2. Juli 2026, 19:57 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Als zentrale weibliche Fortpflanzungsorgane produzieren die Eierstöcke befruchtungsfähige Eizellen und bilden die Sexualhormone Östrogen und Progesteron. Mit der Menopause ist der Vorrat an Eizellen jedoch erschöpft, die Eierstöcke galten daher lange als ab diesem Zeitpunkt weitgehend inaktiv. Umso interessanter sind die Ergebnisse einer neuen Studie. Demnach könnten die Eierstöcke nach der Menopause womöglich eine neue bedeutende Funktion übernehmen: die eines Immunorgans.
Die Menopause bezeichnet den Zeitpunkt der letzten natürlichen Regelblutung einer Frau.1 Mit ihr endet die fruchtbare Lebensphase, denn der Vorrat an Follikeln (Eibläschen in den Eierstöcken) ist nun nahezu vollständig aufgebraucht. Bislang war nur wenig darüber bekannt, welche Funktion die Eierstöcke ab diesem Moment noch erfüllen.
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Veränderte Rolle der Eierstöcke nach der Menopause?
Es gab bereits Hinweise darauf, dass die Eierstöcke nach der Menopause zumindest nicht gänzlich biologisch inaktiv sind. Diese stammen aus einer Untersuchung von 28 gesunden Frauen im Alter zwischen 50 und 75 Jahren, die ein Forschungsteam um Francesca E. Duncan von der Northwestern University bislang als Preprint veröffentlicht hat.2 Die Auswertung ergab, dass sich ein bestimmtes Eiweißmuster der Eierstöcke auch noch Jahrzehnte nach der Menopause weiter verändert. Bei jüngeren postmenopausalen Frauen konnten die Forscher verstärkt Proteine nachweisen, die mit der Zellstruktur und der Genregulation zusammenhängen. Bei den älteren Probandinnen dagegen waren es zunehmend an Entzündungsprozessen, Umbauvorgängen des Gewebes und der angeborenen Immunabwehr beteiligte Proteine. Darüber hinaus fanden die Forscher Hinweise darauf, dass die Eierstöcke im Alter vermehrt Signalproteine freisetzen könnten, die mit allgemeinen Alterungsprozessen im Körper in Verbindung stehen.
Auf diesen Beobachtungen baut nun eine neue Studie, die Experimente mit Mäusen umfasst und an der ebenfalls Forscherin Duncan beteiligt war, auf.3
Mäuse eignen sich für diese Untersuchungen, da sie – ähnlich wie der Mensch – mit zunehmendem Alter ihre Fortpflanzungsfähigkeit verlieren. Sie durchlaufen anschließend eine dauerhafte postreproduktive Lebensphase („Oopause“), und diese weist laut den Autoren in wichtigen biologischen Aspekten Parallelen zur Zeit nach der Menopause beim Menschen auf. Ziel der Studie war es daher, die strukturellen und molekularen Veränderungen der Eierstöcke über diesen gesamten Alterungsprozess hinweg systematisch zu erfassen.
Details zur Untersuchung
Die Wissenschaftler untersuchten Eierstöcke weiblicher Mäuse in drei Lebensphasen:
- im Alter von zwei Monaten, wenn die Tiere fortpflanzungsfähig sind,
- mit 18 Monaten (reproduktives Alter) sowie
- mit 24 Monaten in der postreproduktiven Phase.
Von jedem Tier wurde ein Eierstock histologisch untersucht (Gewebeuntersuchung), der zweite diente der genetischen Analyse.
In den Gewebeproben bestimmten die Forscher unter anderem die Anzahl der Follikel. Zusätzlich setzten sie spezielle Färbemethoden ein, um den Anteil von Kollagen im Gewebe sichtbar zu machen. Eine verstärkte Kollagenablagerung gilt als typisches Merkmal für Fibrose, also eine altersbedingte Verhärtung und strukturelle Umgestaltung des Gewebes.
Ergänzend nutzten die Forscher eine sogenannte Bulk-RNA-Sequenzierung. Diese Methode macht sichtbar, welche Gene in einem Gewebe besonders aktiv sind, und ermöglicht Rückschlüsse darauf, welche biologischen Prozesse in den verschiedenen Altersstufen verstärkt oder heruntergefahren werden.
Abschließend analysierte das Team, welche Immunzellen im Eierstock nachweisbar sind, und untersuchte Gene, deren Produkte vermutlich vom Eierstock in andere Körperregionen abgegeben werden können.
