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Studie zeigt

Das passiert mit dem Sperma von Männern, wenn sie älter werden

Studie zur Veränderug von Spermien im Alter
Genetische Veränderungen in Spermien werden im Alter häufiger – was das bedeutet Foto: Getty Images
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21. Oktober 2025, 13:45 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Je älter eine Frau zum Zeitpunkt einer Schwangerschaft ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es bei der Reifung einer Eizelle zu Problemen kommt. Dazu zählen insbesondere Fehler bei der Chromosomenverteilung, die etwa eine Trisomie (z. B. Down-Syndrom) zur Folge haben können. Doch auch der väterliche Beitrag spielt eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Embryos. Eine Studie hat sich nun genauer mit den altersbedingten Veränderungen von Sperma befasst. Dabei identifizierte sie die Mechanismen, die zu einer Verschlechterung der genetischen Qualität der Spermien bei Männern mit zunehmendem Alter führen.

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81 Spermaproben von Männern zwischen 24 und 75 Jahren auf seltene Mutationen untersucht

In ihrer Studie konzentrierten sich die britischen Forscher gezielt auf Veränderungen in der genetischen Qualität von Spermien.1 Wie sie einleitend erklären, ereignen sich in den sogenannten Keimbahnzellen – den Stammzellen der Spermienbildung – mit zunehmendem Alter immer mehr epigenetische Veränderungen. Dies ist so weit bekannt, die genauen Mechanismen und Folgen dieses Prozesses waren jedoch bislang nicht vollständig bekannt. In ihrer Untersuchung arbeitete das Team um Matthew E. Hurles und Raheleh Rahbari erstmals mit der extrem fehlerarmen Sequenziertechnik NanoSeq, die Mutationen auf Einzelmolekül-Ebene erkennen kann. Dadurch konnten die Forscher Ergebnisse mit einer noch nie dagewesenen Genauigkeit liefern.

Es wurden 81 Spermaproben von Männern im Alter zwischen 24 und 75 Jahren auf seltene Mutationen auf der ganzen Genom-Ebene untersucht. Dabei stellten die Forscher eine lineare Entwicklung fest: Im Erbgut der Spermien sammeln sich pro Jahr durchschnittlich 1,7 neue Mutationen an. Eine natürliche Folge des Alterungsprozesses des Menschen, erklären sie.

Auch interessant: Kinderwunsch? Worauf Männer drei Monate vor einer Zeugung verzichten sollten 

Kernergebnis der Studie: Mutationen im Sperma steigen linear mit dem Alter

Pro Jahr sammeln sich im Sperma durchschnittlich 1,67 neue Punktmutationen pro haploidem Genom an. Das ist etwa achtmal weniger als im Blut, was zeigt, wie stark die Keimbahn vor Mutationen geschützt ist. Dies zeigt: Die Mutationen steigen linear mit dem Alter.

Außerdem wurden in den Proben 40 Gene mit statistisch signifikanter positiver Selektion identifiziert – 31 davon waren bislang unbekannt. Diese Gene sind häufig an Entwicklungsstörungen oder Krebs beteiligt, heißt es in der Originalstudie.

Spermien von 70-Jährigen tragen das 2,9-Fache an potenziell krankheitsverursachenden Mutationen

Bei Männern im Alter von 70 Jahren trugen im Schnitt 4,5 Prozent der Spermien mindestens eine potenziell krankheitsverursachende Mutation – bei 30-Jährigen waren es etwa 2 Prozent. Das ist rund das 2,9-Fache der altersunabhängigen Erwartungswerte.

Die Forscher stellten zudem fest, dass sechs Gene für über 20 Prozent der krankheitsrelevanten Mutationen verantwortlich waren. Diese Ergebnisse belegen, dass Keimbahnselektion im männlichen Hoden weitverbreitet ist – und mit zunehmendem Alter das Risiko für genetische Erkrankungen bei Kindern deutlich erhöht.

Mutierte Spermien-Stammzellen nehmen mit dem Alter zu

Bemerkenswert ist, dass manche dieser Mutationen im Laufe des Lebens häufiger werden. Die Forschung bezeichnet diesen Prozess als „positive Selektion“. Er bedeutet, dass sich entsprechende Spermien-Stammzellen häufiger teilen und somit größere Zellpopulationen bilden als andere. Insgesamt identifizierte die Studie rund 40 Gene, die von dieser sogenannten positiven Selektion betroffen sind. Dabei ist „positiv“ nicht im umgangssprachlichen Sinne zu verstehen. Vielmehr stehen zahlreiche dieser Gene im Zusammenhang mit einer Anfälligkeit für Entwicklungsstörungen und Krebserkrankungen bei Kindern. Den Daten zufolge tragen drei bis fünf Prozent der Spermien von Männern mittleren bis höheren Alters jene pathogenen Mutationen.

