13. Februar 2026, 16:40 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Morbus Crohn ist bislang nicht heilbar. Eine kleine kanadische Studie hat jetzt untersucht, inwieweit Intervallfasten Betroffenen Linderung verschafft. Das Ergebnis ist vielversprechend.
In Deutschland leiden Hunderttausende Menschen an Morbus Crohn.1 Eine Schock-Diagnose, denn die chronische Darmerkrankung gilt bislang als unheilbar. Wenn es zu einem von heftigen Schmerzen, Fieber, Durchfällen und weiteren Symptomen begleiteten Schub kommt, bleibt den Betroffenen nur die Hoffnung auf die nächste beschwerdefreie Phase. Entzündungshemmende Medikamente bieten derzeit die größte Hilfe. Welchen Einfluss können Betroffene mit ihrer Ernährung auf den Verlauf nehmen? Bislang gibt es nur wenige große Studien zu diesem Thema. Ein internationales Forscherteam unter der Leitung der University of Calgary wollte deshalb herausfinden, wie sich Intervallfasten auf Morbus Crohn auswirkt. Wichtig: Untersucht wurden nur übergewichtige oder stark übergewichtige Patienten, und zwar in einer stabilen Krankheitsphase (Remission). Menschen mit einem akuten Schub nahmen nicht teil. Die vielversprechenden Studienergebnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift „Gastroenterology“ veröffentlicht.2
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Intervallfasten bedeutet, nur in einem bestimmten Zeitfenster zu essen, während der Rest des Tages die Kalorienaufnahme bei null liegen sollte. Dadurch sollen körpereigene Prozesse angeregt werden, die Fett zum Schmelzen bringen und gleichzeitig zahlreiche Selbstheilungskräfte in Gang setzen (FITBOOK berichtete). Viele Hollywoodstars schwören auf das Mini-Fasten und berichten, dass sie besser schlafen und klarer denken. Auch in Fachkreisen gilt Intervallfasten nicht nur als effektive Methode, um Gewicht zu verlieren, sondern gesundheitliche Beschwerden zu verbessern. Obwohl Morbus Crohn im akuten Zustand mit Gewichtsverlust einhergehen kann, leiden dennoch viele Betroffene an starkem Übergewicht. Das Unkomplizierte daran ist, dass diese Ernährungsform – abgesehen von Disziplin – ganz einfach und ohne besonderen Kostenaufwand in den Alltag zu integrieren ist. Ist Intervallfasten womöglich die beste Ernährungsform bei Morbus Crohn?
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Studie mit 35 Morbus-Crohn-Patienten
Das Forscherteam rekrutierte 35 übergewichtige Morbus-Crohn-Patienten. Per Zufallsprinzip teilten die Wissenschaftler 20 von ihnen der Fastengruppe und 15 der Kontrollgruppe zu, die ihre bisherigen Essgewohnheiten beibehielt. Die Fastengruppe durfte täglich acht Stunden lang essen. Dabei entschieden die Teilnehmenden selbst, was und wie viele Kalorien sie zu sich nahmen. In den darauffolgenden 16 Stunden verzichteten sie vollständig auf Nahrung und kalorienhaltige Getränke. Allerdings fasteten sie nicht an sieben, sondern an sechs Tagen pro Woche. Dadurch unterschied sich die Kalorienaufnahme zwischen beiden Gruppen kaum. Laut Studie spielte nicht die Menge der aufgenommenen Kalorien die entscheidende Rolle, sondern der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme – die Verbesserungen zeigten sich unabhängig von Kalorienmenge und Ernährungsqualität. Nach zwölf Wochen wertete das Forschungsteam die Ergebnisse aus.
Symptome, die auf Morbus Crohn hindeuten
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Intervallfasten bei Morbus Crohn: Die wichtigsten Beobachtungen
Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigte die Fastengruppe folgende Verbesserungen:
- deutlich weniger Krankheitssymptome
- bessere Blutwerte, vor allem hinsichtlich Entzündungen
- Gewichtsverlust von durchschnittlich 2,5 Kilogramm
- Rückgang des Bauchfetts, das als besonders entzündungsfördernd gilt
- verbesserter Stoffwechsel, der sich wiederum positiv auf Immunsystem und Darmflora auswirkt.
Insgesamt ging die Krankheitsaktivität der intervallfastenden Morbus-Crohn-Patienten um bis zu 40 Prozent zurück. Diese 40 Prozent beziehen sich konkret auf die Häufigkeit der Toilettengänge – nicht auf alle Entzündungswerte insgesamt. Konkrete Beschwerden im Bauchraum gingen sogar um 50 Prozent zurück.
Bei den Entzündungswerten ist zudem wichtig: Die üblichen Laborwerte für Morbus Crohn – CRP im Blut und Calprotectin im Stuhl – blieben weitgehend unverändert. Verbesserungen zeigten sich vor allem bei bestimmten Entzündungsstoffen, die vom Fettgewebe gebildet werden.
Beim erwähnten Bauchfett handelt es sich speziell um das Fett im Bauchraum, das die inneren Organe umgibt (viszerales Fett). Dieses Fett steht im Verdacht, Entzündungen im Körper zusätzlich anzutreiben.
Auch die Darmflora veränderte sich: Es nahm die Zahl von Bakterien zu, die kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat produzieren. Diese Stoffe gelten als entzündungshemmend und können die Darmbarriere stärken.
Vielversprechende Ergebnisse mit vielen offenen Fragen
Die Tatsache, dass es ausreichen könnte, jeden Tag 16 Stunden lang nichts zu essen, um Morbus-Crohn-Beschwerden maßgeblich zu lindern, gibt den Forschern Hoffnung. Studienleiterin Dr. Maitreyi Raman bilanziert in einer Mitteilung der „Crohn’s & Colitis Foundation of America“: „Wir beobachteten deutliche Verbesserungen der Krankheitssymptome, eine Linderung der Bauchbeschwerden, positive Veränderungen des Stoffwechsels und der Entzündungsreaktion sowie vielversprechende Veränderungen der Darmflora. All dies deutet darauf hin, dass Intervallfasten Patienten helfen kann.“3
Allerdings ist die Studie mit 35 Teilnehmern zu klein und mit 12 Wochen zu kurz, um allgemeingültige Aussagen treffen zu können. Es handelt sich um eine sogenannte Pilotstudie – also eine erste, kleinere Untersuchung. Die Ergebnisse dienen vor allem dazu, weitere, größere Studien anzustoßen und müssen noch bestätigt werden. Daher raten die beteiligten Forscher allen Betroffenen, die jetzt neugierig geworden sind und Intervallfasten ausprobieren möchten: Unbedingt vorher mit dem behandelnden Arzt absprechen. Um langfristig Sicherheit und Wirksamkeit zu gewährleisten, seien weitere Untersuchungen mit wesentlich mehr Probanden notwendig.