITBOOK geht näher auf die Ergebnisse einer Studie ein, der zufolge täglich getrunkener Orangensaft die Gene, die mit der Herzgesundheit in Zusammenhang stehen, günstig beeinflussen kann.

Studie zum Effekt von Orangensaft auf die Gene

Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes gehören zu den häufigsten Ursachen vorzeitiger Todesfälle, wie die Forscher einleitend schreiben.1 Dies gelte für Brasilien, wo die Untersuchung vorgenommen wurde, ebenso wie für andere Teile der Welt. Eine zentrale Rolle für das Erkrankungsrisiko spiele die Ernährung. Der regelmäßige Konsum von Fett, Zucker und Salz kann die Wahrscheinlichkeit für kardiometabolische Ereignisse maßgeblich erhöhen. „Im Gegensatz dazu wird eine Ernährung, die (…) viel Obst und Gemüse enthält, mit einer besseren Gesundheit in Verbindung gebracht“, schreiben die Autoren.

Orangensaft ist ein verbreitetes Getränk in Brasilien. Er gilt als Quelle wertvoller Flavanone – eine Untergruppe der Flavonoide – mit nachgewiesener antioxidativer und entzündungshemmender Wirkung. Ziel der Untersuchung war es nun, die konkreten Auswirkungen regelmäßigen Orangensaftkonsums auf die Aktivität bestimmter Gene – und somit in früheren Studien beobachtete Gesundheitswirkungen – besser zu verstehen.2

Ablauf der Untersuchung

Wie wirkt der regelmäßige Konsum von Orangensaft auf molekularer Ebene, speziell in Bezug auf das Herz-Kreislauf-System und Stoffwechselprozesse? Um das herauszufinden, rekrutierte das Forscherteam 20 gesunde Erwachsene im Alter zwischen 21 und 36 Jahren aus einer bereits laufenden Untersuchung. Vor Beginn der Intervention sollten diese drei Tage lang Zitrusfrüchte und auch andere bekanntermaßen flavonoidreiche Lebensmittel (dazu zählen etwa grüner Tee und Kakao) meiden. Diese Auslassperiode diente dazu, die Wirkung des später gezielt konsumierten Orangensafts klar messbar zu machen.

Die Probanden sollten 60 Tage lang täglich einen halben Liter gekühlten Orangensaft trinken, verteilt auf zwei Portionen am Tag. Die Forscher blieben in dieser Zeit telefonisch mit den Frauen und Männern in Kontakt, um die Einhaltung der Untersuchungsvorgaben zu überwachen. Den Probanden wurde einmal vor Beginn der Orangensaft-Phase, nach zwölfstündigem Fasten, und erneut am Ende der Intervention Blut abgenommen. Aus diesen Proben isolierten die Forscher die mononukleären Blutzellen (PBMCs): Immunzellen, die als wichtiger Indikator für Stoffwechselprozesse gelten. Anschließend analysierten sie genauer, welche Gene in den betrachteten Zellen aktiv waren.

Auch interessant: Dickmacher Orangensaft? Warum der Zeitpunkt des Konsums entscheidend ist

Weniger Entzündungen, bessere Fettwerte und Blutdruck

Die Auswertung zeigte nach der rund zweimonatigenen Orangensaft-Phase eine deutlich veränderte Aktivität von mehr als 1700 Genen. Besonders auffällig war, dass viele Gene, die mit Entzündungsprozessen in Verbindung stehen (z. B. IL1B und IL6), nach dem Konsum von Orangensaft wie heruntergeregelt waren: ihre Aktivität hatte sich verringert.

Dies könnte die Ergebnisse früherer Studien erklären, in denen Orangensaft eine entzündungshemmende Wirkung zeigte, schreiben die Autoren. Auch Gene, die an der Fettbildung und am Energiestoffwechsel beteiligt sind (GSK3B, NAMPT und SGK1), wurden beeinflusst. Zudem zeigten sich Veränderungen in Signalwegen, die die Blutdruckregulation steuern, etwa über das Renin-Angiotensin-System.

Außerdem hatte das kontrollierte Orangensaft-Trinken zahlreiche kleine genetische Steuerungsfaktoren beeinflusst, etwa Mikro-RNAs und lange nicht kodierende RNAs. Mikro-RNAs sind winzige RNA-Moleküle, die nicht direkt Proteine codieren, sondern als eine Art genetische Steuerungswerkzeuge agieren. Sie binden an die Boten-RNAs (mRNA) von Genen, wodurch sie deren Abbau fördern oder deren Übersetzung in Proteine blockieren können. Besonders betroffen waren Signalwege, die Entzündungen, Blutdruck und Fettstoffwechsel steuern.

Vereinfacht ausgedrückt scheint der regelmäßige Konsum von Orangensaft das genetische Programm so zu beeinflussen, dass Entzündungsprozesse im Körper reduziert werden, die Fettverbrennung verbessert wird und sich der Blutdruck stabilisiert.

Orangensaft scheint bei jedem etwas anders zu wirken

Als spannend heben die Autoren auch den Vergleich zwischen normalgewichtigen und übergewichtigen Studienteilnehmern hervor: Beide Gruppen reagierten demnach unterschiedlich auf den Saft. Bei normalgewichtigen Personen veränderten sich offenbar insbesondere Gene, die Entzündungen fördern können. Bei den übergewichtigen Probanden hingegen zeigten sich stärkere Veränderungen im Bereich der Gene, die den Fettstoffwechsel und die Energiespeicherung beeinflussen.

