17. September 2026, 15:32 Uhr | Lesezeit: 10 Minuten
Ein einziger Mückenstich kann ausreichen, um sich mit einer der gefährlichsten Infektionskrankheiten weltweit anzustecken: Malaria. Ausgelöst wird die Erkrankung durch Parasiten, die von dämmerungs- und nachtaktiven Mücken übertragen werden. Die Folgen können schwerwiegend sein: Die Symptome reichen von Fieber und Schüttelfrost bis hin zu Krampfanfällen, Koma und Tod.
Malaria wird derzeit in 80 Ländern weltweit übertragen. Im Jahr 2024 gab es laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzungsweise 282 Millionen Malariafälle und rund 610.000 Todesfälle. Besonders stark betroffen ist Afrika: 94 Prozent der Erkrankungen und 95 Prozent der Todesfälle entfielen auf die WHO-Region Afrika. Rund drei Viertel der dortigen Malaria-Todesfälle betrafen Kinder unter fünf Jahren.1
Jetzt dem FITBOOK-Kanal bei Whatsapp folgen!
Was ist Malaria?
Unter Malaria kann man sich eine Infektionskrankheit vorstellen, die primär in tropischen und subtropischen Regionen vorkommt. Ausgelöst wird sie durch einzellige Parasiten, sogenannte „Plasmodien“. Zunächst vermehren sie sich in der Leber, ehe sie dann die roten Blutkörperchen des Menschen befallen und dazu führen, dass diese aufplatzen. Somit gelangen weitere Parasiten in den Blutkreislauf, woraufhin der Körper mit Fieber reagiert, um die Infektion zu bekämpfen.
Es gibt verschiedene Arten von Plasmodien, die Malaria beim Menschen verursachen können. Zu den typischen Symptomen gehören Kopf- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost, Erbrechen und Durchfall. Dabei kann der Verlauf der Erkrankung je nachdem, welchen Erreger man hat, variieren.2
Diese Symptome hat die Erkrankung
Für gewöhnlich beginnt Malaria mit eher unspezifischen Symptomen wie Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber und einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Diese Anzeichen werden fälschlicherweise von den Betroffenen häufig mit einem grippalen Infekt oder einer Magen-Darm-Infektion gleichgesetzt. Betroffene können auch an Erbrechen, Abgeschlagenheit und trockenem Husten leiden. Zusätzlich kann der vermehrte Zerfall roter Blutkörperchen eine Blutarmut (Anämie) auslösen.
Erste Symptome sind oft unspezifisch
Zu den häufigsten frühen Symptomen gehören laut WHO Fieber, Kopfschmerzen und Schüttelfrost. Die ersten Beschwerden treten häufig zehn bis 15 Tage nach dem Stich einer infizierten Mücke auf. Je nach Malaria-Erreger können Symptome jedoch auch deutlich später beginnen. Gerade am Anfang können die Beschwerden mild und unspezifisch sein, sodass Malaria leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden kann.
Auch die für Malaria bekannten regelmäßigen Fieberschübe müssen nicht auftreten. Das gilt insbesondere für die gefährliche Malaria tropica. Bei einer Infektion mit Plasmodium falciparum kann das Fieber unregelmäßig verlaufen. Besonders tückisch: Eine unbehandelte Infektion mit diesem Erreger kann sich laut WHO innerhalb von 24 Stunden zu einer schweren Erkrankung entwickeln und tödlich enden.
