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Große Studie

Beliebtes Speiseöl könnte Gedächtnis im Alter stärken

Bestimmtes Olivenöl kann womöglich kognitive Gesundheit im Alter fördern.
Bestimmtes Olivenöl kann womöglich kognitive Gesundheit im Alter fördern. Foto: Getty Images
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Martin Lewicki
Freier Autor

11. Februar 2026, 16:22 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Ernährung ist einer der Schlüsselfaktoren, die sich stark auf unsere Gesundheit auswirken. Nun gibt es eine gute Nachricht für Olivenöl-Liebhaber: Forscher fanden heraus, dass Olivenöl womöglich die kognitive Gesundheit im höheren Alter stärkt. Dies gilt allerdings nur für Öl, das auf eine bestimmte Weise hergestellt wurde.

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Olivenöl gilt seit Jahren als eine der gesündesten Speiseölsorten. Kein Wunder, ist es doch auch einer der Hauptbestandteile der mediterranen Ernährung, die regelmäßig von Medizinern zur gesündesten Ernährungsform gewählt wird (FITBOOK berichtete). Olivenöl enthält nämlich einen hohen Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren sowie entzündungshemmende Antioxidantien, darunter Polyphenole und Vitamin E. Dadurch senkt es das LDL-Cholesterin, schützt das Herz-Kreislauf-System und kann sogar das Risiko für bestimmte Krebsarten reduzieren.1 Bereits in einer Studie aus dem Jahr 2024 zeigte sich, dass ein Teelöffel Olivenöl pro Tag das Risiko für Tod durch Demenz deutlich senken kann.

Eine aktuelle, großangelegte Studie liefert nun Hinweise darauf, dass Olivenöl die kognitive Gesundheit im Alter tatsächlich stärkt und sich positiv auf das Darmmikrobiom auswirkt.2 Dies gilt allerdings nur für natives Olivenöl. Denn nur dieses enthält alle gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe. Zu dem naturbelassenen Olivenöl zählen natives Olivenöl (vergine) und natives Olivenöl extra (extra vergine), welches die höchste Güteklasse ist.

Was hat die Studie untersucht?

In der aktuellen Studie haben spanische Forscher den Zusammenhang zwischen Olivenölkonsum, Darmmikrobiota und kognitiven Funktionen bei älteren Erwachsenen untersucht. Dazu rekrutierten sie Personen, die an der laufenden randomisierten kontrollierten Studie PREDIMED-Plus teilnehmen. Insgesamt wurden 656 Personen im Alter von 55 bis 75 Jahren ausgewählt. Das Durchschnittsalter lag bei 65 Jahren, rund 48 Prozent der Teilnehmer waren weiblich, der Rest männlich. Alle Probanden litten an Übergewicht bzw. Adipositas und dem metabolischen Syndrom. Zu Beginn der Studie wurden Stuhlproben der Teilnehmer untersucht und eine umfangreiche Befragung zu ihren Ernährungsgewohnheiten durchgeführt. Zudem mussten die Probanden zu Beginn der Studie und am Ende nach zwei Jahren eine umfassende Reihe an neurologischen Tests absolvieren.

Welche Unterscheidung gibt es bei den Olivenölsorten?

Bei den Verzehrangaben hat man zwischen drei verschiedenen Olivenölsorten unterschieden:

  • Kaltgepresstes natives Olivenöl: Das ist die natürlichste Form von Olivenöl.
  • Oliventresteröl: Hierbei handelt es sich um ein raffiniertes Pflanzenöl. Dieses wird aus den Resten der Olivenölproduktion (Trester: Schalen, Kerne) mittels Lösungsmitteln gewonnen.
  • Raffiniertes Olivenöl: Dieses Öl wird mit Hitze und chemischen Verfahren gereinigt. Es ist geschmacksneutral und im Gegensatz zum kaltgepressten Öl hoch erhitzbar, da es keine natürlichen Rückstände enthält.

Wie wirkt sich das Olivenöl auf die kognitive Gesundheit aus?

Die Datenauswertung zeigte zunächst, dass die tägliche Gesamtzufuhr an Olivenöl im Durchschnitt 30 Gramm im untersten Drittel, 50 Gramm im mittleren Drittel und 58 Gramm im obersten Drittel der Probanden betrug. 

Die Studienteilnehmer im mittleren Drittel, die etwa 50 Gramm Olivenöl pro Tag zu sich nahmen, wiesen eine bessere kognitive Grundleistung auf. Sie hatten ein geringeres Risiko für Depressionen, für dauerhaft erhöhte Cholesterinwerte und für Typ-2-Diabetes. Die Teilnehmer im obersten Drittel nahmen 58 Gramm oder mehr raffiniertes Olivenöl pro Tag zu sich. Ein größerer Teil von ihnen war Raucher und hatte ein niedrigeres Bildungsniveau. 