Die Autoren interpretieren dies so, dass der Körper abhängig vom individuellen Ausgangszustand des Stoffwechsels spezifisch auf die bioaktiven Stoffe im Orangensaft reagiert. Doch welche Mechanismen stecken dahinter?

Wie wirkt der Orangensaft auf die Gene?

Um zu verstehen, wie die Inhaltsstoffe von Orangensaft so tiefgreifenden Einfluss auf die Zellen haben könnten, simulierten die Forscher am Computer, wie bestimmte Flavanon-Metaboliten – Abbauprodukte von Hesperetin und Naringenin – an Transkriptionsfaktoren andocken könnten. Transkriptionsfaktoren sind Proteine, die die Genexpression regulieren, sie können Gene ein- oder ausschalten. Die Berechnungen zeigten, dass einige Pflanzenstoffe aus Orangensaft theoretisch an Schlüsselproteine wie NF-κB, PPARα oder AHR binden könnten. Diese Moleküle steuern Entzündungen und Stoffwechselprozesse. Solche „molekularen Andockstellen“ könnten erklären, wie ein einfaches Lebensmittel direkt in die Gensteuerung eingreifen kann.

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Warum Orangensaft die Herz-Kreislauf-Gesundheit fördern könnte

Die Ergebnisse der Untersuchung legen nahe, dass ein alltägliches Lebensmittel wie Orangensaft auf molekularer Ebene wirken kann. Die beobachteten Veränderungen im Bereich der Gene und der regulatorischen RNA betreffen Signalwege, die den Blutdruck, Entzündungen und den Fettstoffwechsel steuern. Folglich könnte der tägliche Konsum von Orangensaft langfristig die Herz-Kreislauf-Gesundheit fördern. Die Forscher konnten Mechanismen bestätigen, die bereits frühere Studien aufgezeigt hatten. Die aktuellen Ergebnisse verstärken somit die Annahme, dass Flavanone aus Zitrusfrüchten gezielt Gen-Netzwerke modulieren können – über ihre bereits bekannten gesundheitlichen Vorzüge hinaus.

Die vielversprechenden Ergebnisse sind nicht so zu deuten, dass man ab sofort so viel Orangensaft wie möglich zu sich nehmen sollte. Denn Orangen enthalten – wie anderes Obst auch – hohe Mengen Fruchtzucker. Da gepresstes Obst weniger Ballaststoffe enthält, wird der Zucker besonders schnell ins Blut aufgenommen. Dies bewirkt einen schnellen Anstieg des Blutzuckerspiegels. Speziell Personen mit Vorerkrankungen (z. B. Diabetes mellitus) dürfen Fruchtsäfte allenfalls sehr kontrolliert zu sich nehmen. Das Trinken von Saft wird mit Gewichtszunahme assoziiert, wobei der Zeitpunkt der Aufnahme entscheidend zu sein scheint. Laut Studien ist es ratsam, Orangensaft in Maßen und vorzugsweise zu den Mahlzeiten zu trinken.3 Frisches Stückobst ist und bleibt die erste Wahl.

Einschränkungen

Es sind Einschränkungen zu berücksichtigen. Die Studie war mit 20 Teilnehmern sehr klein und kaum divers. Es fehlte zudem eine Vergleichsgruppe mit einem Kontrollgetränk oder einer Nulltherapie. Wie bei Ernährungsstudien generell üblich, bleiben Zweifel am Einhalten der Studienvorgaben bestehen. Es ist auch möglich, dass die Probanden – zusätzlich zum Trinken von Orangensaft – anderen Gewohnheiten nachgegangen sind, die ihre Gene beeinflusst haben könnten.

Weiterhin basieren die Annahmen bezüglich der Wirkmechanismen auf Computermodellen. Das bedeutet, dass die beobachteten Veränderungen in Genen und RNA vorläufig zu betrachten sind. Auch die Berechnungen zu direkten Bindungen der Flavanone an Transkriptionsfaktoren sind theoretischer Natur, da experimentelle Bestätigungen ausstehen. Ob die Effekte tatsächlich zu gesundheitlichen Verbesserungen führen, muss noch in größeren, kontrollierten Studien geprüft werden. Bislang beschreibt die Studie Assoziationen, und dies einzig bei allgemein gesunden Menschen im frühen bis mittleren Erwachsenenalter, doch keine direkten Ursachen.

Quellen

  1. Fraga, L., Milenkovic, D., Duarte, I., et al. (2025): A Global Transcriptomic Analysis Reveals Body Weight-Specific Molecular Responses to Chronic Orange Juice Consumption in Healthy Individuals, Molecular Nutrition & Food Research ↩︎
  2. Iqbal, I., Wilairatana, P., Saqib, F. et al. (2023): Plant Polyphenols and Their Potential Benefits on Cardiovascular Health: A Review. Molecules. ↩︎
  3. Hägele F. A., Büsing F., Nas A. et al. (2018): High orange juice consumption with or in-between three meals a day differently affects energy balance in healthy subjects. Nutrition & Diabetes. ↩︎ ↩︎

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