Wenn aus einem Mückenstich plötzlich Lebensgefahr wird
Anzeichen für eine schwere Malaria können starke Erschöpfung, Bewusstseinsstörungen, wiederholte Krampfanfälle und Atemnot sein. Auch dunkler oder blutiger Urin, eine Gelbfärbung der Haut oder Augen sowie ungewöhnliche Blutungen sind mögliche Warnzeichen. Bei einem schweren Verlauf können zudem Organe geschädigt werden.3
Die genauen Symptome sind je nach vorliegender Malaria-Form unterschiedlich:
Malaria tertiana
Typisch für diese Form ist, dass sie mit plötzlichem Fieber und unspezifischen Beschwerden beginnt. Dabei können diese Fieberanfälle alle 48 Stunden auftreten. In diesem Zusammenhang kommt es gerade in Nachmittagsstunden zum Eintreten von Schüttelfrost sowie hohem Fieber. Die hohe Temperatur, die meistens drei bis vier Stunden anhält, fällt abrupt auf die Normwerte ab. Diese Form von Malaria weist selten einen tödlichen Verlauf auf.
Malaria tropica
Bei der „Malaria tropica“ handelt es sich um die gefährlichste Art, da die Symptome sehr vielfältig sein können und ein typischer Fieberverlauf nicht vorhanden ist. Schwere Verläufe können unter anderem zu Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen, Koma, Nierenversagen, schwerer Blutarmut oder einem Kreislaufkollaps führen.
Malaria quartana
Diese Art ist selten und zeichnet sich primär durch Fieber aus, welches alle drei Tage, also im 72-Stunden-Rhythmus auftritt. Es ist sogar möglich, dass es noch Jahre nach der Erstinfektion zu Rückfällen kommen kann.
Plasmodium knowlesi
Diese Malaria-Form kommt ausschließlich in Südostasien vor, wobei der Erreger hauptsächlich von Affen stammt. Werden die Erreger jedoch durch die Anopheles-Mücken übertragen, ist es in seltenen Fällen möglich, dass die Krankheit bei Menschen auftreten kann. Das Krankheitsbild selbst ist durch tägliche Fieberschübe geprägt.
Aktuelle Malaria-Fälle am Frankfurter Flughafen
Aktuell sorgt ein seltener Malaria-Ausbruch am Frankfurter Flughafen für Aufsehen. Nach Angaben des Frankfurter Gesundheitsamtes haben sich sechs Beschäftigte mit Malaria infiziert. Zwei von ihnen sind an den Folgen der Erkrankung gestorben. Der erste Todesfall ereignete sich bereits Anfang Juli 2026, die Malaria wurde allerdings erst nach dem Tod festgestellt. Der zweite Todesfall folgte im August.
Bei den Fällen handelt es sich vermutlich um sogenannte Flughafenmalaria. Dabei werden infizierte Anophelesmücken beispielsweise mit einem Flugzeug aus einem Malariagebiet eingeschleppt und stechen anschließend Menschen am Flughafen oder in dessen Umgebung. Die sechs Betroffenen hatten sich nach Angaben der Behörden zuvor nicht in einem Malariagebiet aufgehalten.4
Solche Infektionen sind äußerst selten. Für die allgemeine Bevölkerung sehen die Behörden derzeit keine erhöhte Gefahr. Malaria wird im normalen zwischenmenschlichen Kontakt nicht übertragen. Zudem sind bislang keine weiteren mit dem Ausbruch in Verbindung stehenden Fälle bekannt geworden.
Wie häufig kommt Malaria in Deutschland vor?
Normalerweise werden Malaria-Erkrankungen in Deutschland fast ausschließlich nach Aufenthalten in Malariagebieten festgestellt. 2024 wurden dem Robert Koch-Institut insgesamt 934 Erkrankungen übermittelt. Das waren fünf Prozent weniger als 2023 mit 985 Fällen. Die Fallzahlen lagen damit aber wieder ungefähr auf dem Niveau vor der Corona-Pandemie.5
Bei 85 Prozent der Malaria-Fälle mit bekanntem Erreger identifizierten die Untersuchungen 2024 Plasmodium falciparum – den Erreger der gefährlichen Malaria tropica. Die meisten Betroffenen mit bekanntem Infektionsort hatten sich in Afrika angesteckt.
Auch interessant: Sie werden oft von Mücken gestochen? Daran kann es liegen
Wie wird Malaria übertragen?
