8. Dezember 2025, 4:07 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Was als Kind harmlos beginnt, kann im Erwachsenenalter tödlich enden. Britische Forscher haben mit dem oft unbemerkten BK-Virus einen möglichen Hauptverursacher für Blasenkrebs entdeckt. FITBOOK-Autorin Friederike Ostermeyer erklärt, warum diese Erkenntnis der Schlüssel sein könnte, um diese besonders tödliche Krebsart komplett aus der Welt zu schaffen.
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Fast jeder hat sich als Kind damit infiziert. Die wenigsten haben davon etwas mitbekommen. Vielleicht ein bisschen Husten, dann war es auch schon wieder vorbei. Oder nicht? Die Rede ist vom BK-Virus, das offenbar tückischer ist, als lange angenommen. Es verschwindet nämlich nie ganz, sondern nistet sich im Harnwegsystem ein. In der Blase kann es unbemerkt DNA-Schäden verursachen, die die Entstehung von Blasenkrebs begünstigen. Dies haben britische Forscher aktuell in einer in der Fachzeitschrift „Science Advances“1 veröffentlichten Studie herausgefunden. Sie ziehen darin Parallelen zum Gebärmutterhalskrebs auslösenden HPV-Virus.
Ein unauffälliges Virus gerät in Verdacht
Zwar kommt Blasenkrebs vergleichsweise selten vor, bei spätem Erkennen bietet er jedoch nur geringe bis keine Überlebenschancen. Daher sollten Sie bei ersten Anzeichen wie schmerzlosen Blutbeimengungen im Urin sofort einen Arzt konsultieren! Leider schützt eine gesunde Lebensweise nicht immer. Ebenso können andere Faktoren eine Rolle spielen. Diese Vermutung hatten auch Forscher der University of York. In Gewebeproben von Blasentumoren wurden auffällig viele APOBEC3-Mutationen festgestellt. Dieses Enzym wird durch Viren ausgelöst, um diese zu bekämpfen. Daher fiel der Verdacht auf das dort „versteckte“ BK-Virus. Außerdem haben Nierentransplantationsempfänger ein dreimal höheres Risiko, an Blasenkrebs zu erkranken. Ein gemeinsamer Mechanismus? Genau dies wollten die Forscher erstmals prüfen.
So gingen die Forscher vor
In der Studie untersuchte das Team Harnweggewebe von gesunden Personen sowie von Personen, die an Blasenkrebs (einschließlich früher Stadien) erkrankt waren. Dabei ermittelten sie die jeweiligen Mutationsmuster und die Aktivität von APOBEC3. Zusätzlich infizierten sie menschliche Blasenzellen mit dem BK-Virus, um ihre Beobachtungen unter Laborbedingungen zu überprüfen. Um mögliche Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge noch besser zu verstehen, bezogen die Wissenschaftler weitere Modelle und Messmethoden mit ein.
Die wichtigsten Beobachtungen und Ergebnisse
Wie vermutet, aktiviert das BK-Virus die APOBEC3-Enzyme. Doch anstatt die Viren erfolgreich auszumerzen, verursachen die Abwehrmechanismen Mutationen an der eigenen Zell-DNA. Die durch BK-Viren entstandenen Schadensmuster wiesen die gleiche Signatur auf wie die von Blasenkrebs-Proben. Zudem betrafen die beobachteten DNA-Schäden nicht nur die infizierten Zellen, sondern auch die umliegenden „Zuschauerzellen“. Dieser Angriff auf unbeteiligte Nachbarn könnte erklären, warum viele Blasenkrebstumore keine Anzeichen des BK-Virus aufweisen.
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Tückische „Schlummerfunktion“
In der Regel kommt es gar nicht erst dazu, da das in der Kindheit eingeschlüpfte Virus nicht aktiv ist und somit keine Schäden an der DNA verursacht. Außergewöhnliche Belastungen des Immunsystems wie Transplantationen, bestimmte Medikamente, Immunsuppression oder hohes Alter können die BK-Viren allerdings „wecken“. Diese setzen schließlich eine Kettenreaktion in Gang, die zu Blasenkrebs führt.
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Dafür spricht das vielschichtige Studiendesign mit unabhängigen Ansätzen, die alle zum gleichen Ergebnis kommen. Damit steht die Möglichkeit im Raum, dass die Entstehung von Blasenkrebs hauptsächlich, wenn nicht sogar ausschließlich, auf BK-Viren zurückzuführen ist. „Ähnlich wie wir HPV (Humane Papillomviren) bekämpfen, um Gebärmutterhalskrebs vorzubeugen, könnten wir in Zukunft BK-Infektionen behandeln und so Blasenkrebs ausrotten“, gibt sich Studienleiter Dr. Simon Baker in der Universitätsmitteilung optimistisch.2 Die Wirksamkeit von HPV-Impfungen im Teenageralter gilt mittlerweile als belegt, sodass geschützte Mädchen und Frauen kaum noch Gebärmutterhalskrebs befürchten müssen.
Noch ein weiter Forschungsweg
Bislang gibt es weder Medikamente noch Therapien, geschweige denn eine Impfung gegen BK-Viren. Die Entdeckung eines offenbar kausalen Zusammenhangs zwischen BK-Virus und Blasenkrebs ist erst der Anfang. Entsprechend lang ist die Liste der offenen Fragen: Löst bereits eine BK-Aktivierung Krebs aus oder braucht es mehrere? Passiert das bei allen Menschen oder nur bei Gefährdeten? Wer ist besonders anfällig? Um die einzelnen Mechanismen und Ursachen dahinter wirklich zu verstehen, steht wohl noch viel Forschungsarbeit bevor.