14. August 2026, 13:59 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Jährlich erkranken in Deutschland rund 74.500 Frauen an Brustkrebs – damit ist er die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Wer an mögliche Warnzeichen denkt, hat meist sofort den tastbaren Knoten im Kopf. Doch darauf allein sollte man sich nicht verlassen: Brustkrebs kann sich auch durch deutlich unauffälligere Veränderungen bemerkbar machen – und im frühen Stadium mitunter gar keine Beschwerden verursachen.
Brustkrebs muss sich nicht als Knoten bemerkbar machen
Der Knoten gilt als das wohl bekannteste Warnzeichen für Brustkrebs. Dabei muss eine auffällige Stelle nicht einmal wie der typische klar abgegrenzte Knoten wirken. Mitunter fühlt sich lediglich ein bestimmter Bereich der Brust plötzlich härter oder verdickt an. Schmerzen müssen dabei nicht auftreten.1
Veränderungen an Haut und Brustwarze
Hinweise auf Brustkrebs können sich ebenso an der Haut zeigen. Dazu zählen beispielsweise neu entstandene Dellen oder Einziehungen sowie Rötungen und entzündlich wirkende Stellen. Verändert sich die Hautstruktur und treten die Poren deutlicher hervor, kann die Oberfläche an die Schale einer Orange erinnern – daher die Bezeichnung Orangenhaut.2
Solche Veränderungen können unter anderem beim seltenen entzündlichen, sogenannten inflammatorischen Brustkrebs auftreten. Ein tastbarer Knoten steht dabei häufig nicht im Vordergrund. Stattdessen kann die Brust anschwellen, sich röten oder ungewöhnlich warm anfühlen.
Daneben lohnt sich ein Blick auf die Brustwarze. Zieht sie sich neu nach innen oder tritt ohne erkennbaren Grund klare oder blutige Flüssigkeit aus, sollte dies ärztlich abgeklärt werden. Gleiches gilt bei auffälligen Veränderungen von Größe oder Form einer Brust. Ein weiterer möglicher Hinweis sind Schwellungen der Lymphknoten. Sie können unter anderem in der Achselhöhle, im Bereich des Schlüsselbeins oder neben dem Brustbein auffallen.3
Wichtig ist allerdings: Keines dieser Symptome bedeutet automatisch Brustkrebs. Veränderungen an Brust, Haut oder Lymphknoten können zahlreiche andere und häufig harmlose Ursachen haben.
Knoten in der Brust sind häufig gutartig
Wer beim Duschen oder Eincremen plötzlich einen Knoten in der Brust ertastet, dürfte zunächst erschrecken. Ein solcher Befund bedeutet jedoch keineswegs automatisch Brustkrebs. Tatsächlich steckt hinter vielen tastbaren Auffälligkeiten eine gutartige Ursache.
Häufig handelt es sich beispielsweise um Zysten. Das sind mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume, die sich rund oder oval anfühlen und teilweise druckempfindlich sein können. Eine weitere mögliche Ursache sind Fibroadenome. Diese gutartigen Gewebeveränderungen fühlen sich meist fest und elastisch an und lassen sich unter der Haut häufig etwas verschieben.4
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Wenn Hormone das Brustgewebe beeinflussen
Nicht hinter jedem ungewohnten Tastbefund steckt ein dauerhaft veränderter Bereich des Brustgewebes. Im Laufe des Menstruationszyklus können hormonelle Schwankungen dazu führen, dass die Brust anschwillt, empfindlicher wird oder sich vorübergehend knotiger anfühlt. Entzündungen und Abszesse wiederum können mit Schmerzen, Rötungen und Schwellungen einhergehen.
Was hinter einem neu entdeckten Knoten oder einer anderen Auffälligkeit steckt, lässt sich mit den Fingern allein allerdings nicht zuverlässig feststellen. Ungewöhnliche oder anhaltende Veränderungen sollten deshalb ärztlich abgeklärt werden.
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Warum Abtasten das Screening nicht ersetzt
Die eigene Brust zu kennen, kann helfen, Veränderungen schneller zu bemerken. Entscheidend ist dabei, den Blick nicht ausschließlich auf einen möglichen Knoten zu richten. Haut und Brustwarzen sowie Größe und Form der Brust können ebenfalls Auffälligkeiten zeigen.
Eine Selbstuntersuchung hat jedoch Grenzen. Gerade im frühen Stadium kann Brustkrebs noch keine spürbaren Beschwerden verursachen. Hinzu kommt, dass ein Tumor so klein oder so gelegen sein kann, dass er mit den Fingern nicht zu ertasten ist.5
Mammografie kann Veränderungen früher sichtbar machen
An diesem Punkt kommt die Mammografie ins Spiel. Bei der Untersuchung wird das Brustgewebe mit niedrig dosierter Röntgenstrahlung dargestellt. Dadurch können auffällige Veränderungen sichtbar werden, lange bevor sie als Knoten zu spüren sind. Das Abtasten der eigenen Brust ersetzt daher nicht das vorgesehene Mammografie-Screening.
Eine familiäre Vorbelastung ist ebenfalls keine Voraussetzung dafür, an Brustkrebs zu erkranken. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) treten rund 80 Prozent der Brustkrebsfälle bei Frauen auf, die außer Geschlecht und Alter keine spezifischen Risikofaktoren haben.
Bei Lucy Davis war es kein klassischer Knoten
Wie unscheinbar eine solche Veränderung sein kann, zeigt aktuell der Fall der britischen Schauspielerin Lucy Davis. Die 53-Jährige, bekannt aus „The Office“ und „Shaun of the Dead“, machte öffentlich, dass sie an Brustkrebs im Stadium IV erkrankt ist. Nach ihren Angaben hat sich die Erkrankung inzwischen auf ihre Wirbelsäule, die rechte Hüfte und die Rippen ausgebreitet.6
Einen klassischen Knoten hatte Davis zunächst nicht ertastet. In einem Instagram-Beitrag schrieb sie: „Der erste Knoten, den ich gespürt habe, war streng genommen kein Knoten, sondern eher eine verhärtete Stelle. Wirklich winzig. Ich hätte sie fast nicht untersuchen lassen. Deshalb möchte ich sagen: Ignoriert nichts – lasst alles abklären.“