Bereits ein Stich der Anopheles-Mücke kann ausreichen, um sich mit Malaria zu infizieren. Die Mücke überträgt dabei einzellige Parasiten, sogenannte Plasmodien. Sticht eine weibliche Anopheles-Mücke einen infizierten Menschen, nimmt sie mit dem Blut bestimmte Entwicklungsformen der Parasiten auf. Diese vermehren und entwickeln sich anschließend im Körper der Mücke und wandern in ihre Speicheldrüsen. Sticht die infizierte Mücke danach einen anderen Menschen, überträgt sie die Malaria-Erreger mit ihrem Speichel in dessen Blutbahn.
Im menschlichen Körper gelangen die Parasiten zunächst in die Leber und vermehren sich dort. Anschließend befallen sie die roten Blutkörperchen, vermehren sich erneut und zerstören die Zellen. Dabei werden weitere Parasiten freigesetzt, die wiederum andere rote Blutkörperchen befallen.
Ist eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich?
Im normalen zwischenmenschlichen Kontakt wird Malaria nicht übertragen. Infizierte sind für andere Menschen im Alltag daher nicht ansteckend. In seltenen Fällen kann eine Übertragung jedoch über infiziertes Blut erfolgen, beispielsweise durch kontaminierte Nadeln oder Bluttransfusionen. Auch eine infizierte Mutter kann die Erreger auf ihr Kind übertragen.
Inkubationszeit hängt von der Art des Erregers ab
Nachdem man sich mit Malaria infiziert hat, bricht die Erkrankung nicht sofort aus, da die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome von der Art des Erregers abhängig ist.
Es gibt fünf Plasmodienarten, die beim Menschen Malaria auslösen können:
- Plasmodium falciparum (löst „Malaria tropica“ aus): Ist der tödlichste Parasit und am weitesten in Afrika verbreitet. Er hat eine Inkubationszeit von sieben bis 15 Tagen.
- Plasmodium vivax (löst „Malaria tertiana“ aus): Tritt häufiger außerhalb Afrikas auf, mit einer Inkubationszeit von zwölf bis 18 Tagen.
- Plasmodium ovale (löst „Malaria tertiana“ aus): Besitzt ebenfalls eine Inkubationszeit von zwölf bis 18 Tagen.
- Plasmodium knowlesi (löst „Knowlesi-Malaria“ aus): Eine seltenere Art, die in Südostasien vorkommt, vor allem in Waldgebieten, mit einer Inkubationszeit von zehn bis zwölf Tagen.
- Plasmodium malariae (löst „Malaria quartana“ aus): Die Inkubationszeit beträgt 18 bis 40 Tage und der Parasit kann monatelang oder jahrelang im Blut verbleiben, ehe Symptome auftreten.
Das Tückische an einigen Plasmodienarten (wie P. vivax und P. ovale) ist, dass sie jahrelang in der Leber ruhen und wiederkehrende Malaria-Anfälle auslösen können.
Wie verläuft Malaria?
Wie schwer Malaria verläuft, hängt unter anderem vom Erreger und vom Gesundheitszustand des Betroffenen ab. Besonders gefährlich ist eine Infektion mit Plasmodium falciparum. Ohne rechtzeitige Behandlung kann sich eine Malaria tropica innerhalb kurzer Zeit erheblich verschlechtern und lebensbedrohlich werden.
Bei einer schweren Malaria können verschiedene Organe beeinträchtigt werden. Der verstärkte Abbau roter Blutkörperchen kann beispielsweise zu einer schweren Blutarmut führen. Auch akutes Nierenversagen, Kreislaufprobleme und Atemprobleme bis hin zum Lungenödem beziehungsweise Lungenversagen sind möglich.
Zerebrale Malaria kann zum Koma führen
Eine besonders schwere Komplikation ist die sogenannte zerebrale Malaria, die vor allem bei einer Infektion mit Plasmodium falciparum auftreten kann. Dabei kommt es zu einer Beeinträchtigung des Gehirns. Mögliche Folgen sind Bewusstseinsstörungen, wiederholte Krampfanfälle und Koma.
