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Daten der vergangenen 25 Jahre

Lungenkrebs häufigste Todesursache bei Frauen – Anstieg um fast 90 Prozent

Frauen haben ein großes Risiko für Lungenkrebs
Lungenkrebs ist erstmals die häufigte krebsbedingte Todesursache bei Frauen Foto: Getty Images
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10. Dezember 2025, 12:52 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Forscher gingen bereits von einem erhöhten Lungenkrebsrisiko bei Frauen aus. Aktuelle Zahlen bestätigen nun diese Annahme, und zeigen noch mehr Erschreckendes auf. Im Jahr 2024 starben erstmals mehr Frauen an Lungenkrebs als an Brustkrebs – lange Zeit die häufigste krebsbedingte Todesursache bei Frauen. Im Vergleich zu vor rund 25 Jahren ist die Zahl der Todesfälle um fast 90 Prozent gestiegen, altersbereinigt sind es etwa 45 Prozent. FITBOOK-Autorin Laura Pomer geht näher auf die jüngst veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamts ein. Dabei bleiben noch Fragen dazu offen, welche Faktoren dieser Entwicklung zugrunde liegen.

Mehr Lungenkrebserkrankungen und -tode bei Frauen

Neben den Todesfällen durch Lungenkrebs ist auch die Zahl der Neuerkrankungen bei Frauen gestiegen. Vor rund 25 Jahren wurden etwa 10.000 Fälle registriert, zwischen 2000 und 2022 stieg die Zahl auf rund 24.000. Altersbereinigt entspricht dies einem Anstieg von 45 Prozent. Die Altersbereinigung zeigt, wie sich Erkrankungs- oder Sterberaten entwickeln würden, wenn die Bevölkerung über die Jahre hinweg die gleiche Altersstruktur hätte, und macht so Trends unabhängig vom demografischen Wandel sichtbar.

Dr. Alice Nennecke, Leiterin des Hamburgischen Krebsregisters, betont in einer Pressemitteilung der Universität Lübeck* die Bedeutung eines breiteren Bewusstseins dafür, dass Lungenkrebs „längst keine Männerkrankheit mehr ist“. Zahlen des Statistischen Bundesamts bestätigen dies. Zwar erkranken Männer demnach weiterhin häufiger an Lungenkrebs als Frauen. Doch ihre altersbereinigte Sterblichkeit ist seit 2000 um mehr als 30 Prozent gesunken. Bei den unter 40-Jährigen gleichen sich die Erkrankungszahlen der Geschlechter bereits an – ein Trend, der darauf hindeutet, dass sich die Raten in den kommenden Jahren weiter annähern werden.

Gründe für erhöhtes Lungenkrebsrisiko bei Frauen

Als wesentlicher Grund für diese Entwicklung wird das Rauchverhalten angeführt. Während Männer seit den 1970er-Jahren tendenziell weniger rauchten, stieg die Zahl an Raucherinnen in den vergangenen Jahrzehnten eher an. Als weiterer Treiber der steigenden Krebszahlen werden in der Veröffentlichung die „neuen Formen“ des Nikotinkonsums genannt. E-Zigaretten, Shishas oder Tabakerhitzer, die sich als weniger gefährliche Genussmittel tarnen, liefern ebenfalls Nikotin und belasten die Lunge.

Hinsichtlich des erhöhten Sterberisikos durch Lungenkrebs bei Frauen betonen die Fachleute, dass ein flächendeckendes Screening für Lungenkrebs bislang fehlt. Brustkrebs hingegen, der in den vergangenen 25 Jahren erstmals weniger Todesopfer unter Frauen gefordert hat als Lungenkrebs, wird dank etablierter Vorsorgeprogramme häufig in frühen, noch gut behandelbaren Stadien entdeckt. Bei Lungenkrebs erfolgt die Diagnose oft erst spät. Dabei zeigen Studien und Metaanalysen, dass ein Screening mit Niedrigdosis-Computertomographie (LDCT) bei Risikogruppen die Früherkennung von Lungenkrebs verbessert und die lungenkrebsspezifische Sterblichkeit deutlich senken kann.1 Ein entsprechendes flächendeckendes Lungenkrebs-Screening ist derzeit in Vorbereitung und soll im Jahr 2026 starten.

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Möglicher Einfluss frauenspezifischer reproduktiver Faktoren

Die Zahlen schockieren zwar, doch sie überraschen nicht sehr. Und sie werfen weiterhin Fragen auf. Denn in den vergangenen Jahren wurden immer wieder Fälle von Frauen bekannt, die an Lungenkrebs erkrankten – obwohl viele von ihnen nie geraucht hatten. Ein prominentes Beispiel dafür ist die „Big Bang Theory“-Schauspielerin Kate Micucci. Der zuvor erwähnte Tabakkonsum erklärt die zunehmende Prävalenz bei Frauen daher nicht vollständig. Unter Nichtrauchern erkranken gar Frauen fast doppelt so häufig an Lungenkrebs wie Männer. Dies belegt eine Studie der American Cancer Society (ACS).2 Und: „Die Daten spiegeln sich so auch in Deutschland wider.“ Das erfuhr FITBOOK auf Nachfrage bei Dr. med. Rainer Lipp, Facharzt für u. a. Hämatologie und Geschäftsführer der Stiftung Deutsche Onkologie. Diese führt ein Register über bundesweit behandelte Tumorerkrankungen.

