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Urtikaria

Anzeichen einer Nesselsucht

Anzeichen einer Urtikaria (Nesselsucht}
Die Urtikaria beginnt mit starkem Juckreiz der Haut Foto: Getty Images
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Olivia Dittrich Stud. Aushilfe im Bereich redaktionelles SEO

4. März 2026, 4:03 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Mit starkem Jucken, Quaddeln und Angioödemen ist die Nesselsucht eine sehr belastende Erkrankung. Die häufige Hauterkrankung betrifft sowohl Erwachsene als auch Kinder – die Ursache bleibt in den meisten Fällen unklar. FITBOOK informiert über erste Anzeichen, was dagegen hilft und ob man einer Urtikaria vorbeugen kann.

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Was eine Urtikaria (Nesselsucht) ist

Bei der Urtikaria, umgangssprachlich auch „Nesselsucht“ oder „Nesselfieber“ genannt, handelt es sich um eine durch Mastzellaktivierung ausgelöste Hautreaktion. Sie kann allergisch, pseudoallergisch, physikalisch oder autoimmun bedingt sein. Typischerweise beginnt die Urtikaria mit starkem Juckreiz der Haut – seltener brennt sie auch.

Typische Symptome

Zunächst rötet sich die Haut plötzlich, und bald sind blassrote bis rote Erhebungen zu sehen, sogenannte Quaddeln. Diese können klein wie ein Stecknadelkopf sein – oder so groß wie eine Handfläche. Die betroffene Haut spannt und brennt. Das Schlimmste, sagen Betroffene, ist aber der Juckreiz.

Typische Symptome

  • Juckender Hautausschlag, der sich ähnlich anfühlt wie nach einem Brennnesselkontakt, bei dem man das Bedürfnis hat, die Stellen zu reiben oder zu drücken
  • Rote, juckende Quaddeln, die sich oft schon nach Minuten oder wenigen Stunden, meist nach höchstens 24 Stunden zurückbilden
  • Manchmal kommt es an Fußsohlen, Handflächen oder auch im Gesicht zu elastischen, starken Hautschwellungen des Gewebes unter der Haut oder der Schleimhäute, weil sich dort wässrige Flüssigkeit ansammelt (Angioödem genannt)1

Notfall anaphylaktischer Schock: Symptome einer Nesselsucht können sich auch bei Allergikern entwickeln. In seltenen Fällen kann das zu einem anaphylaktischen Schock führen, mit Anzeichen wie Atemnot, Bewusstlosigkeit und mehr. Hierbei besteht Lebensgefahr. Wählen Sie sofort die 112!

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Akute vs. chronische Urtikaria

Hält die Quaddelbildung länger als sechs Wochen an, spricht man von einer chronischen Nesselsucht. „Alles, was darunter liegt, ist eine akute Urtikaria“, sagt Ulrich Ohnemus, Mitglied im Berufsverband der Deutschen Dermatologen, gegenüber der dpa.

Mögliche Auslöser

Insgesamt kommen sehr unterschiedliche Auslöser infrage. Dazu zählen etwa ein vorangegangener Infekt oder die Einnahme bestimmter Medikamente wie Schmerzmittel – beispielsweise ASS oder Ibuprofen. „Es gibt auch Formen der Nesselsucht, die durch Blutdrucksenker, sogenannte ACE-Hemmer, gefördert werden“, sagt Hautarzt Ulrich Ohnemus.

Eine Nesselsucht kann zudem auftreten, wenn das eigene Immunsystem den Körper angreift. „Man vermutet, dass bestimmte Formen der chronischen Urtikaria durch solch eine Autoimmunreaktion hervorgerufen werden“, sagt der Dermatologe. Auch hormonelle Faktoren können eine Rolle spielen.

Darüber hinaus existieren sogenannte physikalische Auslöser. Dazu gehören Kälte, Wärme, UV-Strahlung oder Druck. „Letzteres ist besonders unangenehm an den Fußsohlen. Menschen werden dann, wenn sie viel laufen, von Schwellungen gequält“, sagt Ohnemus. Selbst reibende Kleidung kann Quaddeln und Juckreiz verursachen.

Bei entsprechend veranlagten Menschen können außerdem Stress oder psychische Belastungen eine Urtikaria auslösen. Zudem gilt: Wer unter Asthma, Heuschnupfen und/oder Neurodermitis leidet, bringt eine genetische Veranlagung mit, zusätzlich eine Urtikaria zu entwickeln.

Laut Universitätsspital Zürich bleibt die Ursache in der Mehrzahl der Fälle unklar.1

Wann man zum Arzt gehen sollte

Wenn eine Nesselsucht erstmals auftritt, ist das für Betroffene oft ein beunruhigendes Erlebnis. „Wenn Sie auf einmal von oben bis unten einen Ausschlag bekommen, der juckt, dann werden Sie von sich aus zum Arzt gehen“, sagt Sonja Lämmel. Erste Anlaufstellen sind die Hausarzt- oder die Hautarztpraxis.

Kommen zum Hautausschlag zusätzlich Atemnot und Kreislaufbeschwerden hinzu, sollte umgehend die Notaufnahme aufgesucht werden. Dabei kann es sich, wie bereits erwähnt, um Anzeichen einer lebensbedrohlichen allergischen Reaktion handeln.