Auch Milz und Leber können sich bei einer Malaria vergrößern. In seltenen Fällen kann es zu einem Milzriss und dadurch zu gefährlichen inneren Blutungen kommen.
Gibt es Risikogruppen?
Gerade für Kinder, die in Malaria-Gebieten leben, stellt die Erkrankung eine große Gefahr dar. Es reichen bereits wenige Tage, bis der Erreger schwere Komplikationen auslösen kann. Besonders Säuglinge und Kinder unter fünf Jahren sind stark gefährdet, sich zu infizieren und schwer zu erkranken. Auch wenn Kinder Malaria überleben, kann es dazu kommen, dass sie lebenslange geistige oder körperliche Schäden davontragen, die ihre weitere Entwicklung beeinträchtigen können.
Aber auch Schwangere, HIV/AIDS-Patienten und Menschen mit einer Immunschwäche gehören zu den Bevölkerungsgruppen, die ein erhöhtes Risiko haben, schwere Krankheitsverläufe und ein hohes Sterberisiko zu haben. Kommt es zu einer Malaria-Infektion innerhalb der Schwangerschaft, kann es für das ungeborene Kind gefährlich werden. Es kommt häufig zu Frühgeburten, wobei die Kinder mit einem niedrigeren Geburtsgewicht zur Welt kommen – was ihre Überlebenschancen und Wahrscheinlichkeit einer gesunden Entwicklung in der Kindheit verringert.
Gefährliche Krankheiten, die durch Stechmücken übertragen werden
Was ist das Marburg-Virus und was macht es gefährlich?
Wie behandelt man die Erkrankung?
Die Behandlung hängt davon ab, welcher Malaria-Erreger die Erkrankung verursacht und welche Begleiterkrankungen vorliegen. Auch eine Schwangerschaft sowie Unverträglichkeiten oder Allergien gegen bestimmte Malaria-Medikamente beeinflussen die Wahl der Therapie. Ärzte behandeln Malaria mit Medikamenten, die gezielt gegen die Parasiten wirken. Welchen Wirkstoff sie einsetzen, hängt unter anderem vom Erreger und möglichen Resistenzen ab. In manchen Fällen kombinieren sie mehrere Wirkstoffe, um die Parasiten wirksam zu bekämpfen.
Gibt es Präventionsmaßnahmen?
Zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen gegen Malaria gehört die konsequente Vermeidung von Mückenstichen. Je nach Reiseziel und individuellem Risiko kann zusätzlich eine medikamentöse Malariaprophylaxe empfohlen werden. Bei Reisen in Gebiete mit hohem Übertragungspotenzial ist grundsätzlich eine regelmäßige Chemoprophylaxe empfehlenswert. Welche Vorsorge sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Reiseziel, der Reisezeit, der Reisedauer, dem Reisestil und individuellen Faktoren ab.
Weitere effektive Maßnahmen umfassen:
- Imprägnierte Moskitonetze mit insektenabtötenden Substanzen (unter denen man schlafen kann)
- Das Tragen langer Kleidung (die imprägniert ist)
- Das Aufhalten in mückensicheren Räumen (z. B. ausgestattet mit Fliegengitter oder Klimaanlage)
- Die Verwendung von Insektenschutzmittel
Malaria-Impfstoff
Mittlerweile stehen zwei von der WHO empfohlene Malaria-Impfstoffe zur Verfügung: RTS,S/AS01 und R21/Matrix-M. Sie richten sich gegen Plasmodium falciparum und sind vor allem für Kinder vorgesehen, die in Malariagebieten leben. Die WHO empfiehlt die Impfungen insbesondere in Gebieten mit mittlerem und hohem Übertragungsrisiko. Der erste Impfstoff RTS,S wurde 2021 von der WHO empfohlen, R21 folgte 2023. Die Impfungen sind Teil einer umfassenden Malaria-Prävention und ersetzen andere Schutzmaßnahmen nicht.6