Welche biologischen Unterschiede zwischen Frauen und Männern könnten für das ungleich ausgeprägte Lungenkrebsrisiko verantwortlich sein? Diese Frage war Gegenstand einer Studie chinesischer Forscher.3 Sie beleuchtete speziell „frauenspezifische reproduktive Faktoren“ – Aspekte also, die mit der weiblichen Fortpflanzungsfähigkeit in Verbindung stehen.

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Untersuchung biologischer Unterschiede als Risikofaktor

Die Forscher griffen als Untersuchungsgrundlage auf die umfangreiche Datensammlung der Langzeit-Beobachtungsstudie UK Biobank zu und konzentrierten sich dabei auf die Daten von 273.190 Frauen, die zwischen 2006 und 2010 in die UK Biobank aufgenommen wurden. Sie holten bei den ausgewählten Probandinnen Informationen zu deren reproduktiver Gesundheit ein, also etwa dazu, wann die Frauen zum ersten Mal ihre Regelblutung hatten, ob und ggf. wann sie Kinder bekommen bzw. im Laufe ihres Lebens Hormone (z. B. als Verhütungsmittel oder Ersatztherapie nach den Wechseljahren) eingenommen hatten. Weiterhin wurden etwaige Operationen im Unterleib (z. B. Entfernung der Eierstöcke oder Gebärmutter) abgefragt.

Auf Basis der vorliegenden Informationen errechneten die Forscher die Dauer der reproduktiven Lebensspanne der teilnehmenden Frauen. Gemeint ist damit die Zeit, in der sie – rein biologisch betrachtet – fähig waren, Kinder zu bekommen. In einem anschließenden Beobachtungszeitraum von durchschnittlich 12 Jahren nahmen sie in die Analyse auf, bei welchen der Frauen man zwischenzeitlich Lungenkrebs diagnostiziert hatte.

Ergebnisse und Einschränkungen der Studie

Die Auswertung ergab ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko sowohl bei Frauen, die ihre erste Regelblutung früh hatten, als auch bei solchen, bei denen die Menopause vergleichsweise früh eingesetzt hatte. Eine Reproduktionsdauer von weniger als 36 Jahren ging demnach mit einer erhöhten Erkrankungswahrscheinlichkeit einher (im Vergleich zu einer „normalen“ Spanne von rund 36 bis 39 Jahren). Auch ein junges Alter bei der ersten Geburt eines Kindes erhöhte das Risiko für das Auftreten von Lungenkrebs. Gleiches gilt der Studiendokumentation zufolge für operative Entfernungen der Eierstöcke. Die beschriebenen Zusammenhänge bestanden zwar umso mehr bei Frauen, die zum Erhebungszeitpunkt rauchten oder dies in der Vergangenheit getan hatten, aber auch bei Nichtraucherinnen.

Die Forscher betrachten es auf Basis ihrer Untersuchung als bestätigt, dass reproduktive Faktoren zu berücksichtigen sind, um Lungenkrebs bei Frauen frühzeitig zu erkennen. Sie räumen jedoch auch Einschränkungen der Studie ein. Demnach lassen sich Messfehler nicht ausschließen. Zudem gelten die Ergebnisse nur für eine gesunde, wohlhabende Probandinnengruppe und lassen sich somit nicht auf alle Bevölkerungsgruppen übertragen. Offene Fragen betreffen den Einfluss von Eierstockentfernungen, da viele Patientinnen anschließend eine Hormonersatztherapie erhalten, sowie mögliche äußere Faktoren wie Luftverschmutzung, die nicht untersucht wurden.

* Das Institut für Sozialmedizin der Universität zu Lübeck arbeitet eng mit dem Deutschen Krebsregister und dem Robert Koch-Institut zusammen. Es analysiert regelmäßig die Daten der Landeskrebsregister in Deutschland.

Quellen

  1. The National Lung Screening Trial Research Team. (2011). Reduced Lung-Cancer Mortality with Low-Dose Computed Tomographic Screening. New England Journal of Medicine. ↩︎
  2. American Cancer Society: „More U.S. Young Women Diagnosed With Lung Cancer at a Higher Rate Than Young Men, New Report Shows; Increase Extends to Older Women“ (aufgerufen am 10.12.2025) ↩︎
  3. Y. Zhang, H. Liang, J. Cheng et al. (2023), Associations Between Sex-Specific Reproductive Factors and Risk of New-Onset Lung Cancer Among Women. Chest. ↩︎

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