Dennoch zeigten die Teilnehmer mit dem höchsten Olivenölverzehr im Vergleich zu den Teilnehmern mit dem niedrigsten Olivenölverzehr moderate Verbesserungen der allgemeinen kognitiven Funktion und der Aufmerksamkeit.

Jeder Anstieg der Gesamtolivenölaufnahme um zehn Gramm pro Tag war positiv mit Veränderungen der exekutiven Funktionen, der Aufmerksamkeit sowie der allgemeinen kognitiven Leistungsfähigkeit verbunden.

Kaltgepresstes natives Olivenöl zeigte die stärksten Zusammenhänge

Doch nicht nur die Menge des Olivenöls spielte eine wichtige Rolle. Die Qualität des Öls zeigte einen ähnlichen Zusammenhang mit der kognitiven Leistungsfähigkeit. Ein hoher Verzehr von kaltgepresstem nativem Olivenöl war mit den meisten positiven Auswirkungen verbunden. Im Gegensatz dazu ging jede Steigerung der Aufnahme von raffiniertem Olivenöl um zehn Gramm pro Tag mit einer Verschlechterung der exekutiven Funktionen, der Sprache sowie der globalen und allgemeinen kognitiven Leistungsfähigkeit einher.

Insgesamt war also nicht nur eine höhere Gesamtzufuhr von Olivenöl, sondern auch die von nativem Olivenöl mit besserer kognitiver Gesundheit über einen Zeitraum von zwei Jahren verbunden. Im Gegensatz dazu war ein höherer Konsum von gewöhnlichem Olivenöl mit weniger günstigen kognitiven Verläufen verbunden. Ein Indiz dafür, dass nur naturbelassenes, kaltgepresstes natives Olivenöl sich positiv auf die kognitive Gesundheit von älteren Menschen auswirken kann.

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Positive Auswirkung von Olivenöl auf das Darmmikrobiom

Die Auswertung der Stuhlproben hat zudem ergeben, dass sich Olivenöl womöglich auch positiv auf die Bakterienzusammensetzung im Darm auswirkt. So zeigte sich, dass ein höherer Konsum von nativem Olivenöl mit einer vielfältigeren Bakterienzusammensetzung im Darm einherging. Ein erhöhter Konsum von gewöhnlichem Olivenöl war hingegen mit einer geringeren Diversität der mikrobiellen Struktur und einem beschleunigten kognitiven Rückgang verbunden.

Die Forscher gehen davon aus, dass einige Darmbakterien der Gattung Adlercreutzia mit einem höheren Konsum von nativem Olivenöl und positiven Veränderungen der allgemeinen kognitiven Leistungsfähigkeit in Verbindung stehen könnten.

Fazit und Einschränkungen der Studie

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich ein hoher Verzehr von nativem Olivenöl langfristig positiv auf das Darmmikrobiom auswirkt. Insbesondere wirkt er sich positiv auf die Bakteriengattung Adlercreutzia aus. Diese steht nicht nur im Zusammenhang mit metabolischen, vaskulären und entzündungshemmenden Mechanismen, sondern eben auch mit der kognitiven Gesundheit.

Die spanischen Forscher betonen das Potenzial von Ernährungsstrategien, die auf die Darmgesundheit ausgerichtet sind. Denn diese können offenbar die kognitive Gesundheit, speziell bei älteren Personen, unterstützen.

Dennoch muss berücksichtigt werden, dass die Studie keinen direkten Wirkmechanismus von Olivenöl belegt. Sie basiert auf Beobachtungen und Angaben der Probanden zu ihren Essgewohnheiten. Damit kann sie nur Korrelationen und keine Kausalitäten aufzeigen. Zudem wurden ausschließlich Menschen über 55 Jahren mit Übergewicht, Adipositas oder metabolischem Syndrom untersucht. Eine Übertragbarkeit auf andere Personen ist damit schwierig.

Deswegen betonen die verantwortlichen Wissenschaftler, dass weitere klinische Studien erforderlich seien.

Quellen

  1. AOK: Wie gesund ist Olivenöl? (aufgerufen am 11.2.2025) ↩︎
  2. Ni, J., Nishi, S.K., Babio, N., et al. (2026). Total and different types of olive oil consumption, gut microbiota, and cognitive function changes in older adults. Microbiome. ↩︎

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