Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für Fitness, Gesundheit und Ernährung
Getränke Alle Themen
Studie zeigt

Die Wirkung von Kakao im Sitzen

Kakao Wirkung
Langes Sitzen? Ein Heißgetränk mit Flavanolen könnte helfen Foto: Getty Images
Artikel teilen
Julia Freiberger
Redakteurin

31. Oktober 2025, 13:37 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Langes Sitzen wirkt sich negativ auf die Gefäße aus – das ist inzwischen gut belegt. Eine neue Studie zeigt nun, dass ein Getränk mit flavanolreichem Kakao diesen Effekt verhindern kann. Schon eine einmalige Einnahme reichte in der Untersuchung aus, um eine messbare Verschlechterung der Gefäßfunktion während zweistündigen Sitzens vollständig zu vermeiden. Interessant ist: Der schützende Effekt trat unabhängig vom Fitnesszustand der Teilnehmenden auf. Der Schlüssel liegt offenbar in bestimmten pflanzlichen Inhaltsstoffen – sogenannten Flavanolen –, die nicht nur in Kakao, sondern auch in Tee, Beeren oder Äpfeln vorkommen.

Jetzt dem FITBOOK-Kanal bei Whatsapp folgen!

An der Studie, die an der University of Birmingham in England durchgeführt wurde, nahmen 40 gesunde Männer im Alter von 18 bis 34 Jahren teil. Die Hälfte von ihnen war besonders fit, die andere weniger. Entscheidend war ein Test zur Ausdauerleistung, also wie gut der Körper Sauerstoff bei Belastung verwerten kann.1

Alle Teilnehmer durchliefen zwei identische Testtage: Vor jeder zweistündigen Sitzphase tranken sie entweder einen Kakao mit sehr wenig Flavanolen oder einen Kakao mit hohem Flavanolgehalt. Da die Getränke identisch aussahen und ähnlich schmeckten, war für die Probanden nicht feststellbar, welches Testgetränk sie erhielten.

Der Kakao-Drink mit hohem Flavonolgehalt enthielt 150 Gramm des Flavonols (−)-Epicatechin. Er kommt vor allem in Kakao, Tee und Beeren vor und kann sich positiv auf die Blutgefäße auswirken. Dafür hatten bereits frühere Studien Hinweise geliefert.2

Gemessen wurden vor und nach dem Sitzen:
– die Funktion der Arm- und Beinarterien
– Blutdruck und Herzfrequenz
– sowie die Sauerstoffversorgung in der Beinmuskulatur

Flavanolreicher Kakao stabilisierte die Gefäßfunktion trotz Sitzen

Nach zwei Stunden Sitzen zeigte sich bei den Teilnehmern eine messbare Verschlechterung der Gefäßfunktion – allerdings nur, wenn sie den flavanolarmen Kakao getrunken hatten. Die Arterien reagierten träger, weniger elastisch.

Wer dagegen den flavanolreichen Kakao getrunken hatte, zeigte keine Einbußen. In einigen Fällen blieb die Gefäßfunktion sogar stabil oder verbesserte sich leicht. Der Effekt war bei allen Personen gleich – egal, ob sie sportlich waren oder nicht.

Die Ausdauer der Teilnehmenden spielte also keine Rolle. Nicht Fitness, sondern Kakao schien den Unterschied zu machen.

Flavanole wirkten gezielt auf die großen Blutgefäße

Auffällig war: Der Blutfluss und andere Kreislaufwerte blieben durch den Kakao unverändert. Die Forscher vermuten daher, dass die Wirkung nicht durch bessere Durchblutung entstand, sondern durch eine direkte Wirkung auf die Gefäßwände.

Die Sauerstoffversorgung im Muskel verschlechterte sich bei allen durch das Sitzen – unabhängig vom Getränk. Ebenso stieg der diastolische Blutdruck leicht an. Der schützende Effekt des Kakaos bezog sich also vor allem auf die großen Arterien, nicht auf die feinen Gefäße oder den Blutdruck.

Mehr zum Thema

Einschränkungen der Studie

Wie immer ist es wichtig, die Studienerkenntnisse einzuordnen. Denn so bemerkenswert sie auch sind, Allgemeingültigkeit können sie nicht haben. Etwa weil die Studie ausschließlich mit jungen, gesunden Männern durchgeführt wurde. Frauen waren nicht beteiligt. Auch ältere Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht wurden nicht untersucht. Ob die beobachteten Effekte bei diesen Personengruppen genauso auftreten würden, ist unklar.

Zudem wurde nur eine einmalige Einnahme von Flavanolen vor einer zweistündigen Sitzphase untersucht. Wie lange der Effekt anhält, ob er sich durch regelmäßige Einnahme verstärkt oder ob er auch bei längerem Sitzen bestehen bleibt, ist bisher nicht bekannt.

Auch bei der Dosierung ist Vorsicht geboten. Das getestete Getränk enthielt 150 Milligramm (−)-Epicatechin, einen flavanolreichen Pflanzenstoff, der gezielt in hoher Konzentration verabreicht wurde. Solche Mengen finden sich in herkömmlichem Kakao oder Schokolade kaum. Nur ungesüßter, wenig verarbeiteter Kakao oder speziell angereicherte Produkte erreichen vergleichbare Werte.

Wichtig ist außerdem: Die Studie zeigt einen kurzfristigen Schutzeffekt, aber keine allgemeine Gesundheitswirkung von Kakao an sich. Wer sich viel bewegt, ausgewogen ernährt und regelmäßig Pausen vom Sitzen macht, profitiert langfristig am meisten. Kakao ersetzt keine Bewegung – er kann bestenfalls ein Baustein unter vielen sein, wenn Bewegung gerade nicht möglich ist.

Auch interessant: Flavonole aus Kakao können Sterberisiko durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich senken

Fazit

Flavanolreicher Kakao ist kein Ersatz für Bewegung – aber er könnte in bestimmten Alltagssituationen eine sinnvolle Ergänzung sein. Wer regelmäßig lange sitzt und auf seine Gefäßgesundheit achten möchte, profitiert nicht nur von Sport, sondern auch von bewusster Ernährung. Entscheidend ist dabei nicht irgendein Kakao, sondern die Wahl eines hochwertigen Produkts mit messbarem Gehalt an Flavanolen.

Die Forschung öffnet damit die Tür für neue Ansätze: Ernährung als gezielte Schutzmaßnahme – nicht allgemein, sondern angepasst an Situationen, in denen der Körper besonderen Belastungen ausgesetzt ist. Das ist kein Freifahrtschein für stundenlanges Sitzen, aber ein Impuls, Alltagsverhalten differenzierter zu denken.

Quellen

  1. Daniele, A., Lucas, S.J.E., Rendeiro, C. (2025). Dietary flavanols preserve upper- and lower-limb endothelial function during sitting in high- and low-fit young healthy males. The Journal of Physiology. ↩︎
  2. Alañón, M.E, Castle, S.M., Serra, G. et al. (2018). Acute study of dose-dependent effects of (−)-epicatechin on vascular function in healthy male volunteers: A randomized controlled trial. Clinical Nutrition. ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.