30. Juli 2026, 17:39 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wer sein Gewicht beurteilen möchte, schaut oft auf den Body-Mass-Index (BMI). Doch der BMI hat einen entscheidenden Nachteil: Er unterscheidet nicht zwischen Fett- und Muskelmasse. Eine neue dänische Studie untersuchte deshalb, ob der Körperfettanteil mit Merkmalen der männlichen Fruchtbarkeit zusammenhängt. Die Ergebnisse legen nahe, dass der Körperfettanteil hierfür aussagekräftiger sein könnte als der BMI.
Je mehr Fett, desto weniger Spermien
Das wohl wichtigste Ergebnis der Studie ist, dass Männer mit einem höheren Körperfettanteil tendenziell weniger Spermien und Veränderungen bei wichtigen Fortpflanzungshormonen hatten. So waren die Werte für Testosteron und das Sexualhormon-bindende Globulin (SHBG), das Testosteron im Blut transportiert, niedriger.1
Gleichzeitig waren die Konzentrationen des luteinisierenden Hormons (LH), das die Testosteronproduktion steuert, und des Hormons Estradiol erhöht. Dieses entsteht unter anderem aus Testosteron und kann bei einem höheren Körperfettanteil vermehrt gebildet werden.
So wurde die Studie durchgeführt
Hintergrund der Untersuchung ist, dass Übergewicht weltweit zunimmt, während Studien gleichzeitig sinkende Spermienzahlen und steigende Unfruchtbarkeitsraten beschreiben. Da männliche Faktoren bei bis zu der Hälfte aller ungewollt kinderlosen Paare eine Rolle spielen können, wollten die Forscher prüfen, ob der Körperfettanteil einen Zusammenhang mit der Fruchtbarkeit hat.
Für die Querschnittsstudie werteten sie Daten von 1058 jungen dänischen Männern im Durchschnittsalter von knapp 19 Jahren aus. Der Körperfettanteil wurde mithilfe einer bioelektrischen Impedanzanalyse (BIA) gemessen. Die Teilnehmer wurden je nach Ergebnis in vier Gruppen eingeteilt:
- unter 8 Prozent Körperfett
- 8 bis 19 Prozent Körperfett (Referenzgruppe)
- 20 bis 24 Prozent Körperfett
- mindestens 25 Prozent Körperfett
Zusätzlich gaben die Teilnehmer Samen- und Blutproben ab, bestimmten ihr Hodenvolumen selbst und beantworteten Fragen zu ihrem Lebensstil. Anschließend untersuchten die Forscher mögliche Zusammenhänge zwischen Körperfettanteil, Samenqualität, Hodenvolumen und Hormonwerten.
Körperfettanteil sagt Spermienzahl besser voraus als der BMI
Im Vergleich zu Männern mit einem Körperfettanteil von 8 bis 19 Prozent hatten Teilnehmer mit 20 bis 24 Prozent Körperfett im Durchschnitt 23 Prozent weniger Spermien.
Betrachteten die Wissenschaftler den Körperfettanteil als kontinuierlichen Wert, zeigte sich ein ähnliches Bild: Mit jeder Zunahme des Körperfettanteils um 5,7 Prozent sank die Gesamtzahl der Spermien durchschnittlich um acht Prozent. Für die Beweglichkeit und Form der Spermien sowie für das Hodenvolumen fanden die Forscher keine klaren Zusammenhänge.
Die Zusammenhänge zwischen Körperfettanteil und Spermienzahl waren stärker ausgeprägt als bei BMI oder Taille-zu-Körpergröße-Verhältnis. Zudem zeigten sie sich teilweise sogar bei Männern, die laut BMI als normalgewichtig galten. Das deutet darauf hin, dass der Körperfettanteil die tatsächliche Fettmasse und deren möglichen Einfluss auf die Fruchtbarkeit besser widerspiegeln könnte als der BMI.
Unterschätzter Faktor schadet Spermienqualität
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Stärken und Schwächen der Studie
Zu den Stärken der Studie zählen die große Teilnehmerzahl, die direkte Messung des Körperfettanteils und die Berücksichtigung vieler möglicher Störfaktoren. Zudem verglichen die Forscher den Körperfettanteil mit BMI und Taille-zu-Körpergröße-Verhältnis. Einschränkend ist, dass nur 19 Prozent der eingeladenen Männer teilnahmen. Das Hodenvolumen ermittelten sie selbst, sodass Fehlmessungen nicht auszuschließen waren. Außerdem kann die Messung des Körperfettanteils durch den Flüssigkeitshaushalt beeinflusst werden.
Die Abnahme der Spermienzahl bei höherem Fettanteil war sichtbar, aber statistisch so klein, dass nicht auszuschließen ist, dass es sich um Zufall handelte. Als Querschnittsstudie kann die Untersuchung zudem keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen nachweisen.
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Abnehmen hilft wirklich
Eine Meta-Analyse der Guangzhou-Universität aus dem Jahr 2024, die 50 Studien mit insgesamt 71.337 Männern auswertete, kam zu einem ähnlichen Ergebnis wie die aktuelle Studie der Universität Aarhus: Männer mit Adipositas hatten im Vergleich zu Männern mit einem BMI unter 25 deutlich weniger Spermien, ein geringeres Samenvolumen und eine leicht schlechtere Spermienbeweglichkeit.2
Spannend ist die Frage, ob sich das umkehren lässt. Genau das untersuchte ein dänisches Forschungsteam der Universität Kopenhagen in einer randomisierten Studie. 56 Männer mit Adipositas nahmen acht Wochen lang täglich nur 800 Kalorien zu sich und verloren dabei im Schnitt 16,5 Kilogramm. Danach war ihre Spermienkonzentration um etwa das 1,5-Fache und ihre Gesamtspermienzahl um etwa das 1,4-Fache gestiegen.3
Entscheidend war allerdings, was danach passierte: Die Männer hielten ihr Gewicht entweder durch Sport oder mithilfe eines Medikaments (GLP-1-Rezeptor-Agonist). Beides half, die Spermienqualität langfristig zu sichern. Bei denjenigen, die wieder zunahmen, verschwand der Effekt. Auf Samenvolumen und Spermienbeweglichkeit hatte der Gewichtsverlust dagegen keinen Einfluss.