So verändern sich die Eierstöcke
Die Anzahl der Follikel fiel mit zunehmendem Alter deutlich ab – dies war zu erwarten. Bei den Mäusen war der Vorrat bereits im Alter von 18 Monaten nahezu aufgebraucht und bei den 24 Monate alten Tieren war kein weiterer nennenswerter Rückgang mehr festzustellen. Gleichzeitig zeigte sich eine zunehmende Umgestaltung des Gewebes, welche die Forscher insbesondere auf eine verstärkte Einlagerung von Kollagen zurückführten.
Auf molekularer Ebene waren die Veränderungen besonders ausgeprägt. Beim Vergleich von jungen und postreproduktiven Mäusen identifizierten die Forschenden 8515 unterschiedlich regulierte Gene. Dabei wiesen zahlreiche Gene, die für die Eizellreifung, die Hormonproduktion und andere Fortpflanzungsprozesse wichtig sind, eine deutlich verringerte Aktivität auf. Gleichzeitig nahm die Aktivität solcher Gene zu, die mit Immunreaktionen, Entzündungsprozessen und der Kommunikation zwischen Immunzellen in Verbindung stehen.
Mehr Immunzellen im Gewebe postreproduktiver Mäuse
Die beobachteten genetischen Veränderungen stellten sich auch im Gewebe dar. Das Forscherteam fand in den Eierstöcken älterer Tiere deutlich mehr T-Zellen, Makrophagen und mehrkernige Riesenzellen – diese gehören alle zum Immunsystem. Zudem unterschieden sich die Eierstöcke der 24 Monate alten Mäuse weiterhin von denen der 18 Monate alten Tiere. Dies deuteten die Forscher so, dass es auch nach dem Ende der Fortpflanzungsfähigkeit zu molekularen Umbauprozessen kommt.
Die Forscher identifizierten darüber hinaus zahlreiche Gene, deren Produkte vermutlich vom Eierstock ausgeschüttet werden könnten. Viele davon stehen in Verbindung mit Entzündungsreaktionen oder immunologischen Prozessen. Eine mögliche Erklärung dafür könnte sein, dass der postreproduktive Eierstock Signale an andere Organe sendet.
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Mögliche Bedeutung der Ergebnisse
Die Eierstöcke sind nach dem Ende ihrer Fortpflanzungsfunktion – also nach der Menopause – offenbar keineswegs biologisch inaktiv. Zumindest im Mausmodell entwickeln sie stattdessen Eigenschaften, die mit Immunprozessen und der Abwehr von Krankheitserregern in Verbindung stehen könnten.
Ob sich daraus künftig neue Therapien ableiten lassen, ist derzeit noch völlig offen. Die Studienautoren hoffen jedoch, dass sich die beobachteten Veränderungen auch beim Menschen bestätigen lassen. Dies könnte dazu beitragen, die biologischen Veränderungen des weiblichen Körpers nach der Menopause besser zu verstehen.
Die Forscher haben die Vermutung, dass entzündungsfördernde Signalstoffe aus den Eierstöcken altersbedingte Veränderungen in anderen Organen beeinflussen könnten. Doch mehr als eine Vermutung ist es bislang nicht, der mögliche Zusammenhang war kein Bestandteil der vorliegenden Studie. Es wäre allerdings zumindest denkbar, die entzündlichen Prozesse im Eierstock gezielt zu beeinflussen, ohne dabei den Hormonhaushalt zu stören.
Einschränkungen
Auch wenn sich Mäuse grundsätzlich gut als Modell für die Erforschung der reproduktiven Alterung eignen, unterscheiden sie sich natürlich in mehreren Punkten vom Menschen. Deshalb lassen sich die Ergebnisse nicht unmittelbar auf Frauen übertragen.
Einschränkend ist zudem zu bemerken, dass die angewandte RNA-Sequenzierung lediglich die Aktivität von Genen erfasst. Welche Auswirkungen sich daraus für den gesamten Körper ergeben, ist bislang nur zu mutmaßen. Zudem können die Forscher nicht mit Sicherheit sagen, ob tatsächlich mehr Immunzellen in den Eierstock einwandern oder ob die Eierstockzellen zunehmend immunähnliche Eigenschaften entwickeln.
Es sind somit weitere Untersuchungen notwendig, insbesondere an menschlichem Gewebe, betonen die Forscher. Erst dann lässt sich zuverlässig beurteilen, welche Bedeutung die beobachteten Veränderungen für die Gesundheit von Frauen nach der Menopause haben.