FITBOOK berichtete kürzlich über eine Untersuchung, die sich näher mit den konkreten gesundheitlichen Risiken für Kinder von älteren Vätern befasste.2 Alle Infos dazu hier.

Erwähnenswert ist an dieser Stelle eine weitere jüngere Untersuchung.3 Diese zeigte, dass die Qualität der Spermien nicht nur die Gesundheit des Nachwuchses, sondern offenbar auch die Lebenserwartung des Mannes selbst beeinflusst. Männer mit besonders beweglichen und zahlreich vorhandenen Spermien lebten im Durchschnitt länger als Männer mit einer schlechteren Spermienqualität. Dies deutet darauf hin, dass gesunde Keimbahnzellen ein Indikator für die allgemeine Gesundheit sein könnten.

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Mögliche Bedeutung der Ergebnisse und Einschränkungen

„Die Ergebnisse werfen Licht auf die Dynamik der Keimbahn-Selektion“, schreiben die Studienautoren. Demnach ist die Wahrscheinlichkeit für Entwicklungsstörungen bei Kindern älterer Väter deutlich höher als bisher angenommen. Ein exaktes „kritisches“ Alter, ab dem genetische Risiken plötzlich messbar auftreten, wird allerdings nicht abgebildet. Vielmehr handelt es sich um einen kontinuierlichen Alterungsprozess der Keimbahnzellen, den die Forscher nun besser verstehen können.

Für Paare mit einem späten Kinderwunsch könnten die Beobachtungen relevant sein, da sich für sie möglicherweise eine genetische Beratung anbietet. Zumindest sollten sie über mögliche Implikationen informiert sein. Auch in der klinischen Reproduktionsmedizin könnten die Erkenntnisse Beachtung finden, insbesondere im Hinblick auf die Beratung älterer Väter. Sie werfen womöglich auch die Frage auf, ob ältere Männer als Samenspender geeignet sind.

Es ist zu bedenken, dass die Studie keine direkten Beweise dafür liefert, dass die gefundenen Mutationen tatsächlich zu Erkrankungen bei Kindern führen. Sie zeigt lediglich, dass diese Mutationen häufiger vorkommen können. Es wurden ausschließlich Spermaproben untersucht – und der Stichprobenumfang war zudem nicht sehr groß. Daten zu tatsächlichen Schwangerschafts- oder Geburtsdaten lagen nicht vor. Die Autoren erklären außerdem, dass oft unklar ist, ob Mutationen oder DNA-Schäden in Spermien tatsächlich zu Erkrankungen beim Kind führen. Zwar sei eine Korrelation nachweisbar, ein kausaler Effekt und somit das Wissen um ein definitives Risiko blieben aber unscharf.

Mehrere Faktoren beeinflussen die Spermaqualität

In der Studie wurden zwar Lebensstil- und Umweltfaktoren (BMI, Alkoholkonsum, Rauchen) berücksichtigt – nicht aber die genetische Vorgeschichte der Männer, also ob genetische Prädispositionen für eine Mutationshäufigkeit vorlagen oder nicht.

Bekannt ist: Neben dem Alter haben auch der Konsum von Alkohol und/oder hochverarbeiteten Lebensmitteln, Bewegungsmangel und vieles mehr Einfluss auf die Spermienqualität. Entsprechend unterstreicht die Untersuchung die Bedeutung einer allgemein gesunden Lebensführung für Männer jeden Alters. Es ist möglich, dass sich die Anhäufung solcher Mutationen in Spermien beispielsweise durch die Ernährung – etwa durch die Einnahme von Antioxidantien – reduzieren lässt. FITBOOK erwartet diesbezüglich sowie zu weiteren Rückfragen alsbald eine Rückmeldung von den korrespondierenden Autoren.

Quellen

  1. Neville, M., Lawson, A., Sanghvi, R. et al. (2025), Sperm sequencing reveals extensive positive selection in the male germline, Nature ↩︎
  2. Shoag J.E., Srinivasa A., Loh C.A., et al. (2025). Direct measurement of the male germline mutation rate in individuals using sequential sperm samples. Nature Communications. ↩︎
  3. L, Priskorn., R, Lindahl-Jacobsen. et al. (2025). Semen quality and lifespan: a study of 78 284 men followed for up to 50 years. Human Reproduction ↩︎

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