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Was bei Nesselsucht hilft

Die Nesselsucht kann sehr unterschiedlich verlaufen, weshalb ihre Behandlung oft Geduld erfordert. Gut ist natürlich zu wissen, was die Erkrankung ausgelöst hat. Gleichzeitig müssen die Symptome gelindert werden, um aus dem Teufelskreis des Juckreizes herauszukommen. Denn Kühlen oder Ähnliches hilft bei Nesselsucht kaum.

Tipp für die Suche nach dem Auslöser einer Nesselsucht: Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) empfiehlt deshalb, eine Art Tagebuch zu führen. „Wann kommen meine Schübe? Vielleicht immer dann, wenn ich am Strand spazieren gehe und mit Sonne in Kontakt komme? Wenn ich aus der Sauna komme oder im See baden war?“ Auf diesem Weg lässt sich unter Umständen ein Auslöser identifizieren – den man anschließend gezielt meiden kann.

Das erste Mittel der Wahl sind sogenannte Antihistaminika. Eine Salbe hilft nur ungenügend, hilfreicher sind Tabletten oder Tropfen. „Meistens steht auf dem Beipackzettel: ‚eine Tablette täglich‘“, sagt Dermatologe Ulrich Ohnemus. „Das reicht bei einer Urtikaria meist nicht aus, deshalb kann man auch über den Tag verteilt bis zu vier Tabletten nehmen.“

Manchmal ist auch eine Kombination mehrerer Antihistaminika erforderlich – hier sollte man aber lieber nicht auf eigene Faust experimentieren, sondern Rücksprache mit dem Arzt halten. 

Als nächste Stufe kann vorübergehend Kortison zum Einsatz kommen. „In sehr seltenen, extrem akut ausgeprägten Formen muss man Kortison auch intravenös geben“, sagt der Dermatologe. „Das gilt vor allem bei Gesichtsschwellungen, dem Angioödem, wenn man schon ein Kloßgefühl im Hals hat.“

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Was kann man tun bei chronischer Urtikaria?

Laut Hautarzt Ohnemus können Antihistaminika „bedenkenlos dauerhaft“ eingenommen werden. Anders sieht es bei Kortisontabletten aus. Für Fälle, die mit Antihistaminika und gelegentlichem Kortison nicht beherrschbar sind, steht Weiteres zur Verfügung. „Seit einigen Jahren gibt es Antikörpertherapien mit einem sogenannten IgE-Antikörper, Omalizumab“, sagt Ohnemus. „Dabei behandelt man die Urtikaria mit einer Immuntherapie mittels Spritzen.“

Gerade die chronischen Formen der Nesselsucht sind psychisch belastend. Hier kann Sonja Lämmel zufolge der Austausch mit anderen helfen – etwa in einer Selbsthilfegruppe. 

Zudem können chronisch an Nesselsucht Erkrankte psychologische Beratung suchen, wie sie unter anderem auch der DAAB anbietet. „Es geht einfach darum, in Krisenzeiten mit jemandem zu sprechen, und vielleicht individuell kleine Hilfen zu erarbeiten, die den Alltag gestaltbarer und die Situation nicht so belastend machen“, sagt Sonja Lämmel.

Kann man einer Nesselsucht vorbeugen?

Laut Website des Universitätsspital Zürich ist eine Früherkennung nicht möglich. „Die Symptome der akuten Nesselsucht halten in der Regel nur ein paar Tage, höchstens wenige Wochen an. Wenn Sie Glück haben, treten sie nie wieder auf. Die chronische Nesselsucht bleibt in seltenen Fällen über Jahre, manchmal Jahrzehnte bestehen“, heißt es dort. Bei vielen Patienten bessert sich die Erkrankung jedoch im Verlauf – selbst wenn kein Auslöser gefunden wird.

Melanie Hoffmann
Ernährungs-, Fitness- und Schlafexpertin

Ich habe ein kleines Trauma durch Nesselsucht

„Beim Durchlesen der hier aufgeführten Symptome bekomme ich fast so eine Art ‚Symptomschmerz‘, obwohl ich aktuell gesund bin. Mein Erlebnis mit der Nesselsucht ist bereits sechs Jahre her, war aber heftig und hallt in meiner Erinnerung nach. Ich tue alles, damit sie nicht wieder auftritt. Als Auslöser vermute ich eine heftige Infektion, die ich eine Woche vorher hatte, und ein Medikament, das ich erstmals eingenommen hatte. Los ging es mit kleinen roten Flecken und fast komplett zugeschwollenen Augen. Später bekam ich die typischen Quaddeln und die Schwellungen wanderten über die kommenden Tage an verschiedene Stellen meines Körpers – in die Finger, Beine und Zehen. Am schlimmsten war aber das fast unerträgliche Jucken. Das war so heftig, dass es schon eher brannte und schmerzte. Ich konnte kaum stillsitzen und ging in den ersten Tagen fast im Minutentakt unter die eiskalte Dusche, da es anders nicht auszuhalten war. Ich schüttele mich jetzt noch beim Gedanken daran!“

Quellen

  1. Universitätsspital Zürich. Nesselsucht. (aufgerufen am 02.03.2026) ↩︎

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