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Hayden Panettiere

»Ein Arzt sagte mir, ich würde innerhalb von 5 Jahren sterben

Hayden Panettiere war Alkoholsüchtig und in Entzug.
In ihren Memoiren spricht sie offen über ihre Alkoholsucht und die Therapie Foto: NBC
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21. Mai 2026, 20:49 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Am 19. Mai veröffentlichte Schauspielstar Hayden Panettiere ihre Memoiren „This is Me: A Reckoning“. Der Titel bedeutet im Deutschen so viel wie „Das bin ich: Die Abrechnung“. Und dieser Titel ist nicht zu hoch gegriffen. Nach der Veröffentlichung verbreiteten sich die Enthüllungen wie ein Lauffeuer in den Medien. Besonders schockierend: Ein Arzt warnte sie, dass sie sterben könnte!

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Ursachen und Flucht

In ihren Memoiren berichtet die 36-jährige Schauspielerin intensiv über ihre Flucht in den Alkoholismus. Wie es in den schlimmsten Zeiten der Flucht um sie stand, verdeutlichte eine ärztliche Einschätzung. „Ein Arzt sagte mir, dass, wenn ich nicht aufhörte, zu trinken, ich in fünf Jahren tot wäre“, zitiert das Magazin „People“ aus Hayden Panettieres Buch.

Zu dem Zeitpunkt war der Hollywoodstar bereits jahrelang abhängig und litt unter Gelbsucht. „Alkohol hat mir das Gefühl gegeben, ‚Scheiß drauf, ich kümmere mich später um alles‘, und innerhalb von dreißig Sekunden war ich voll im Flow“, schreibt sie. Für sie habe es sich angefühlt, als könne sie endlich wieder Luft holen und atmen. Den Zufluchtsort an der Flasche suchte sie vor allem deshalb, weil der Alkohol ihr dabei half, schmerzhafte Realitäten zu verdrängen. „In dieser Scheißzone vergaß ich alles: Brians Misshandlungen, Kayas Abwesenheit und eine Karriere, vor der ich mich versteckt hatte“, berichtet Panettiere. Mit „Kaya“ meint sie ihre Tochter, die seit 2018 bei ihrem Vater, dem Boxer Wladimir Klitschko, in der Ukraine lebt. Wenn sie von „Brians Misshandlungen“ schreibt, meint sie ihren Ex-Freund Brian Hickerson, mit dem sie von 2018 bis 2021 in einer Beziehung war. Im Juli 2020 wurde Hickerson wegen acht Fällen häuslicher Gewalt verhaftet.

Panettieres Erfahrungen spiegeln eine häufige Ursache wider, die viele in eine Alkoholabhängigkeit führt. Alkohol wird zum vermeintlichen „Medikament“ zur Bewältigung von Traumata und psychischen Belastungen. In der Medizin wird Alkohol oft als starkes Sedativum und Anxiolytikum (Angstlöser) wahrgenommen. Er dämpft das zentrale Nervensystem und bietet bei extremem Stress eine fatale, sofortige Entlastung. Betroffene – wie im Fall von Panettiere – greifen oft inmitten häuslicher Gewalt oder tiefem emotionalen Schmerz zur Flasche. Alkohol blockiert die Wahrnehmung unerträglicher Emotionen und erzeugt die Illusion von Kontrolle und Entspannung.1 Aus dieser anfänglichen „Selbstmedikation“ entwickelt sich jedoch schnell ein psychischer und physischer Teufelskreis: Da die zugrundeliegenden Probleme durch das Trinken nicht gelöst, sondern nur betäubt werden, wächst das Verlangen nach der kurzfristigen Erleichterung, bis der Körper ohne die dämpfende Wirkung des Alkohols nicht mehr funktionstüchtig ist.2

Der Weg in die Therapie

2020 begab sich Panettiere in eine achtmonatige Behandlung. Damit ist sie einen Schritt gegangen, den nur sehr wenige Abhängige wagen. In Deutschland begeben sich schätzungsweise nur zehn Prozent der Alkoholkranken in eine professionelle Behandlung, obwohl diese so essenziell wäre. Es schaffen lediglich 20 bis 30 Prozent der Betroffenen, ohne eine professionelle Entzugstherapie, eigenständig mit dem Trinken aufzuhören. Selbst in diesem Szenario müssen die Umweltbedingungen günstig sein und die Angehörigen unterstützend mitwirken.3

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Entzug kann zur Qual werden

Vor allem die ersten zwei Wochen schienen für Panettiere eine Qual gewesen zu sein. In ihren Memoiren schreibt sie davon, Stimmen gehört zu haben, „die so furchterregend waren, dass ich auf allen Vieren in mein Badezimmer kroch, mich auf die kühlen, sauberen Fliesen legte und darauf wartete, dass die Panik vorüberging“. Medizinisch lassen sich solche Erlebnisse als schwere Entzugssymptome einordnen. Der abrupte Verzicht auf Alkohol kann neben Halluzinationen und Panikattacken im schlimmsten Fall auch lebensgefährliche Krampfanfälle auslösen. Deswegen wird eindringlich davor gewarnt, einen kalten Entzug nicht ohne ärztliche Aufsicht durchzuführen.

„Als mein Nervensystem versuchte, sich ohne die dämpfende Wirkung des Alkohols zu regulieren, geriet es in einen Ausnahmezustand, und mein ganzer Körper zitterte“, schreibt Panettiere. Sie habe nicht schlafen können, und ihr Kopf habe gepocht, als würde er gegen ihren Schädel drücken. Diese Schilderung deckt sich mit den typischen Mechanismen der Alkoholabhängigkeit. Da Alkohol das zentrale Nervensystem chronisch dämpft, reagiert der Körper bei einem Entzug mit einer massiven Überaktivierung. Die Betroffenen erleben einen emotionalen und körperlichen Kontrollverlust, der das immense Rückfallrisiko in der Anfangsphase erklärt. Panettiere beschreibt dieses psychologische Dilemma eindrücklich: „Wenn wir [Süchtige] zittern, uns übel ist, wir Angst haben, einsam oder depressiv sind, brauchen wir sofortige Linderung, die uns in diesen schmerzfreien Zustand namens Verleugnung versetzt.“

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Die Zeit nach dem Entzug

Die Phase nach dem Entzug ist unfassbar essenziell, da das Rückfallrisiko einfach so enorm ist. Das Risiko liegt bei 80 bis 90 Prozent. Panettiere hat diese kritische Phase erfolgreich durchgestanden. Sie schildert, dass in dem Moment, als sie die Entzugsklinik verließ, die Sonne heller geschienen habe: „Der Himmel blauer, und überall um mich herum konnte ich das Summen der Geschöpfe hören, die die harte Arbeit des Lebens verrichteten.“ Zudem schreibt sie rückblickend, dass sie damals „klarer im Kopf als je zuvor“ gewesen sei.

Quellen

  1. Ada. Alkoholentzugssyndrom. (aufgerufen am 21.05.2026) ↩︎
  2. St. Augustinus Gruppe. Alkoholkrankheit und -abhängigkeit. (aufgerufen am 21.05.2026) ↩︎
  3. Süddeutsche Zeitung. "Nur zehn Prozent der Alkoholiker kommen in Behandlung". (aufgerufen am 21.05.2026) ↩︎

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