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Warum kalte Getränke bei extremer Hitze die bessere Wahl sein können

mann trinkt wasser
Ein Experte erklärt, warum bei extremer Hitze kalte Getränke die bessere Wahl sind Foto: Getty Images/MAREVGENNA
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Uwe Schröder
Diplom-Oecotrophologe und Vorstandssprecher des Deutschen Instituts für Sporternährung e. V.

14. Juli 2026, 19:02 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Wenn das Thermometer auf 35 Grad und mehr klettert, heißt es oft: lieber lauwarm trinken. Doch genau bei solcher Hitze kann das kühle Getränk die clevere Wahl sein. Uwe Schröder, Ernährungswissenschaftler und Vorstandsmitglied im Deutschen Institut für Sporternährung (DiSE), erklärt, warum das so ist.

Bei extrem hohen Temperaturen kommt der Rat: Kühle Getränke sind bei großer Hitze ungünstig, lauwarme besser. Die Begründung lautet meist, der Körper müsse kaltes Wasser erst aufwärmen, während warme Getränke das kühlende Schwitzen anregen. Das klingt plausibel. Wenn die Luft heißer ist als die Haut, ist es aber nur die halbe Wahrheit.

Was bei extremer Hitze im Körper passiert

Unsere Hautoberfläche liegt bei rund 35 Grad. Solange die Umgebung kühler ist, gibt der Körper Wärme über Strahlung und an die umgebende Luft ab – so wie ein warmer Ofen an einen kühlen Raum.

Sobald die Lufttemperatur in die Nähe der Hauttemperatur rückt oder sie übersteigt, kehrt sich dieses Verhältnis um. Strahlung und Luftkontakt kühlen dann kaum noch – im Gegenteil: Der Körper kann über diese Wege sogar Wärme aufnehmen. Das gilt an Extremtagen in Deutschland ebenso wie im Sommer- oder Sporturlaub im Süden. Dann bleibt vor allem ein wirksamer Weg, um Körperwärme loszuwerden – insbesondere bei körperlicher Anstrengung: das Verdunsten von Schweiß. Wie gut das gelingt, hängt allerdings stark von Luftfeuchtigkeit, Kleidung, Luftbewegung und der bereits vorhandenen Schweißmenge ab.

Das kalte Getränk als innere Kühlung

Hier kommt das kühle Getränk ins Spiel. Ein kaltes Getränk muss im Körper auf Kerntemperatur erwärmt werden – das stimmt. Nur ist das kein Nachteil, sondern der eigentliche Vorteil. Denn dabei wird überschüssige Körperwärme verbraucht, ganz ohne zusätzlichen Schweiß.

Ein Rechenbeispiel macht es greifbar: Ein halber Liter Wasser mit Kühlschranktemperatur entzieht dem Körper beim Aufwärmen rund 16 Kilokalorien an Wärme – Energie, die der Körper sonst über die Haut nach außen abgeben müsste, was bei großer Hitze kaum noch funktioniert. Sportler nutzen dieses Prinzip gezielt: Eisgekühlte Getränke oder Eis-Slurry vor und während der Belastung sind eine etablierte Methode, den Körper bei Hitze auf Betriebstemperatur zu halten.

Und was ist mit dem warmen Getränk?

An der verbreiteten Idee, ein warmes Getränk könne kühlen, ist etwas dran – allerdings kühlt nicht das Getränk selbst. Im Gegenteil, es bringt zunächst zusätzliche Wärme in den Körper. Der vermeintliche Kühleffekt entsteht über einen Umweg: Das warme Getränk regt vermehrtes Schwitzen an, und erst dieser zusätzliche Schweiß kühlt – und das auch nur unter einer klaren Bedingung. Der Schweiß muss möglichst vollständig verdunsten, denn nur die verdunstete Menge entzieht der Haut Wärme. Genau diese Bedingung ist bei großer Hitze meist nicht erfüllt.

Bei schwüler Luft, bedeckter Haut oder ohnehin schon kräftigem Schwitzen verdunstet der zusätzliche Schweiß nicht mehr vollständig – ein Teil tropft einfach ab. Im Alltag wird Schweiß zudem mit dem Handtuch abgewischt, abgetupft oder von Schweißbändern aufgesogen. Auch dann geht er als Kühlmittel verloren, statt auf der Haut zu verdunsten. In all diesen Fällen bleibt vom warmen Getränk nur eines übrig: Wasserverlust ohne Kühlgewinn. Unter trockenen Bedingungen mit guter Luftbewegung kann der zusätzliche Schweiß dagegen verdunsten und tatsächlich kühlen – bei Hitze ist das aber eher die Ausnahme.

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Auch die Mineralstoffe im Blick behalten

Es gibt noch einen Grund, das Schwitzen nicht unnötig anzukurbeln. Mit dem Schweiß verliert der Körper vor allem Wasser, Natrium und Chlorid, in kleineren Mengen auch die Elektrolyte Kalium, Calcium und Magnesium. Wer über ein warmes Getränk zusätzliches Schwitzen anregt, treibt diese Verluste weiter nach oben – über eine lange Hitzeperiode summieren sich die Elektrolytverluste.

Natrium ist insbesondere bei langen sportlichen Belastungen und sehr hohen Schweißverlusten für den kurzfristigen Ausgleich relevant. Calcium- und magnesiumreiches Mineralwasser kann einen kalorienfreien, sinnvollen Beitrag zum Ausgleich der Schweißverluste leisten. Das ist gerade bei Menschen, die diese Mineralstoffe über die Ernährung nicht zuverlässig in ausreichender Menge aufnehmen, wichtig. In Deutschland ist die Zufuhr sowohl bei Calcium als auch bei Magnesium nicht in allen Bevölkerungsgruppen optimal.

Fazit

Im Detail hängt die Bilanz von Luftfeuchte, Kleidung und der eigenen Schweißkapazität ab. Zudem fällt der Unterschied zwischen den Getränketemperaturen bei sehr trockener Hitze kleiner aus. Aber sobald die Luft so warm wird wie die Haut, spricht vieles für das gekühlte Getränk und nicht dagegen. Wer also beim nächsten Hitzetag mit 35 Grad und mehr zu einem gekühlten Getränk greift, macht nichts falsch – im Gegenteil.

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